LONDON (IT BOLTWISE) – VanEck erwartet, dass sich eine mögliche Akkumulationsphase im Bitcoin-Zyklus zwischen September und November herausbilden könnte. Grundlage sind acht von zwölf Kapitulationsindikatoren, die bis zum 12. August weiter aktiv gewesen seien, sowie ein separates Kriterium für Drawdowns. Gleichzeitig zeigen US-Spot-Bitcoin-ETPs in den letzten 30 Tagen Nettozuflüsse, während Abflüsse aus dem Vormonat teilweise kompensiert wurden. Entscheidend bleibt, ob starke Spot-Nachfrage und längerfristige Bestände im Spätsommer/Herbst stabil bleiben.

Wenn ein Bärenzyklus in der Logik vergangener Phasen ähnelt, rückt der Zeitraum gegen Ende des Sommers in den Fokus: Laut VanEck könnte Bitcoin zwischen September und November eher in eine Akkumulations- als in eine Verteilungsphase kippen. Der Asset-Manager begründet das mit einem eigenen Framework für Kapitulationssignale, das 12 Indikatoren umfasst. Zum Stichtag 12. August seien dabei acht der zwölf Signale weiterhin aktiv gewesen. Das entspräche rechnerisch rund zehn Monaten seit dem zuvor genannten Hoch im Oktober 2025 – ein zeitlicher Abstand, der in vielen Marktbeobachtungen häufig mit erhöhter Liquiditäts- und Bewertungsanpassung zusammenfällt.
Technisch interessant ist, dass VanEck seine Logik nicht als simple Trendprognose versteht. Der Hinweis lautet explizit, frühere Renditen nicht als Preis-Forecast zu verwenden. Die statistische Aussagekraft schränkt der Anbieter über die Struktur seiner Beobachtungen ein: In der eigenen Auswertung basiere die betrachtete Trefferquote auf überlappenden Sets mit relativ wenigen Beobachtungen. Zudem arbeitet der Ansatz mit sehr hohen historischen Perzentilen: In der Regel definieren mehrere Indikatoren bereits dann Verkaufsbedingungen, wenn ihr Wert ein extrem hohes Perzentil erreicht. Für die Drawdown-Komponente setzt VanEck dagegen eine klare, separate Regel an: Ein Drawdown gelte, sobald der Kurs um mindestens 35% von einem lokalen Bitcoin-Preismaximum abfällt.
Zum Zeitpunkt der Analyse lag Bitcoin laut Bericht bei etwa $62.630,00. Das entspreche grob 49% unter dem gesamten Allzeithoch, das im Oktober verzeichnet wurde. Dennoch war dieser Status nur am 35. Perzentil historisch eingeordnet – genau dort, wo VanEcks Drawdown-Regel noch nicht automatisch “voll zuschlägt”, selbst wenn die absolute Entwertung bereits spürbar ist. Der Bericht zeigt außerdem, wie sensitiv die Signalzahl von der gewählten Schwelle abhängt: Bei derselben Perzentil-Logik würden sich sieben Signale ergeben. VanEck trennt die Drawdown-Regel bewusst von den Perzentilen, weil die Investorenbasis bei börsengehandelten Produkten (ETPs), die Spot-Bitcoin halten, in der Praxis häufig anders reagiert als in früheren Bärenphasen. Für frühere Zyklen nennt der Bericht bei entsprechenden Verlaufsphasen Verluste in einer Bandbreite von 78% bis 94% – im aktuellen Setup erwartet man eher einen “flacheren” Drawdown, unter anderem mit Blick auf institutionelle Beteiligung und Nachfrage.
Die eigentliche Performance-Aussage des Frameworks ist damit nicht “genau am Tief kaufen”, sondern eher “späte Zyklusstress erkennen”. In der Vergangenheit habe eine Konstellation von 8 bis 12 Kapitulationssignalen in den nächsten 90 Tagen durchschnittlich 12,8% Rendite gebracht, während alle Zeiträume zusammen nur auf 15,2% kommen. Auf der 180-Tage-Ebene liege der Durchschnitt bei 32% und damit unter einem Basiswert von 36,3%. Die Outperformance taucht demnach auch nur in einem Ein-Jahres-Fenster auf. VanEck ordnet das statistisch ein: Die Auswertung beruhe auf 115 Beobachtungstagen, die stark überlappen, sodass sie wenige unabhängige Episoden abbilden. Gerade deshalb richtet sich die Aussage laut Bericht stärker auf die Diagnose “später Belastungszustand” statt auf ein exaktes Datum für Marktboden oder Erholung.
Neben dem Indikator-Set spielt die Kapitalflussseite eine gleichwertige Rolle. In den USA hätten US-Spot-Bitcoin-ETPs im 30-Tage-Messzeitraum rund $663 Mio. an neuen Investitionen erhalten. Damit werde ein Teil der zuvor genannten Abflüsse von $2,4 Mrd. aus dem Vormonat kompensiert. Konkret dreht sich die Kurzfristdynamik: Nach einem Abfluss von $385,2 Mio. in der Woche bis zum 14. August seien die Zuflüsse am 17. August mit $297,5 Mio. wieder positiv geworden und am 18. August nochmals mit $189,3 Mio. gestiegen. Solche Muster sind für Marktakteure relevant, weil ETP-Flows als relativ unmittelbarer Spiegel von Nachfrage- und Risikoappetit gelten – und weil sie in Kombination mit technischen Kapitulationsfiltern oft erklären, warum “Stress” nicht zwingend in eine weitere Abwärtswelle übergeht.
Auch die Haltedauer-Komponente wirkt als Gegenpol. Der Bericht nennt langfristige Bestände (Haltezeit länger als ein Jahr) als mögliche Stabilitätsquelle: Bitcoin, das länger als ein Jahr gehalten wird, sei über die letzten 30 Tage um 356.534 BTC auf 11,84 Mio. BTC gesunken, was 59,1% des zirkulierenden Angebots entspricht. Allerdings ist “sinkend” nicht gleich “auscashen”: VanEck führt an, dass diese älteren Coins möglicherweise aus Gründen der Wallet-Sicherheit bewegt worden sein könnten, statt real in Liquidität umgewandelt zu werden – verifizieren ließe sich die Motivation aber nicht. In derselben Auswertung liegt der Kurs am 19. August bei etwa $64.250 und damit unterhalb der 200-Tage-Moving-Average. Das bedeutet: Selbst wenn die Flows kurzfristig stützen, bleibt die übergeordnete Trendbasis zunächst unter Druck.
Für September bis November ergibt sich daraus eine zweigleisige Prüfung. Wenn stärkere Spot-Nachfrage und langfristige Bestände ihre Richtung nicht umkehren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Akkumulationsphase etabliert. Umgekehrt würde eine Fortsetzung von Distribution oder erneuten Abflüssen den “Kapitulations”-Charakter eher in Richtung weiterer Abwärtskorrektur verschieben. Genau an dieser Schnittstelle liegt der Nutzen des VanEck-Ansatzes: Er verbindet ein Kapitulations-Framework mit realen Nachfragesignalen aus ETP-Flows und ergänzt das Bild um Haltedauer-Daten, statt sich auf eine einzelne Kennzahl zu verlassen. Für Unternehmen und Fonds, die Risikoentscheidungen in Krypto-Portfolios ableiten müssen, ist das vor allem deshalb interessant, weil es einen strukturierten Weg liefert, zyklischen Stress in Wahrscheinlichkeiten zu übersetzen – ohne dabei den Anspruch zu erheben, einen exakten “Boden” terminieren zu können.
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