FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Sparkassen-Geschäftsleiter gehören laut einer „Public-Pay-Studie 2026“ weiter zu den Spitzenverdienern bei öffentlichen Unternehmen. Die Vorstände von Sparkassen verzeichnen zudem überdurchschnittliche Zuwächse bei der Gehaltsentwicklung. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Vergütungsmillionäre. Beim Blick auf die Vergütungstransparenz zeigt sich aber ein ungleiches Bild: Nur etwa jede dritte Sparkasse macht ihre Vergütung sichtbar.

Auch wenn die Diskussion um Vorstandsgehälter in öffentlich-rechtlichen Instituten seit Jahren regelmäßig aufflammt, bleibt die Gehaltsrealität für Sparkassen-Leitungen vergleichsweise deutlich. Laut der „Public-Pay-Studie 2026“ der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, die dem Bericht vorab vorlag, liegen die Geschäftsleiter von Geldhäusern im Durchschnitt über den Vergütungen von Top-Managerinnen und -Managern anderer öffentlicher Unternehmen. Entscheidend ist dabei nicht nur das absolute Niveau, sondern die Dynamik: Die Vorstände von Sparkassen zählen weiter zu den Spitzenverdienern und zeigen zugleich überdurchschnittliche Zuwächse gegenüber dem vorherigen Betrachtungszeitraum.
Technisch betrachtet lässt sich die Vergütung im öffentlichen Sektor nur schwer mit einer einzigen Kennzahl „einfangen“, weil sich Entgeltpakete typischerweise aus fixen Bestandteilen, leistungsbezogenen Komponenten und weiteren Zusatzelementen zusammensetzen. Für einen belastbaren Branchenvergleich ist deshalb vor allem die Vergleichbarkeit der Datengrundlage entscheidend: Welche Unternehmen legen welche Vergütungsbestandteile in welcher Detailtiefe offen? Genau hier setzt die Beobachtung an, dass die Transparenz in der Breite noch nicht zur Regel geworden ist. Der Studie zufolge macht nur etwa jede dritte Sparkasse ihre Vergütung transparent – ein Befund, der die öffentliche Debatte zwar nicht neu ist, aber den Erklärbedarf gegenüber pauschalen Schlagzeilen erhöht.
Im Marktvergleich wirkt diese Mischung aus hohem Durchschnittsniveau und begrenzter Transparenz besonders relevant, weil Sparkassen in der Wahrnehmung oft als „nah am Alltag“ gelten. In der Unternehmenssteuerung dagegen stehen für Führungskräfte Kennzahlen, Risiko- und Ertragsziele sowie die regulatorisch geprägte Kapital- und Eigenkapitalplanung im Vordergrund. Wenn dann Vergütungssteigerungen über dem Durchschnitt liegen, verschiebt sich die Erwartungshaltung vieler Stakeholder: Nicht nur die Höhe zählt, sondern auch die Frage, ob sie zu den Geschäftsentwicklungen und zur tatsächlichen Leistungsmessung im jeweiligen Institut passt. Dass die Zahl der Vergütungsmillionäre laut den Angaben gleichzeitig sinkt, kann man deshalb als Signal lesen, dass sich die Spitzenwerte etwas zurückbilden – ohne dass damit das obere Vergütungssegment bereits „entkoppelt“ wäre.
Historisch ist die öffentliche Vergütungsberichterstattung im Unternehmensumfeld ein Pendel zwischen Informationsinteresse und dem Wunsch nach unternehmensinternem Gestaltungsspielraum. Gerade im Umfeld öffentlich-rechtlicher Banken ist das Spannungsfeld seit Jahren sichtbar: Einerseits sollen Beschäftigte, Kunden und die Öffentlichkeit nachvollziehen können, wie Mittel eingesetzt werden; andererseits sind Vergütungssysteme Teil der Unternehmenskultur und häufig eng mit Verantwortungsbereichen sowie internen Steuerungslogiken verbunden. Dass nun nur rund ein Drittel der Sparkassen die Vergütung transparent macht, zeigt, dass viele Geldhäuser den „Transparenzhebel“ noch nicht vollständig umgelegt haben. Für Analysten und Aufsichtsräte ist das aus Informationssicht unbefriedigend, weil Vergleiche dann stärker von qualitativen Annahmen geprägt sind.
Für die Branche bedeutet das: Die Gehaltsentwicklung bleibt im oberen Segment sichtbar, aber das „Narrativ“ verändert sich. Wenn weniger Vergütungsmillionäre gezählt werden, steigt der Druck, die verbleibenden Spitzenwerte differenziert zu erklären, etwa anhand von Vergütungsstruktur, Zielerreichung und Rollenprofil. Gleichzeitig liefert die Studie einen praktischen Impuls für die Governance-Praxis: Wer Transparenz nur selektiv ermöglicht, erschwert die externe Bewertung und öffnet Raum für Interpretationen, die nicht durch vollständige Datengrundlagen gedeckt sind. Genau deshalb könnte der Transparenzgrad in den nächsten Jahren zu einem handfesten Wettbewerbsfaktor werden – nicht im Sinne eines Gehaltswettbewerbs, sondern im Sinne besserer Vergleichbarkeit, die auch für Investoren, Beschäftigte und Kommunen relevant ist.
Unterm Strich zeigt der Vergleich zweierlei: Sparkassen-Führungskräfte bleiben trotz gegenläufiger Trends bei der absoluten Spitzenspitze im oberen Bereich öffentlicher Vergütungen, während die Transparenzlücke einen Teil der Debatte verzerrt. Für Entscheider in Sparkassenverbänden und für öffentliche Gremien ist das weniger eine Frage von Schlagworten als eine von Datenqualität und Vergleichbarkeit. Und für die KI-gestützte Auswertung von Vergütungsdaten gilt: Je heterogener und lückenhafter die veröffentlichten Informationen sind, desto stärker hängen Ergebnisse von Annahmen, Imputationsmethoden und Datenbereinigungen ab. Wer Transparenz ausbaut, erleichtert also nicht nur die öffentliche Diskussion, sondern macht auch analytische Verfahren zuverlässiger – egal ob für interne Benchmarking-Modelle oder externe Untersuchungen.
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