LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland geben im vergangenen Jahr rund 188.000 Unternehmen ihren Betrieb auf; das entspricht etwa 10 % mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung trifft mittlerweile auch Firmen, die nach Einschätzung der Auskunftei Creditreform finanziell noch nicht am Rand stehen. Besonders auffällig: 2025 endeten nur 13 % der Schließungen tatsächlich in einer Insolvenz, der Rest erfolgte freiwillig. Damit rückt nicht nur die Konjunktur, sondern auch der Strukturwandel und fehlender Nachwuchs für Betriebsübernahmen in den Fokus.

Firmensterben in Deutschland: 188.000 Schließungen im Jahr – und 21 pro Stunde
Firmensterben in Deutschland: 188.000 Schließungen im Jahr – und 21 pro Stunde (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Zahl ist auf den ersten Blick sperrig, wirkt aber bei näherer Betrachtung wie ein Stresstest für den deutschen Mittelstand: Rund 188.000 Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihren Betrieb eingestellt. Das sind 10 % mehr als im Vorjahr und so viele wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Selbst wenn einzelne Fälle regional unterschiedlich verlaufen, ergibt sich auf Bundesebene ein Rhythmus, der kaum zu übersehen ist: Pro Stunde werden dem Bericht zufolge rund 21 Betriebe dichtgemacht. Für Entscheider in Wirtschaft und IT ist daran vor allem wichtig, dass es sich nicht nur um „Krisenfälle“ am unteren Rand handelt, sondern um eine breit sichtbare Schwächung der Unternehmensbasis.

Dass dieses Firmensterben nicht ausschließlich Insolvenzen betrifft, unterstreicht laut Creditreform ein zweites Signal: Inzwischen müssen auch Unternehmen mit guter oder zumindest mittlerer Kreditwürdigkeit aufgeben. Damit verschiebt sich der Blick weg von der klassischen Vorstellung, dass vor allem hoch verschuldete Firmen untergehen. Stattdessen deutet die Konstellation auf einen Mix aus Belastungen hin, die bis in „solide“ Häuser hineinreichen, etwa wenn Margen wegen Kostensteigerungen unter Druck geraten und gleichzeitig neue Kompetenzen im Tagesgeschäft fehlen. Genau hier liegt der praktische Bezug für IT- und Betriebsverantwortliche: Wenn ein Unternehmen freiwillig ausscheidet, wird der letzte Schritt oft nicht durch eine plötzliche Zahlungsunfähigkeit ausgelöst, sondern durch eine länger angestrebte, aber irgendwann nicht mehr finanzierbare Entscheidung.

Die Dynamik entsteht nicht aus einem einzigen Auslöser, sondern aus mehreren Faktoren, die zeitlich überlappen. Der technologische Wandel läuft dabei schneller, als viele Betriebe in der Breite investieren können oder wollen. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck, und der Fachkräftemangel wirkt wie ein Engpass für Produktivität, Qualität und Vertrieb. In Summe entsteht ein Spannungsfeld, das sich auch in der Altersstruktur der Verantwortlichen abbildet: Viele Firmenchefs gehen in den Ruhestand, finden aber keinen Nachfolger. Laut der ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk erfolgt fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen mittlerweile aus Altersgründen. Für die Unternehmenspraxis heißt das: Es reicht nicht, Prozesse „effizient“ zu machen, wenn Betriebsübergaben organisatorisch, rechtlich und mitarbeiterseitig nicht vorbereitet sind.

Besonders bemerkenswert ist die Aufteilung der Schließungsarten im Jahr 2025. Während mit 13 % nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Unternehmen tatsächlich Insolvenz anmelden musste, stellte die große Mehrheit ihre Tätigkeit freiwillig ein. Diese Gewichtung ist für Banken, Steuerabteilungen, aber auch für Software- und Beratungsanbieter relevant, weil sie den Schwerpunkt von der Krisenbearbeitung hin zur Prävention verschiebt. Freiwillige Schließungen folgen häufig einem Muster aus schleichendem Bedeutungsverlust, ausbleibenden Wachstumschancen und der Unmöglichkeit, die nächsten Investitionszyklen – etwa in neue Maschinen, in digitale Workflows oder in moderne Vertriebsprozesse – ohne eine Übergabelösung zu stemmen. Genau deshalb ist die Frage nach Nachfolgern, Eigentümerwechseln und strategischem „Runway“ für viele Unternehmen so zentral geworden.

Welche Bereiche besonders hart betroffen sind, zeichnet ein deutliches Branchenbild. Dem Bericht zufolge verlieren vor allem Industrie (11.000 Schließungen, +10 %), das Baugewerbe (24.000 Schließungen, +12 %), sowie das Gastgewerbe (15.000 Schließungen, +15 %). Gerade im Bau- und Gastgewerbe spielt die Kombination aus Kostenbelastung, Personalproblemen und hoher Konkurrenz überdurchschnittlich stark hinein. Dort entscheidet die Fähigkeit, Nachfragezyklen und Personalausfälle operativ zu überbrücken, sehr schnell über die Fortführung. Für die IT bedeutet das: Digitale Planung, effizientes Ressourcenmanagement und bessere Steuerung von Liefer- und Dienstleistungsprozessen werden vom „Nice-to-have“ zum Überlebensfaktor, weil sie Ausfallzeiten und Fehlplanungen direkt messbar reduzieren können.

Technisch betrachtet verschärft der Strukturwandel zudem die Umstellungsrisiken: Unternehmen müssen nicht nur Produkte erneuern, sondern auch Datenflüsse und Arbeitsabläufe modernisieren. Wenn ein Betrieb beispielsweise Angebote, Projektkalkulation, Zeiterfassung und Rechnungsstellung über lange Zeiträume in heterogenen Systemen betreibt, wird das mit jedem Jahr teurer – sowohl in der Wartung als auch im Ausbildungsaufwand. Das Zusammenspiel aus Fachkräftemangel und fehlender Nachfolge verstärkt das Problem zusätzlich, weil Know-how-Träger ausscheiden und Dokumentation oder Automatisierungsgrad selten „von selbst“ steigen. Aus der Branche heißt es deshalb zunehmend, dass die digitale Transformation nicht als Einzelprojekt, sondern als laufender Betrieb gedacht werden muss – inklusive Metriken, Verantwortlichkeiten und einer klaren Übergabefähigkeit.

Auch wenn in Schlagzeilen oft große Insolvenzen stehen, macht der Hinweis von Creditreform deutlich, dass Tausende kleine und mittlere Unternehmen „nahezu unbemerkt“ verschwinden. Für die Marktlandschaft hat das Folgen, die über einzelne Standortschicksale hinausgehen: Lieferketten verlieren Kapazitäten, Spezialisierungswissen verschwindet, und regional verdichten sich Lücken in Handwerk, Dienstleistungen und industriellen Zulieferbereichen. Gleichzeitig entsteht für andere Unternehmen eine neue Art von Wettbewerb: Wer übernimmt, verkauft oder neu am Markt startet, muss schneller als früher skalieren und gleichzeitig Risiken sauber aussteuern. Für Entscheider ist daher die nächste Frage nicht nur „Wie verhindert man Ausfälle?“, sondern „Wie baut man die Voraussetzungen, damit Übergaben, Investitionen und operative Stabilität in Krisenphasen funktionieren?“

Unterm Strich zeigt die Entwicklung, dass das Firmensterben in Deutschland gerade nicht allein mit einer Konjunkturerzählung erklärbar ist. Es wirkt wie eine langfristige Schichtung: technologischer Wandel, Wettbewerb und Personalmangel treiben die operative Belastung, während Altersabgänge ohne Nachfolger die freiwillige Beendigung wahrscheinlicher machen. Wenn 2025 nur 13 % der Fälle in Richtung Insolvenz gingen, dann steht damit eine besonders präventive Handlungslogik im Vordergrund. Unternehmen, die ihre Daten- und Prozesslandschaft so aufstellen, dass sie ohne „Heldenwissen“ weiterlaufen kann, und die Nachfolge frühzeitig mit Projekten verzahnen, gewinnen in dieser Phase einen echten Vorteil – nicht als Versprechen, sondern als Notwendigkeit, die sich in den aktuellen Schließungszahlen bereits abzeichnet.


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