LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Viertel der Industrieunternehmen in Deutschland sieht seine Wettbewerbsfähigkeit auf Märkten außerhalb der EU als geschwächt. Laut einer Ifo-Erhebung vom Juli berichten 25,4 Prozent der Befragten von einer Verschlechterung ihrer Position außerhalb Europas. Auf europäischen Märkten nennen 17,0 Prozent ebenfalls einen Rückgang. Besonders stark betroffen ist die Automobilindustrie, in der 43,0 Prozent eine schwächere Wettbewerbsposition außerhalb der EU melden.

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gerät nach den Ergebnissen einer Ifo-Erhebung vor allem dann unter Druck, wenn Unternehmen über die EU-Grenzen hinaus agieren. 25,4 Prozent der befragten Industrieunternehmen geben im Juli an, ihre Position auf Märkten außerhalb der Europäischen Union habe sich abgeschwächt. Damit steht nicht nur das klassische Binnenwachstum im Fokus, sondern vor allem die Frage, wie gut die hiesige Industrie in Drittstaaten gegen lokale und internationale Anbieter bestehen kann. Im Vergleich dazu melden 17,0 Prozent der Unternehmen auf europäischen Märkten eine Verschlechterung ihrer Position.
Der Blick auf die Differenz zwischen EU- und Nicht-EU-Regionen zeigt eine klare Schieflage: Außerhalb Europas sehen lediglich 5,2 Prozent der Betriebe eine Verbesserung, innerhalb der EU sind es 6,3 Prozent. In der Summe wirkt das wie ein strukturelles Ungleichgewicht im Marktdruck. Besonders deutlich wird das in der Automobilindustrie, wo 43,0 Prozent der Unternehmen eine verschlechterte Wettbewerbsposition außerhalb der EU nennen. Auch andere industriegetriebene Sparten liegen über dem Durchschnitt: Metallerzeugung und -bearbeitung erreichen 29,1 Prozent, die chemische Industrie 26,0 Prozent, der Maschinenbau 25,5 Prozent sowie Hersteller von Metallerzeugnissen 25,3 Prozent und Hersteller von elektrischen Ausrüstungen 24,5 Prozent.
Innerhalb der EU fallen die Werte zwar niedriger aus, bleiben aber in mehreren Branchen spürbar. Hier berichten insbesondere die Automobilindustrie (24,8 Prozent) und die chemische Industrie (22,1 Prozent) von einer schlechteren Wettbewerbsposition. Auffällig ist zudem, dass sich nicht jede Branche in die gleiche Richtung bewegt: Die Getränkeindustrie sei laut den Ifo-Angaben die einzige Branche gewesen, die ihre Position sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU verbessern konnte. Gerade diese Ausnahme kann helfen, Ursachen zu trennen: Wenn ein Teil der Industrie gleichzeitig auf beiden geografischen Ebenen zulegt, sprechen die Daten weniger für ein pauschales Konjunkturproblem und mehr für branchen- und produktbezogene Wettbewerbsunterschiede.
Als zentrale Einordnung verweist Ifo-Umfragenleiter Klaus Wohlrabe darauf, dass die deutsche Industrie international weiterhin keinen „Boden gutmachen“ könne. Im Kern bedeutet das: Der Wettbewerbsdruck bleibe gerade außerhalb Europas hoch, und die Probleme seien struktureller Natur. Damit rückt die technische und betriebliche Wettbewerbsfähigkeit in den Vordergrund, also Faktoren wie Kostenstrukturen, Skaleneffekte, Produktivitätsniveau, Liefer- und Vorleistungsstabilität sowie die Fähigkeit, sich schnell an neue Nachfrageprofile anzupassen. Kurzfristige konjunkturelle Verbesserungen würden demnach zwar Umsatz und Auslastung entlasten, aber nicht automatisch die Ursachen für eine schwächere Position auf den Zielmärkten beseitigen.
Für Technologie- und Industrieversorgung bedeutet das eine konkrete Implikation: Die Unternehmen müssen Wettbewerbsfähigkeit nicht nur durch Preisanpassungen sichern, sondern verstärkt durch technische Differenzierung entlang der Wertschöpfung. In stark betroffenen Feldern wie Automobil, Chemie oder Maschinenbau entscheidet häufig die Kombination aus Prozessqualität, Anlagenverfügbarkeit, Materialeffizienz und Engineering-Geschwindigkeit über Marktanteile. Gleichzeitig wirken sich Außenhandelshemmnisse, strengere Beschaffungsanforderungen und ein härterer Preis- und Leistungswettbewerb in Drittstaaten auf die Planungssicherheit aus. Wer Wettbewerbsnachteile spürt, braucht entsprechend robuste Betriebsdaten, nachvollziehbare Qualitätsnachweise und bei Bedarf schnell anpassbare Produktions- und Logistikstrukturen.
Damit wird die Erhebung auch für Entscheider außerhalb der reinen Produktion relevant, etwa in IT, Engineering-Services und Supply-Chain-Organisation. Wenn ein Viertel der Industrieunternehmen außerhalb der EU einen Rückgang der eigenen Position meldet, steigt der Druck, Transparenz über Prozesse und Kostenblöcke zu erhöhen und Engpässe frühzeitig zu erkennen. In der Praxis heißt das, dass die Digitalisierung von Planung und Fertigung, eine datenbasierte Instandhaltung sowie durchgängige Lieferketten- und Qualitätsdaten immer stärker zu Werkzeugen für den Markterfolg werden. Die Ifo-Zahlen liefern hierfür zumindest die klare Zielrichtung: Nicht jede Region ist gleich schwer, aber der Weg zurück in die Erfolgsspur führt offenbar dort am stärksten über strukturelle Stellhebel als über kurzfristige Nachfrageimpulse.
Für die nächsten Monate bleibt entscheidend, ob die in der Erhebung sichtbare Lücke zwischen EU- und Nicht-EU-Positionen enger wird. Sollte der internationale Wettbewerbsdruck hoch bleiben, dürften Unternehmen Maßnahmen priorisieren, die sich in mehreren Quartalen auszahlen und nicht erst bei der Konjunktur drehen. Gleichzeitig geben die vergleichsweise besseren Aussichten einzelner Branchen wie der Getränkeindustrie einen Hinweis darauf, dass strategische Produkt- und Marktpositionierung funktionieren kann. Insgesamt verdeutlichen die Ifo-Daten: Die Diskussion um Wettbewerbsfähigkeit ist für die Industrie längst mehr als eine reine Absatzfrage – sie ist eine Frage von struktureller Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen Märkten.
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