LOS ANGELES / LONDON (IT BOLTWISE) – Waymo hat sein nächstes Robotaxi, den Ojai, in Los Angeles, Phoenix und San Francisco für alle Fahrgäste freigeschaltet. Wer dort bestellt, wird zunächst mit dem neuen Fahrzeug Ojai (ausgesprochen „oh-hi“) vermittelt. Später sollen Kunden zusätzlich zwischen dem Ojai und dem älteren Jaguar I-Pace Robotaxi wählen können, sobald ausreichend Einheiten verfügbar sind. Parallel plant Waymo noch in diesem Jahr die Ausrollung nach Denver, Las Vegas und San Diego.

Waymo setzt bei der Skalierung seiner Robotaxi-Flotte spürbar auf eine neue Fahrzeugplattform: Der nächste-gen autonome Wagen mit dem Namen Ojai ist jetzt in Los Angeles, Phoenix und San Francisco für alle Fahrgäste geöffnet. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von Pilot- oder eingeschränkten Einsatzgebieten hin zu einem breiteren kommerziellen Betrieb – zumindest in drei Kernmärkten, in denen die autonome Technik längst auf einem großen Datenfundament steht. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das vor allem eins: Sie müssen nicht mehr auf bestimmte Fahrzeugkategorien warten, sondern können bereits bei der nächsten Fahrt in diesen Städten auf den Ojai treffen.
In der Übergangsphase bleibt die Auswahl noch eingeschränkt. Laut Angaben eines Unternehmenssprechers wird man in den genannten Regionen zunächst mit dem Ojai vermittelt, wenn man per App eine Fahrt anfordert. Sobald Waymo genug Ojai-Fahrzeuge im Bestand hat, sollen Fahrgäste dann zwischen dem neuen Modell und dem älteren Jaguar I-Pace Robotaxi wählen können. Heute befindet sich der Ojai bereits in einer kommerziellen Flotte von rund 300 Einheiten – ein Wert, der zwar deutlich kleiner ist als die Gesamtzahl der Jaguar-Fahrzeuge, aber groß genug, um den Rollout nicht nur als „Experiment“ zu behandeln.
Technisch knüpft der Ojai an Waymos Ansatz der modularen Software-Integration an. Er nutzt Waymos sechste Generation des Self-Driving-Systems, das so aufgebaut ist, dass es sich über verschiedene Fahrzeugtypen hinweg einsetzen lässt. Diese Eigenschaft ist für ein Unternehmen mit wachsenden Flotten besonders wichtig, weil sie die Kosten für die Fahrzeuganpassung senken kann: Hardware- und Schnittstellenfragen werden dadurch eher zu einem systematischen Engineering-Problem als zu einer jedes Mal neu zu lösenden Sonderaufgabe. Neben der Fahrsoftware hat Waymo außerdem die Bedienoberfläche überarbeitet und stattet den Wagen mit Googles Gemini als In-Car-Assistant für die Fahrgäste aus.
Ohne die Sensorik und das autonome System bleibt der Ojai aber zunächst ein Produkt: Es handelt sich um einen Minivan, der vom chinesischen E-Autohersteller Zeekr stammt – eine Marke, die zu Geely Holding gehört. Waymo hatte bereits 2021 mit Zeekr kooperiert und über Jahre sowohl Prototypen als auch eine version für den Serien-Einsatz getestet. Grundlage ist die SEA-M-Plattform von Zeekr, eine Weiterentwicklung der „Sustainable Experience Architecture“, die der Hersteller für Fahrzeuge wie Robotaxis und Lieferfahrzeuge auslegt. Das Ziel dahinter ist klar: ein Fahrzeug, das sich bei hoher Auslastung für ein Robotaxi-Geschäft eignet, also für Wartung und Betrieb günstig bleibt und zugleich dauerhaft im Alltag funktioniert.
Genau an dieser Kostenlogik setzt auch das aktuelle Handelsumfeld an. Waymo importiert die Basisfahrzeuge und rüstet sie danach in den USA mit dem Self-Driving-System aus. Dabei trifft die Gesellschaft auf die US-Zölle, die für in China gebaute Fahrzeuge als besonders hoch gelten: Diese Tarife erhöhen die Kosten pro Ojai, sobald die Fahrzeuge in die USA gebracht werden. Laut den vorliegenden Informationen werden die Zeekr-Modelle zunächst ohne chinesische Connected-Car-Technologie geliefert, bevor sie in der Arizona-Fabrik von Waymo entsprechend umgebaut werden. Für das Flottenmanagement heißt das: Selbst wenn die Plattform beim Fahrzeug selbst günstiger ist, bleibt der Wechsel in Richtung „importiert, dann ausgerüstet“ ein Stellhebel, der stark von der Handelspolitik abhängt.
Auch die Geschwindigkeit des Rollouts deutet darauf hin, dass Waymo die neue Fahrzeuggeneration als Skalierungshebel versteht. Das Unternehmen plant, den Ojai später in diesem Jahr außerdem nach Denver, Las Vegas und San Diego auszurollen. Laut einer US-Forschungseinrichtung, die Ojai-Importe über detaillierte Versandbelege verfolgt, liegt Waymo zudem auf einem Kurs, bis Ende 2026 etwa 5.000 Ojai-Fahrzeuge in die USA zu bringen. Das wäre laut derselben Quelle mehr als eine Verdopplung der Jaguar-Flotte – und schon im Monatsverlauf im Juli kamen demnach 725 Einheiten ins Land, was die Dynamik unterstreicht. Für die autonome Mobilitätsbranche ist das ein wichtiges Signal: Nicht nur die Modelle der Fahrsoftware zählen, sondern auch die Fähigkeit, Lieferketten, Umbauprozesse und Produktlebenszyklen parallel zur Technologieentwicklung in den Griff zu bekommen.
Für Unternehmen und Entwickler im Umfeld autonomer Mobilität lässt sich daraus ein praxisnaher Schluss ziehen: Skalierung ist bei Robotaxis weniger eine Frage „welches Modell ist besser“, sondern „welche Kombination aus Softwarearchitektur, Fahrzeugplattform und Betriebskonzept reduziert die Stückkosten pro gefahrenem Kilometer“. Der Ojai ist in diesem Sinne ein Versuch, die Autonomie enger an eine kosteneffiziente Fahrzeugbasis zu koppeln, während die sechste Self-Driving-Generation die technische Wiederverwendbarkeit über mehrere Vehikeltypen hinweg sichern soll. Wenn Waymo den Plan für die Expansion in den nächsten Städten wie angekündigt umsetzt, dürfte sich der Wettbewerbsdruck in Richtung effizienterer, schneller integrierbarer Robotaxi-Plattformen weiter erhöhen – vor allem dort, wo hohe Auslastung und planbare Wartung über die Wirtschaftlichkeit entscheiden.
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