LONDON (IT BOLTWISE) – Die dänische Finanzaufsicht Finanstilsynet verhängt einen Stopp für Neukunden aus dem iGaming-Sektor gegen das Zahlungsunternehmen Inpay A/S. Bei einer Prüfung im März 2026 beanstandet die Behörde gravierende Lücken bei der Überprüfung von Kundenidentitäten und bei der Überwachung von Transaktionen. Inpay stellt daraufhin freiwillig die Neukundenakquise im Glücksspielbereich ein, bis die Kontrollen auf ein gefordertes Niveau nachgewiesen sind. Der Fall zeigt, wie eng Geldwäscheprävention bei grenzüberschreitenden Zahlungsströmen für risikobehaftete Branchen inzwischen geprüft wird.

Für Inpay A/S wird der dänische Spielraum enger: Finanstilsynet ordnet einen Stopp für Neukunden aus dem iGaming-Sektor an, nachdem die Aufsicht bei einer Prüfung schwere Verstöße gegen das Geldwäscherecht festgestellt hat. Konkret darf der Zahlungsdienstleister vorerst keine neuen Geschäftskunden aus dem Bereich Online-Glücksspiel annehmen. Inpay ist unter dem dänischen Zahlungsdienstegesetz als E-Geld-Institut lizenziert und verarbeitet als spezialisierter Anbieter grenzüberschreitende Zahlungen, die im Markt oft als schneller gelten als klassische Bankprozesse wie etwa der klassische SWIFT-Weg. Für die Branche ist das deshalb mehr als ein lokales Compliance-Thema: Zahlungsanbieter sitzen häufig genau an der Schnittstelle, an der sich Risiken aus Glücksspielplattformen in den Zahlungsverkehr „einspeisen“.
Der Auslöser liegt in der Detailarbeit der Geldwäscheprävention. Laut Finanstilsynet betreffen die festgestellten Mängel nicht nur einzelne Konten, sondern einen großen Teil des Portfolios im Online-Gaming-Segment. Besonders kritisch bewertet die Aufsicht, dass Inpay nicht ausreichend belegen konnte, dass die gesetzlich geforderte Sorgfaltspflicht bei der Überwachung von Transaktionen eingehalten wurde. Bei der Identifizierung sieht die Behörde außerdem Defizite: Der Zweck und die Art von Geschäftsbeziehungen bei „flaggenträchtigen“ Konten seien nicht klar identifiziert worden. Dazu kamen nach Angaben der Aufsicht fehlende oder nicht angemessen dokumentierte Risikobewertungen für Kunden, die aufgrund ihrer Struktur oder ihres Standorts als Hochrisikokunden im Kontext von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gelten.
In die gleiche Richtung zielt auch der Umfang der Prüfannahmen. Finanstilsynet verweist darauf, dass die Bedeutung des Verstoßes durch die Komplexität der Eigentumsstrukturen und die Aktivitäten in vielen Ländern erschwert werde. Genau diese Konstellationen sind in international vernetzten Zahlungsflüssen häufig der Knackpunkt: Wenn ein Zahlungsanbieter Geschäftsbeziehungen über mehrere Jurisdiktionen hinweg abwickelt, reicht es nicht, die Identität eines Vertragspartners einmalig zu prüfen. Dann müssen auch laufende Plausibilitäten, erwartbare Transaktionsmuster und die Einordnung in ein Risiko-Schema zusammenpassen. Inpay operiert dabei nicht als „reine“ Bankfiliale, sondern als E-Geld-Institut mit Schnittstellenfunktion zu Firmenkunden, Finanzinstituten und auch Krypto-Umfeldern. Für die Compliance-Teams bedeutet das: Sie müssen nicht nur KYC (Know Your Customer) abarbeiten, sondern die daraus abgeleiteten AML-Kontrollen so aussteuern, dass sie bei wechselnden Strukturen und wechselnden Transaktionsvolumina konsistent bleiben.
Inpay reagiert, indem das Unternehmen die Neukundenakquise im Glücksspielsektor freiwillig stoppt. Diese Selbstbeschränkung gilt laut Darstellung so lange, bis Inpay durch Dokumente nachweisen kann, dass die AML-Kontrollen auf das erforderliche Niveau gehoben wurden. Bestehende Kundenbeziehungen sollen zunächst weiterlaufen, allerdings „unter verschärfter Beobachtung“. Das ist ein typisches Muster bei regulatorischen Eingriffen: Während der Markt nach außen hin einen klaren Einschnitt spürt, bleibt intern oft genügend Zeit, um Kontrollprozesse nachzubessern – aber die Messlatte wird mit jeder weiteren Prüfphase höher. Für iGaming-Plattformen und ihre Business-Kunden ist das unmittelbar spürbar, weil Zahlungswege im Alltag nicht nur technische Integrationen, sondern auch Vertrags- und Onboarding-Prozesse für neue Partner umfassen.
Der Hintergrund ist in der Natur des iGaming-Bereichs angelegt. Online-Glücksspiel gilt international als Sektor mit erhöhtem Risiko für illegale Finanzströme. Wenn ein Zahlungsdienstleister Kunden akzeptiert, die keine gültige EU-Lizenz besitzen, steigt das Risiko sprunghaft an. Damit rückt auch in den Fokus, wer im Hintergrund als „Zahlungsbrücke“ dient: Viele Plattformen steuern ihr Setup so, dass Endnutzer möglichst reibungslos einzahlen können – während Zahlungsanbieter die regulatorische Prüfung vornehmen müssen, bevor Transaktionen überhaupt sauber abgebildet werden. Hinzu kommt, dass die Finanstilsynet explizit die Komplexität der Eigentumsverhältnisse als Überwachungshemmnis beschreibt. Gerade diese Eigentumsverflechtungen sind bei global aufgestellten Plattformen häufig ein Grund dafür, warum man mit einfachen Checklisten nicht auskommt und statt dessen tiefere Risikoanalysen, nachvollziehbare Entscheidungslogiken und belastbare Dokumentationsketten braucht.
Für deutsche Spieler ist die Meldung vor allem ein Signal für die verschärfte Aufsicht in Europa. In Deutschland reguliert der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021), welche Anbieter legal operieren dürfen; nur Casinos, die auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, sind zulässig. In der Praxis heißt das: Legale deutsche Anbieter müssen sicherstellen, dass ihre Zahlungswege „sauber“ sind. Inpay taucht für Endkunden häufig eher indirekt auf, weil Zahlungsdienstleister im Hintergrund bei B2B-Transaktionen eingesetzt werden können. Wenn nun ein Zahlungsanbieter wegen AML-Mängeln ausgebremst wird, wirkt das deshalb auch auf die Compliance-Prioritäten bei Plattformen durch: Die Partnerkette wird genauer betrachtet, und die Erfüllung von Sorgfaltspflichten wird weniger toleriert, wenn sie nur teilweise dokumentiert oder nur in Teilen umgesetzt ist.
Für GGL-lizenzierte Casinos folgt daraus ein klarer operativer Druck: Sie sind verpflichtet, nur mit zuverlässigen Partnern zusammenzuarbeiten, und sie müssen ihre Zahlungs- und Compliance-Lieferkette regelmäßig überprüfen. Ein Zahlungsdienstleister, dem von einer europäischen Aufsichtsinstanz schwere Verstöße gegen das Geldwäscherecht vorgehalten werden, gerät damit zwangsläufig ins Visier der Compliance-Abteilungen der Kunden. Sauberkeit im Zahlungsverkehr ist nicht nur eine „Best Practice“, sondern eine Grundvoraussetzung, um den eigenen Lizenzstatus zu sichern. Dass Finanstilsynet den Marktzugang für Neukunden aus dem iGaming-Bereich stoppt, stützt somit indirekt die Sicherheitsarchitektur, die in Deutschland über die GGL-Anforderungen etabliert werden soll – und es zeigt zugleich, wie schnell ein lokaler Eingriff eine europaweit spürbare Wirkung auf Integrations- und Onboarding-Prozesse haben kann.
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