CAPE CANAVERAL / LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei Astronauten auf der Internationalen Raumstation beobachten aktuell, wie viel Himmelsspektakel sich vom Orbit aus tatsächlich wahrnehmen lässt. Jessica Meir und Jack Hathaway konnten wegen der Bahnposition bei der vergangenen Sonnenfinsternis keine Totalität sehen, hatten aber eine Teilfinsternis. Stattdessen schwärmen sie besonders von den Nord- und Südlichtern, weil die Sonne nach einer aktiven Phase die Auroren auffälliger macht. Für die nächste Woche kündigen sie an, auch die Mondfinsternis gezielt mitnehmen zu wollen.

Auroren aus der Umlaufbahn: ISS-Besatzung empfiehlt nächstes Himmelsspektakel
Auroren aus der Umlaufbahn: ISS-Besatzung empfiehlt nächstes Himmelsspektakel (Foto: IT BOLTWISE)
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Für die meisten Menschen ist eine Sonnen- oder Mondfinsternis ein einmaliges Ereignis, das man möglichst weit weg von Wolken und Stadtlicht erleben will. Für Astronautinnen und Astronauten auf der Internationalen Raumstation (ISS) ist die Ausgangslage anders: Sie sehen den Himmel grundsätzlich „offen“, aber die exakte Geometrie entscheidet, ob eine Finsternis im gewünschten Modus sichtbar ist. Genau das berichten Jessica Meir und Jack Hathaway, die seit sechs Monaten an Bord leben: Die Position der ISS im Orbit verhinderte bei der vergangenen Sonnenfinsternis das Erleben der Totalität, dafür blieb eine Teilfinsternis als Highlight. Damit verschiebt sich der Fokus fast zwangsläufig weg von „Eklipsen als Königsklasse“ hin zu einem anderen Phänomen, das man vom Weltraum aus offenbar besonders intensiv wahrnimmt: Auroren.

Meir und Hathaway ordnen die Sichtbarkeit dabei nicht nur emotional ein, sondern verknüpfen sie direkt mit der aktuellen Aktivität der Sonne. Die Sonne befinde sich offenbar nach einer „busy season“ in einem Zustand, der die nördlichen und südlichen Lichter deutlich dramatischer und brillanter erscheinen lässt, so die Astronautin. Besonders eindrucksvoll war für Meir eine Phase nach einem großen Plasmaausbruch: Unter ihnen statt weit entfernt in Polnähe erschien „die grün tanzende“ Aurora. In solchen Momenten geht es um mehr als nur um Farbe: Auroren entstehen, wenn geladene Teilchen aus dem Sonnenwind in die Erdatmosphäre gelenkt werden und dort mit Atomen und Molekülen wechselwirken. Dass diese Wechselwirkungen in unmittelbarer Umgebung der ISS sichtbar werden, hängt von der Bahn, der Ausdehnung der Magnetfeldlinien und der momentanen Verteilung der Teilchenströme ab.

Technisch betrachtet ist das Zusammenspiel aus Sonnenaktivität und Erdmagnetfeld der Grund, warum Auroren häufig in Zeitfenstern „durchschlagen“, die von Beobachtern am Boden nicht so einfach planbar sind. In der Schilderung der ISS-Besatzung klingt dabei auch an, dass nicht nur die Intensität, sondern auch die scheinbare Lage im Sichtfeld eine Rolle spielt: Meir beschreibt, wie die grün leuchtende Struktur „wie eine Schlange“ wirkte und direkt unter ihnen zu sehen war. Gerade diese Perspektive ist für den Orbit entscheidend. Während bodengebundene Beobachtungen auf einen relativ begrenzten Blickwinkel am Horizont angewiesen sind, kann eine ISS-Crew im Prinzip den gesamten Himmel überblicken und unterscheidet dabei visuell weniger zwischen „weit weg in der Atmosphäre“ und „nahe am eigenen Standpunkt“. Ergänzend erwähnt Meir den Effekt, dass das Grün an der weißen Außenhülle der Raumstation reflektiert wurde – ein Hinweis darauf, dass die Beleuchtung nicht nur abstrakt vorhanden war, sondern auch die Oberflächen der Plattform sichtbar „mitzeichnete“.

Dass Finsternisse dennoch nicht vollständig ausfallen, sondern sich „minimalistisch“ in der Teilansicht beobachten lassen, zeigt außerdem etwas Praktisches über Raumfahrtbeobachtung: Selbst wenn die Hauptphase einer Eklipse nicht über der richtigen Region liegt, bleibt ein präziser Anteil der Ereignisgeometrie erhalten. Für die Planung bedeutet das, dass Astronauten offenbar nicht nur auf „Erlebnis“ setzen, sondern auch auf eine gewisse Robustheit gegen Bahneffekte. Hathaway und Meir kündigen deshalb an, auch die nächste Woche anstehende Mondfinsternis aktiv mitzunehmen. Solche Entscheidungen haben in der bemannten Raumfahrt einen doppelten Nutzen: Zum einen entstehen wertvolle Eindrücke für die Missionsteams und die wissenschaftliche Öffentlichkeit. Zum anderen trainieren sie die Routine, bestimmte Himmelsereignisse über die geeigneten Zeitfenster mit passenden Beobachtungsstrategien zu verfolgen.

Neben dem Blick nach außen macht die Quelle aber auch deutlich, wie sehr Alltagsaktivitäten das Leben im Orbit prägen. Meir berichtet von kulinarischen Experimenten an Bord: Sie trug eine Raumkatzen-verzierte Schürze, während sie Station-wachsende Kräuter wie Senfgrün und Grünkohl probierte. Zusammen mit Anil Menon, der bei einem Format namens „Chez ISS“ erstmals kochte, trug sie eine Kochmütze. Menon wiederum war mit dem gleichen Küchenzubehör bereits mit in die Mission gekommen, nachdem er zuletzt in einer russischen Kapsel an Bord gekommen war. Solche Details sind mehr als nur Farbe für eine Reportage: Sie spiegeln wider, dass langfristige Aufenthalte im Orbit Struktur brauchen. Gerade über Wochen hinweg entsteht Stabilität durch wiederkehrende Routinen, zu denen auch die Zubereitung von Mahlzeiten und das gemeinsame Erleben von „kleinen Showmomenten“ zählen.

Auch musikalische Elemente und soziale Formate gehören offenbar dazu. Hathaway sagt, er sei trotz fehlender Koch- und Musikperformance nicht gelangweilt, weil es „immer etwas zu tun“ gebe. Dazu zählt laut seinen Angaben unter anderem Karaoke am Wochenende, begleitet von der Gitarre und weiteren Musikinstrumenten. Im Kontext einer ISS-Expedition wirkt das wie ein bewusst eingesetzter Gegenpol zu rein technischen Arbeitsblöcken: Wenn ein Team über längere Zeit in einem geschlossenen System mit begrenzten Ablenkungsquellen lebt, wird psychologische Entlastung praktisch. Meir greift diese Idee in einem weiteren Detail auf: Sie habe am 4. Juli „The Stars and Stripes Forever“ mit dem Boston Pops aufgeführt, wobei ihr Part vorab aufgezeichnet worden sei. Damit wird deutlich, dass selbst streng terminierte Missionen kulturelle Elemente integrieren können, ohne den Kern der Arbeit zu gefährden.

In der Gesamtarchitektur der Mission zeigt sich zudem der Wechsel zwischen „Außenwirkung“ und „Einsatzfähigkeit“. Meir und Hathaway sollen nach dem Eintreffen ihrer Nachfolger im nächsten Monat via SpaceX wieder zur Erde zurückkehren. Das aktuelle Crew-Setup besteht aus drei Amerikanern, drei Russen und einem französischen Astronauten; die Mischung unterstreicht die internationale Ausrichtung, die auch bei Kommunikations- und Bildungsformaten relevant ist. Dazu passt, dass die Quelle die Unterstützung für die Health- und Science-Berichterstattung nennt und zugleich betont, dass die Agentur für den Inhalt verantwortlich ist. Für die Technik- und Unternehmensseite ist daran vor allem interessant, wie solche Erlebnisse über öffentliche Kanäle in greifbare Themen übersetzt werden: Auroren, Eklipsen und sogar Kochformate dienen als „Türöffner“, um Interesse an Raumfahrt- und Umweltphänomenen zu schaffen, die später auch mess- und datengetrieben aufgearbeitet werden können.

Was bedeutet das nun für den Blick auf die nächsten Tage? Wenn die Sonne weiterhin in einer Phase mit erhöhter Aktivität bleibt, könnten Auroren auch kurzfristig in Orbitnähe wieder auffällig werden. Gleichzeitig hat die angekündigte Mondfinsternis eine praktische Dimension: Sie liefert einen zweiten Härtetest für die Sichtstrategie der ISS-Crew, diesmal mit dem Erdshadow-Profil statt dem Planetenschattenspiel der Sonnenfinsternis. Für Technikinteressierte zeigt sich daran außerdem, wie stark Beobachtungen aus dem Weltraum von der Schnittstelle zwischen Bahnmechanik und Weltraumwetter abhängen. Wer solche Ereignisse für Bildung, Wissenschaftskommunikation oder sogar eigene Prototypen rund um visuelle Analyse plant, sollte genau auf diese Kopplung achten: Nicht nur „wann“ etwas am Himmel passiert, sondern auch „von wo“ aus die ISS es relativ zum Schattenkegel oder zu den Magnetfeldlinien sieht, entscheidet über die Qualität des Eindrucks.


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