LONDON (IT BOLTWISE) – Die Entwicklung von Rechenzentren in den USA gerät gleichzeitig in Zugzwang und Chancen. In der ersten Jahreshälfte 2026 steigen Materialkosten weiter, während Projekte mit den höchsten Renditeversprechen priorisiert werden. Besonders Zölle auf Stahl, Aluminium und Kupfer wirken sich messbar auf Preise und Lieferzeiten aus. Für Materialhersteller läuft die Produktion vielerorts jedoch bereits auf voller Kapazität.

In den USA zeigt sich die Rechenzentrums- und Infrastrukturentwicklung derzeit weniger als gleichmäßiger Boom, sondern als stark segmentierter Fortschritt. Während Aufträge für Rechenzentren, Energieinfrastruktur, fortschrittliche Fertigung und Biowissenschaften an Tempo gewinnen, bleiben Büro-, Einzelhandels- und Hochschulimmobilien auf nationaler Ebene offenbar hinter den Erwartungen zurück. Als Treiber nennt ein Bericht von Skanska die anhaltenden Zollpolitiken; die Folge ist eine spürbare Neubewertung von Projektstandorten, Bauphasen und Budgetspielräumen. Für Materialhersteller ist das in der Praxis ein Wechsel vom Planungs- in den Engpassmodus: Nicht der Bedarf verschwindet, sondern die Frage wird lauter, welche Materialströme überhaupt zeitgerecht lieferbar sind.
Technisch und organisatorisch landet die Industrie damit bei Themen, die weit über den eigentlichen Bau hinausreichen. Skanska beschreibt die Lieferketten für Materialien in diesem Kontext als belastbar ausgelastet: Tom Park, Vizepräsident für nationale strategische Lieferketten bei Skanska, sagte, die Lieferketten arbeiteten mit voller Kapazität. Interessant ist dabei die Charakterisierung des Marktes als Gemisch aus „heiß und warm“: Damit ist nicht nur die Nachfrage gemeint, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der Projekte in konkrete Bestellungen und Abrufe übergehen. Besonders Projekte rund um Rechenzentren, Halbleiter und Biowissenschaften erhalten demnach sichtbar mehr operative Aufmerksamkeit, während andere Immobilienkategorien aktuell eher zurückgestellt werden.
Der Preisdruck entsteht dabei nicht abstrakt, sondern über konkrete Warengruppen, die in fast jeder Rechenzentrumsplanung wiederauftauchen: Mechanik, Elektrik, Sanitär und Stahl. Für diese Kategorien spricht der Bericht von „beispielloser“ Nachfrage, verbunden mit verlängerten Lieferzeiten und steigenden Kosten. Als Engpassquellen nennt Park insbesondere Section-338-Zölle auf kanadische Importe. Dazu kommen Verzögerungen bei petrochemischen Importschiffen, die über die Route durch die Straße von Hormus laufen, sowie höhere Preise für heimische Materialien, die das Verhältnis von Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Besonders deutlich wirken Zölle auf Stahl, Aluminium und Kupfer: Park erläutert, dass diese Zölle Produzenten im Inland die Möglichkeit geben, ihre Preise anzuheben, weil sich ausländische Konkurrenz nur überwindend darstellen kann, wenn Kosten durch Zölle weiter steigen.
Für Planer und Betreiber ist entscheidend, wie sehr sich die Zeitachse verschiebt. Die Lieferzeiten für Materiallieferungen hätten sich von 24 bis 36 Wochen auf 40 bis 50 Wochen verlängert, so Park. Das ist nicht nur eine Zahl für das Einkaufsteam, sondern verändert die Gesamtsystematik eines Projekts: Um Sicherheitsbestände aufzubauen, werden Ausschreibungen häufiger vorgezogen, Fertigungs- und Montagefenster neu getaktet und in manchen Fällen Teillieferungen vorgesehen, damit die Baufolge nicht komplett blockiert. Park deutet außerdem darauf hin, dass sich dieser Trend in den nächsten sechs bis zwölf Monaten fortsetzen dürfte, weil Investoren ihr Kapital dort platzieren, wo sich die Rendite am stärksten vervielfacht. Ergänzt wird das Bild durch Daten aus dem Skanska-Bericht: Private Bauausgaben für Nichtwohngebäude seien von 1,7 Prozent im Jahr 2019 auf 5,4 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Parallel legt der Biowissenschaftsbereich nach, wobei Skanska laut Darstellung eine hohe Zahl interessierter Kunden verzeichnet und sich neue Projektverträge in diesem Teilmarkt sichert.
Für die Marktstruktur bedeutet das: Materialhersteller stehen zwar unter Kosten- und Zollwirkung, profitieren aber zugleich von der Auslastung ihrer Kapazitäten. Wenn Metallwerke und Verarbeiter „mit voller Kapazität“ arbeiten, verschiebt sich das Risiko von der Produktion hin zur Versorgung und zur Terminsteuerung auf Projektebene. Rechenzentren sind dabei besonders empfindlich, weil sie in kurzer Taktung Bauabschnitte zusammenführen müssen – vom Tiefbau über die Tragwerk- und Elektroinfrastruktur bis hin zu Sanitär und technischen Räumen. In der Praxis führt die Lage häufig zu einer Priorisierung von Maßnahmen, die schnelle Durchsatzfähigkeit bringen: Netzanschlüsse, Lastverteilungen und TGA-Komponenten werden dann eher gesichert, wenn man Lieferkettenrisiken aktiv einkalkuliert. Auch im Umfeld von Halbleiter- und Biowissenschaftsprojekten wirkt die gleiche Logik, weil dort ebenfalls Metall, Elektrik und spezialisierte Komponenten in die kritische Pfadplanung hineinreichen.
Aus Industrielogik heraus entsteht damit ein Spannungsfeld für Unternehmen, die in den kommenden Quartalen investieren wollen: Einerseits bleibt die Nachfrage nach Rechenzentrums- und Hightech-Standorten hoch, andererseits steigen die Kostenvariablen durch Zölle und die Beschaffungszeiten. Wer hier in der KI-gestützten Planung (z. B. für Varianten, Beschaffungsrisiken und Kapazitätsabgleiche) sauber arbeitet, kann Zahlungs- und Terminrisiken früher sichtbar machen und Entscheidungen belastbarer treffen. So verschiebt sich der Wettbewerb nicht nur in Richtung Standortwahl und Energieverfügbarkeit, sondern auch in Richtung Einkaufstiefe, Lieferantenstrategie und Dokumentation von Annahmen. Damit bleibt der Ausblick zwar kurzfristig anspruchsvoll, für Materialhersteller und nachgelagerte Gewerke ist das Umfeld jedoch klar: Produktion und Abrufe laufen, während Bau- und Projektteams versuchen, die längeren Lieferfenster über Verträge, Taktung und technische Alternativen zu überbrücken.
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