LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Wirtschaftsdaten stützen den Goldmarkt, obwohl die Verhandlungen rund um den Wiedereinstieg der Ölroute durch die Straße von Hormuz zuletzt eher weniger Rückenwind bekamen. Laut Heraeus stabilisierten sich die Goldpreise zuletzt leicht nach einer vorangegangenen starken Rally. Gleichzeitig legt die Silberproduktion weiter zu, während der Handel mit Barren und Münzen im Juli spürbar anzieht. Für Anleger rückt damit das Zusammenspiel aus Zinskurve, Energiepreisen und physischen Nachfrageindikatoren stärker in den Fokus.

Gold bleibt trotz Iran-Zweifeln stabil, Silberproduktion zieht an
Gold bleibt trotz Iran-Zweifeln stabil, Silberproduktion zieht an (Foto: IT BOLTWISE)
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Die aktuelle Edelmetall-Notierung wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Während die Stimmung rund um einen möglichen Iran-Deal zuletzt verhaltener war, bekommt Gold offenbar trotzdem eine solide geld- und konjunkturgetriebene Unterstützung. Heraeus verweist in einer frischen Markt-Update-Betrachtung darauf, dass der Goldpreis letzte Woche eher seitwärts bis leicht höher tendierte, nachdem die Vorwoche bereits eine starke Rally gebracht hatte. Entscheidend ist dabei nicht nur der Blick auf einzelne Schlagzeilen, sondern auch auf die Energie-Komponente: In der Straße von Hormuz seien die Ölströme seit Anfang Juli nahezu zum Stillstand gekommen, und die Lagerbestände würden weiter abgebaut. Gleichzeitig blieben die Ölpreise deutlich unter dem Niveau, das man am Anfang des Konflikts gesehen hatte.

Wie stark diese Lage in die Preislogik hineinwirkt, lässt sich an einem konkreten Spread ablesen: Heraeus nennt den Abstand zwischen Brent und WTI als Richtwert, der per 14. August nahe bei 6 US-Dollar je Barrel lag. Interessant ist die Gegenüberstellung zu dem Moment, als in den USA zeitweise mehr Zuversicht in Richtung eines Deals kommuniziert worden sei: Am 5. August soll der Spread bei etwa 4 US-Dollar je Barrel gelegen haben. Für den Markt bedeutet ein solcher Anstieg in der Regel, dass sich die Wahrscheinlichkeit für eine kurzfristige Entspannung verringert oder mindestens die Preissetzung wieder vorsichtiger wird. Gleichzeitig ordnet Heraeus den Kontext so ein, dass die Spreads in der Phase von März bis Juni häufig über 10 US-Dollar je Barrel lagen und die Märkte inzwischen offenbar eine weniger pessimistische geopolitische Preisbildung einpreisen.

Während die Energie-Story also den Takt für das Risikobudget vorgibt, wirkt auf Gold zuletzt auch der Zinskanal mit voller Wucht. Heraeus macht die Unterstützung an mehreren US-Makrodaten fest: Schwächere Arbeitsmarktsignale sowie ein US CPI von 3,4% und ein PPI von 4,7% seien jeweils entweder im Rahmen der Erwartungen oder darunter ausgefallen. Aus dieser Mischung leiten die Analysten ab, dass die Rendite von US-Staatsanleihen mit zwei Jahren um rund 20 Basispunkte zurückging. Parallel sank die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September laut Heraeus-Update von etwa 80% auf rund 35%, gemessen an den späten Juli-Hochs. Für Gold ist das zentral, weil sinkende Realrenditen und die Aussicht auf weniger restriktive Geldpolitik häufig die Attraktivität zinsloser Anlagen erhöhen.

Auf der Angebots- und Unternehmensseite liefert Heraeus zugleich operatives Futter: Bei Gold nennt man Barrick als Beispiel für ein laufendes Produktionsprofil, das sich an der Jahresplanung orientiert. Heraickrelevant sind hier vor allem die Quartalskennzahlen: Die zurechenbare Goldproduktion erreichte 796 Tausend Unzen (796 koz). Das entspreche einem Anstieg von 11% gegenüber 719 koz im Vorquartal und liege oberhalb der vom Unternehmen genannten vierteljährlichen Zielspanne von 730–770 koz. Year-on-year bleibt das Ergebnis laut Darstellung relativ stabil; gleichzeitig habe sich der Output aus den fortgeführten Aktivitäten um 8% verbessert, wobei die Vergleichsperiode auch Unzen aus veräußerten Assets enthalten habe. Barrick halte zudem die 2026er Guidance von 2,90–3,25 Mio. Unzen fest und erwarte, dass die Produktion in Sequenzrichtung steigt, wobei Q4 als stärkstes Quartal gilt.

Auch bei Silber steht die Angebotsseite im Fokus, allerdings mit einem anderen Mechanismus: Heraeus betont, dass Pan American Silver nach einem sehr starken Q2 weiterhin im Plan für die Produktionsprognose 2026 sei. Die zurechenbare Silberproduktion lag bei 6,47 Mio. Unzen (6,47 moz); sie sei zwar grob unverändert gegenüber dem Vorquartal, aber 27% höher als im Vorjahr (5,09 moz). In den ersten sechs Monaten (H1’26) summierte sich das Volumen auf 12,90 moz, was 28% über dem Vorjahr liege und sich damit in der oberen Hälfte der Guidance von 12,15–13,15 moz befinde. Für den Gesamtjahrspfad nennt Heraeus eine bestätigte Spanne von 25–27 moz. Damit zeigt sich eine Linie: Während Gold aktuell stark über Zinsen und Makroargumente reagiert, kommt Silber zusätzlich über Produktionsvolumen und den Fortschritt im Minenbetrieb.

Abseits der Minen entscheidet am Silbermarkt aber auch die physische Nachfrage, und hier liefert das Update gleich mehrere konkrete Indikatoren. Heraeus verweist auf die Perth Mint, deren Silberbarren- und Münzverkäufe im Juli zurückkamen. Die „silver minted product sales“ seien auf 486 koz gestiegen, nach 294 koz im Juni und nach 452 koz im Vorjahresvergleich; zudem sei der Rückprall zeitlich mit einem Punkt zusammengefallen, an dem der Silberpreis im Juli sein Tief für 2026 erreicht haben soll. Das kann als Hinweis interpretiert werden, dass preissensitives Investment wieder eingesetzt hat. Trotzdem bleibt die Erholung relativ: Der Absatz liege weiterhin nur bei etwa der Hälfte der 976 koz aus März und bei rund einem Viertel der fast 2 Mio. Unzen aus Februar. Auf der Preisachse zeigt sich parallel eine weitere Nachfragekomponente: Silber habe am Montagmorgen das Niveau um 66 US-Dollar je Unze zurückgeholt, mit einem zuletzt gehandelten Spotkurs von 66,389 US-Dollar und einem Tagesplus von 2,63%.

Für Marktteilnehmer ergibt sich daraus ein recht klares, wenn auch vielschichtiges Bild. Erstens: Gold profitiert derzeit spürbar vom Zins- und Inflationssignal, weniger von einer unmittelbaren Entspannungsstory in der Region. Zweitens: Silber bewegt sich nicht nur preisgetrieben, sondern wird zusätzlich von Produktionszahlen und dem Wiederanspringen der Barren- und Münznachfrage begleitet. Drittens: Der Brent-WTI-Spread liefert dabei ein laufendes Thermometer für die Erwartung an Versorgung und Risikoaufschläge, auch wenn er kurzfristig nicht automatisch zu einem linearen Preismuster führt. Wer in den nächsten Wochen Entscheider- oder Trading-Logik aufbaut, sollte deshalb weniger einzelne Schlagzeilen gewichten als vielmehr die Kette aus Makrodaten, Renditebewegung und dem konkreten Verhalten physischer Nachfrageindikatoren im Blick behalten.


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