KINGSTON, R.I. / LONDON (IT BOLTWISE) – Das 63. URI Honors Colloquium geht im Herbst 2026 in die Planeten- und Sternforschung und startet am 15. September mit dem Physiker Les Johnson. Im Mittelpunkt stehen realistische Ansätze für interstellare Reisepläne, aber auch die Frage, welche ethischen und rechtlichen Leitplanken eine solche Zukunft braucht. Insgesamt 12 Vorträge diskutieren außerdem Themen wie Schwarze Löcher, Gravitationswellen und Multi-Messenger-Astronomie. Die Veranstaltungen sind kostenlos, werden live gestreamt und erfordern eine Registrierung für den Stream.

Wer im September 2026 am Campus in Kingston, R.I. vorbeikommt, bekommt nicht einfach „Weltraum-News“, sondern einen thematisch eng gefassten Blick darauf, wie Künstliche Intelligenz und digitale Methoden in der Forschung häufig nur die Werkzeuge sind, während die eigentlichen Fragen bei Reichweite, Zeitachsen und physikalischen Grenzen liegen. Genau dort setzt das 63. URI Honors Colloquium an: Die Reihe trägt den Titel „Interstellar Exploration: Journey Beyond Your Limits“ und lädt dazu ein, das Bild vom Weltraum als bloße Kulisse zu verlassen. Stattdessen diskutieren die Veranstalter, wie sich Erkenntnisse aus der Astrophysik und aus Technikfeldern wie Antrieb, Energieversorgung und Missionsplanung zu einem realistischen Gesamtbild zusammenführen lassen.
Den Auftakt bildet am Dienstag, 15. September, der Physiker Les Johnson um 5:30 p.m. Er bringt dabei eine seltene Mischung aus Grundlagenwissen und praktischer Technikgeschichte mit. Johnson ist unter anderem CEO von Infinite Frontiers Consulting und war früher Chief Technologist am NASA George C. Marshall Space Flight Center in Alabama. Sein Vortrag fokussiert auf die Frage, wie realistisch interstellarer Reiseverkehr unter den Bedingungen von großer Distanz, langer Reisezeit und den jeweils bekannten physikalischen Regeln überhaupt ist. Besonders interessant ist dabei, dass er im NASA-Umfeld an Next-Generation-Technologien mitgearbeitet hat – von fortgeschrittenen Konzepten für Raumfahrtantriebe und Stromversorgung bis hin zu Systemen für die Lebenserhaltung.
Auch wenn der Horizont interstellar gedacht ist, kommt die technische Tiefe nicht zu kurz. Johnson war laut Programm zudem Principal Investigator für Raumfahrt-Demonstrationen wie Solar Sails und Tethers. Solche Demonstratoren sind für das Missionsdesign deshalb relevant, weil sie häufig gerade jene Parameter testen, die bei interstellaren Szenarien besonders hart sind: Wie zuverlässig funktionieren Systeme über lange Zeiträume, wie stabil bleibt die Energieausbeute, und wie gut lässt sich die Flugbahn aktiv kontrollieren, wenn Leistung, Masse und Zeitvorgaben fest vorgegeben sind. Daneben beschreibt das Programm, dass Johnson als Co-Editor einer dreibändigen technischen Monografiereihe beteiligt ist, die nicht nur technische, sondern auch soziale Probleme zukünftiger interstellarer Reisevorhaben systematisch behandelt. Ergänzt wird das durch seine Arbeiten in der Popularisierung, etwa sein Buch „A Traveler’s Guide to the Stars“, das laut Ankündigung in sieben Sprachen verfügbar ist.
Damit wird der zweite Schwerpunkt der Reihe sichtbar: Das Colloquium verbindet Wissenschaft nicht nur mit Vision, sondern auch mit Verantwortung. Das zeigt sich in der Themenbreite, die von Ethik, Menschenrechten und der Zukunft in der Raumfahrt über „space and the law“ bis hin zu der Frage reicht, wie man das „Unmögliche“ überhaupt anpackt. Der Physik-Rahmen wird zudem über die lokale Forschungslandschaft gezogen: Die Programmkoordination liegt bei URI Department of Physics Chair Leonard Kahn, unterstützt von den Professoren Douglas Gobeille und Robert Coyne. Kahn deckt laut Ankündigung Bereiche wie Oberflächenphysik, Supraleitung, Wasserstoff in Metallen sowie nichtlineare Optik und Photonik ab; Gobeille und Coyne haben außerdem ein Astrophysik-Programm mit aufgebaut, das auf studentisches Engagement setzt und sich forschungsnah auf Schwarze Löcher, Gravitationswellen, Multi-Messenger-Astronomie und die Entwicklung von Quasaren konzentriert.
„Through this colloquium series, we aim to spark the public’s imagination and investigate the vast opportunities that space exploration presents“, sagte Leonard Kahn. „Our speakers will offer insights into humanity’s quest to understand what lies beyond Earth and show how everyday citizens can be part of that effort. Fostering an informed and engaged public is, after all, the mission of the Honors Colloquium.“ Genau dieser Anspruch schlägt sich auch organisatorisch nieder: Die Vorträge finden dienstags bis zum 8. Dezember jeweils um 5:30 p.m. im Edwards Hall auf dem Kingston Campus statt. Der Eintritt ist frei und offen für die Öffentlichkeit, aber eine Registrierung ist erforderlich – und zwar sowohl für die Präsenz als auch, wenn man die Livestreams sehen möchte. Für eine technische Zielgruppe ist das vor allem deshalb relevant, weil der Wissensfluss nicht bei der Abendveranstaltung endet: Die Video-Links sollen laut Ankündigung am jeweiligen Veranstaltungstag auf der Website verfügbar sein.
Nach dem Startprogramm folgt eine über mehrere Monate gestreckte Themenkette, in der sich Industrie- und Wissenschaftsperspektiven abwechseln. Am 22. September spricht Mae Jemison, ehemalige NASA-Astronautin und Mitgründerin sowie Principal Partner von Signal Hill Road Publishing LLC, außerdem Principal of 100 Year Starship in Houston. Der 29. September steht mit Robert Zubrin unter dem Zeichen von Mars-Strategien: Zubrin ist Autor, Präsident von Pioneer Astronautics und Gründer der Mars Society. Am 6. Oktober liefert Tanya Harrison als Planetary Scientist und Fellow des Outer Space Institute den Blick auf Planetenprozesse; am 13. Oktober diskutiert Timiebi Aganaba als internationaler Jurist unter anderem über die Governance-Frage in der Raumfahrt. Danach folgen naturwissenschaftliche und instrumentelle Perspektiven: Philip Lubin vom University of California Santa Barbara, Lisa Kaltenegger als Gründungsdirektorin des Carl Sagan Institute, sowie Erika Nesvold von Universe Sandbox, die als Astrophysik-Ingenieurin an einer Physik-gestützten Weltraum-Simulation und einem Videospiel mitarbeitet.
Den Schlusspunkt setzen weitere Stimmen, die die Verbindung zwischen Forschung, Öffentlichkeit und Technologie praktisch machen. Am 10. November spricht Jamie Rankin von der Princeton University, am 17. November Marc Kuchner als Astrophysiker und Citizen Science Officer für NASA’s Science Mission Directorate. Der 1. Dezember bringt Ved Chirayath als Professor für Geowissenschaften, Maschinenbau und Aerospace Engineering an der University of Miami, während Paul Sutter am 8. Dezember als Kosmologe an der Johns Hopkins University auftritt und zudem als Berater für das NASA Innovative Advanced Concepts Program genannt wird. Ergänzend sind am 14. und 28. September Sci-Fi-Movie-Nights auf dem University Quadrangle eingeplant – beides um 7 p.m. – sowie ein raumfahrtbezogenes Kunstprojekt: „Liminality: Before, During, After, “ läuft vom 21. September bis zum 9. Dezember in den Lippitt Hall Lobbys auf den dritten und vierten Etagen.
Für die URI-Gemeinschaft ist das Paket damit mehr als eine Vortragsreihe: Es schafft bewusst Schnittstellen zwischen Naturwissenschaft, Rechts- und Ethikfragen sowie Kultur. Das spiegelt sich auch in der Leitlinie des Honors-Programms wider. Karen de Bruin, URI Honors Program Director, heißt es in der Ankündigung: „This year’s Honors Colloquium and accompanying events combine audacious science with humanistic inquiry, inviting us to consider not only how we might travel farther into the universe, but why – and to what ends.“ Und weiter: „In our stressful times of political conflict, environmental stress, and economic uncertainty, the Colloquium invites us to look to the stars and imagine new possibilities.“ Für Entscheidungsträger und Technologieverantwortliche ist daran vor allem relevant, dass die Diskussion über Raumfahrt bereits als gesellschaftliche Infrastruktur verstanden wird: Wer an Missionen arbeitet, braucht nicht nur Antrieb und Sensorik, sondern auch Mechanismen, wie Zielkonflikte, Verantwortlichkeiten und politische Rahmenbedingungen langfristig tragfähig bleiben.
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