LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX startet mit einem Abschlag von 0,15 Prozent bei 26.050,95 Punkten in den Donnerstagshandel. Nach den jüngsten Rekorden fehlt dem Index laut Marktteilnehmern vor allem die Bereitschaft für Anschlusskäufe. Gegenwind kommt zugleich von festeren Ölpreisen und von wechselnden Bewegungen bei den Anleiherenditen. In den USA sorgt derweil ein Ausblick auf höhere Rückkäufe langlaufender Anleihen für spürbare Entlastung.

Der DAX ist am Donnerstag mit einem leichten Minus von 0,15 Prozent bei 26.050,95 Punkten in den Handel gestartet. In der frühen Phase wurde der Abschlag zwar nur zögerlich ausgebaut, doch der Grundton bleibt vorsichtig: Seit dem jüngsten Rekordhoch fehlen dem Index die Anschlusskäufe. Das passt zu dem Muster, das sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet hat: Eine Kombination aus höheren Ölpreisen und steigenden Renditen an den Anleihemärkten hat das Sentiment belastet, während der Kurszuwachs der letzten Wochen bereits viel Erwartung vorweggenommen hatte.
Rückblickend zeichnet sich eine Art Pause in der Rekordjagd ab. Seit Mitte der Vorwoche gab es keine neuen Hochs mehr, allerdings auch keine markanten Gewinnmitnahmen, die den Index deutlich zurücksetzen würden. Am 12. August hatte der DAX auf Intraday-Basis ein Allzeithoch erreicht, als er bis auf 26.573,60 Zähler stieg. Am darauffolgenden Freitag folgte dann zumindest eine neue Bestmarke auf Schlusskursbasis bei 26.440,31 Punkten. Genau in dieser Phase, in der das Risiko von „Aufholeffekten“ nach oben gegen das Risiko von Ertragsmitnahmen nach unten steht, werden makrogetriebene Impulse besonders sichtbar.
Technisch und marktmechanisch erklärt sich die Lage auch über die Zinskurve: In Asien zeigten sich Japan und Südkorea am Donnerstagmorgen zwar erholt, nachdem die Indizes zuvor unter steigenden Anleihezinsen gelitten hatten. Besonders auffällig war dabei die Schwäche bei den technologiegetriebenen Leitindizes wie Nikkei 225 und KOSPI. Der Hinweis auf den „KI-Boom“ in einer Warteschleife ist dabei mehr als Schlagwort: Wenn Renditen steigen, verändern sich häufig die Bewertungsannahmen für wachstumsorientierte Segmente, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden. Umgekehrt wirkt eine Rückführung der Anleiherenditen kurzfristig stützend, und genau dafür sorgte am Donnerstag ein Rückgang.
Konkreter wurde diese Stützung über den US-Bahnhof, an dem bereits am Mittwoch die Stimmung geholfen hatte: Das US-Finanzministerium kündigte an, Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen. Der Mechanismus dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll. Mehr Rückkäufe senken tendenziell den Angebotsdruck am langen Ende, wodurch Kreditkosten und Renditen zumindest temporär entlastet werden können. In den Tagen zuvor hatten die Kreditkosten den Angaben zufolge den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten getrieben, was die Risikoappetite an mehreren Börsen spürbar gebremst hat. Die Erholung in Asien und die Stabilisierungstendenz in Europa sind deshalb weniger als „Wegbrechen“ negativer Faktoren zu lesen, sondern eher als Neubepreisung: Der Markt testet, wie viel Zinndruck tatsächlich noch eingepreist werden muss.
Unabhängig davon bleibt aber die geopolitische Komponente ein dominierender Hebel, vor allem über Energiepreise. Bei den Ölpreisen geht es zur Wochenmitte zwar eher ruhig zu, doch die jüngsten Bewegungen stehen weiter im Kontext der Spannungen im Nahen Osten. US-Präsident Trump drohte dem Iran dem Text zufolge mit einem Wirtschaftskrieg und verwies dabei auf mögliche Konsequenzen. In diesem Zusammenhang sagte er: „die vernichtendste Wirtschaftsoperation, die je gegen ein Land unternommen wurde“. Außerdem müssten „GEWALTIGEN wirtschaftlichen Konsequenzen“ erwartet werden, wie es auf seiner Plattform Truth Social heißt. Der Markt liest solche Aussagen häufig als Risiko für Lieferketten, Transportkosten und insbesondere für die Erwartung an zusätzliche Abwärts- oder Aufwärtsrisiken im Energiekomplex.
Für den DAX bedeutet das eine Gemengelage aus gegenläufigen Kräften. Sinkende Renditen können Bewertungsniveaus stützen, während höhere Ölpreise oft den Inflationspfad und damit die geldpolitischen Erwartungen berühren. Gleichzeitig fehlen seit den letzten Rekorden die klaren Signale für aggressives Nachkaufen; dadurch können selbst kleine neue Impulse stärker durchschlagen als in einem „frischen“ Trend. In der Praxis heißt das: Anleger und Portfoliomanager dürften kurzfristig stärker zwischen zinssensitiven und energiebeeinflussten Sektoren rotieren, statt den Index pauschal weiter zu befeuern. In der Summe bleibt der Donnerstag deshalb ein Test, ob die Entlastung über den Anleihemarkt reicht, um die Iran-Thematik im Hintergrund zu neutralisieren, oder ob neue Nachrichten die Risikoprämie wieder erhöhen.
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