LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie vergleicht den auf der Mittelmeer-Ernährung basierenden Ansatz Med-South direkt mit dem über Jahrzehnte etablierten Weight-Watchers-Programm. Beide Konzepte helfen beim Abnehmen, doch Med-South verbessert die Qualität der Ernährung messbar. Damit steigt die Chance, die Essgewohnheiten langfristig beizubehalten. Die Ergebnisse ordnen das Programm zudem als möglichen Co-Baustein zu wirksamer Gewichtsmedikation ein.

Wer in den USA Abnehm-Programme gegeneinander testet, landet zwangsläufig bei zwei sehr unterschiedlichen Philosophien: strukturierte Punkte-Logik mit wöchentlichen Workshops versus ein Lifestyle-orientiertes Ernährungsmodell, das sich stärker an Lebensmittelqualität und Verhalten ausrichtet. Genau diesen Gegensatz greift die neue Studie auf, indem sie Med-South als Programm auf Basis der mediterranen Küche gegen Weight Watchers antreten lässt. Im Kern geht es dabei nicht nur um die Frage, ob am Ende Kilogramme fallen, sondern auch darum, welche Art von Ernährung die Teilnehmenden langfristig stabilisieren können.
Med-South adaptiert mediterrane Prinzipien für typische Vorlieben aus dem US-Süden. Die Studie bettet das in eine konkrete Ernährungslogik ein: Im Vergleich zu stärker verarbeiteten Lebensmitteln rücken Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Samen sowie Nüsse nach vorn, während raffinierte Kohlenhydrate weniger Platz bekommen. Das klingt im ersten Moment nach einer simplen Liste, ist aber in der Umsetzung anspruchsvoll. Deshalb erhielten die Teilnehmenden über mehrere Phasen Unterstützung, in denen Ernährungsexpertise nicht auf „Kalorien zählen“ reduziert wurde, sondern auf die Verbesserung der Lebensmittelqualität und auf die Umstellung von Routinen.
Technisch betrachtet ist das Design der Intervention entscheidend: Med-South wurde nicht als reines „Tracking-Programm“ konzipiert. In Phase eins arbeiteten Teilnehmende gemeinsam mit Ernährungsfachkräften daran, die Qualität der Kost zu erhöhen, ohne den Fokus unmittelbar auf Gewichtsreduktion zu legen. Danach formulierten sie Gewichtsziele und gingen konkreter an die Veränderung von Essgewohnheiten heran. Schließlich folgte eine Phase der Stabilisierung, in der gute Muster gehalten werden sollten. Begleitet wurde das Ganze durch persönliche sowie telefonische Beratung über den Programmverlauf.
Weight Watchers verfolgt dagegen eine klar datengetriebene Mechanik: In Workshops wie im Studiensetting wiegen sich Teilnehmende und sprechen mit einer Betreuungsperson über Ziele. Ergänzend bekommen sie Zugriff auf eine App beziehungsweise eine Online-Plattform, die für einen Zeitraum von zwei Jahren genutzt werden konnte. Der digitale Teil steuert das Verhalten über ein Punktesystem für Lebensmittel und berücksichtigt dabei auch Aktivität. Weniger „gesunde“ Lebensmittel werden dabei rechnerisch stärker „belastet“, weil sie mehr Punkte aus dem täglichen und wöchentlichen Kontingent kosten. Med-South setzt hingegen stärker auf Verhaltens- und allgemeine Ernährungsänderungen, statt kontinuierliches Detail-Tracking als Haupthebel zu verwenden.
Das Ergebnis fällt differenziert aus: Beide Programme führten zu Gewichtsverlusten. Gleichzeitig zeigte sich „no material difference“ zwischen Med-South und Weight Watchers hinsichtlich der reinen Abnahmewirkung, während sich die Qualität der Ernährung zugunsten von Med-South verbesserte. Genau dieser Unterschied in der Ernährungsqualität wird in der Praxis als relevante Eintrittskarte für die Langfristigkeit interpretiert: Wenn Menschen die Alltagsstruktur ihrer Ernährung so umbauen, dass sie sich besser „anfühlt“ und leichter durchzuhalten ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Abbrüchen. Emily Case, registrierte Diätassistentin bei Northwell Health, ordnet die Bedeutung der mediterranen Ernährungsweise für nachhaltigere Gewohnheiten entsprechend ein: Der zentrale Effekt liege darin, dass sich das Essverhalten lebensnah verbessern lasse.
Der Kontext dahinter ist gesundheitspolitisch brisant. Laut Angaben aus dem Quellenmaterial sind in den USA etwa zwei von fünf erwachsenen Menschen adipös. Adipositas erhöht das Risiko für mehrere ernste Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis, Fettleber und Herzkrankheiten; Gewichtsreduktion gilt deshalb als eine der wirksamsten Stellschrauben. Med-South richtet sich dabei explizit auf Veränderungen im Alltag, unter anderem durch weniger zuckerhaltige Getränke und den Austausch von weißem Brot sowie weißem Reis gegen Vollkornprodukte. Interessant ist auch: Der Ansatz wird nicht nur als „Gewichtsverlust-Tool“ beschrieben, sondern als Lebensstil, der selbst dann helfen kann, wenn das Programm nicht ausschließlich auf Gewichtsabnahme ausgelegt ist.
Für die Einordnung in die moderne Versorgungsrealität liefert die Studie außerdem eine Brücke zur Pharmakotherapie. Die Autoren nennen GLP-1s und bariatrische OPs als Optionen, die mit Ernährungsumstellungen kombiniert werden könnten, um langfristige Resultate zu verbessern. Der Gedanke dahinter ist plausibel: Medikamente können kurzfristig den Appetit und das Gewichtsmanagement erleichtern, während ein Programm wie Med-South als Co-Intervention die Grundlage für stabilere Essgewohnheiten schaffen könnte. Genau deshalb plädieren die Autoren für weitere Untersuchungen zur Wirkung von Lifestyle-Programmen, die sich auf die Qualität der Ernährung als Ergänzung zu wirksamen Gewichtsmedikamenten konzentrieren, insbesondere mit Blick auf die Phase nach dem Absetzen von Medikamenten und das Risiko einer erneuten Gewichtszunahme.
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