LONDON (IT BOLTWISE) – Der Kia K4 Sportswagon zeigt im Alltag, warum Kombis trotz SUV-Dominanz nicht verschwinden müssen. Mit 4,70 Metern Länge, 604 Litern Kofferraum bei aufgestellter Rückbank und bis zu 1.439 Litern bei umgelegten Lehnen bleibt er konsequent praktisch. Im Cockpit setzt Kia auf zwei 12,3-Zoll-Displays und viele echte Schalter, statt alles auf Touch umzulegen. Ein echter Störfaktor bleibt jedoch die Anfahrschwäche des Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebes in niedrigen Geschwindigkeiten.

Mit dem Kia K4 Sportswagon rückt ein Fahrzeug zurück in den Fokus, das im Straßenbild lange unter Druck geraten ist: der Kombi. Während SUVs und Crossover heute in jeder zweiten Werbeanzeige auftauchen, setzt Kia bei der neuen K4-Generation wieder auf ein flaches, langes Karosseriekonzept. Der Wagen ist 4,70 Meter lang, 1,85 Meter breit und nur 1,44 Meter hoch. Genau diese Proportionen machen den Unterschied im Alltag spürbar: Er wirkt weniger wuchtig als viele höher gebaute Alternativen und bleibt trotzdem ein Raumangebot für Familien, Pendler und jede Art von „Kofferraum-Mission“.
Auch beim Design geht Kia bewusst nicht den Weg der 08/15-Aufsätze. Die Star-Map-Lichtsignatur vorn verknüpft den Sportswagon optisch mit den neueren Modellreihen der Marke, inklusive elektrischer Ableger. Hinten zieht sich ein Leuchtenband weit über die Karosserie und läuft an den Seiten vertikal aus, wodurch die Heckansicht noch breiter wirkt. Auffällig sind außerdem die hinteren Türgriffe: Sie sitzen in den C-Säulen und lassen sich auf Anhieb nur schwer entdecken. Praktisch wird es dann, wenn man sie einmal gefunden hat – allerdings verlangt der Einstieg nach Jahren des SUV-Booms eine kleine Gewöhnung, weil man in den K4 tatsächlich hinuntersteigt statt „draufzusitzen“.
Im Innenraum verfolgt Kia eine klare Linie: modern, aber nicht konsequent touchscreen-getrieben. Zwei 12,3-Zoll-Bildschirme übernehmen Instrumente und Infotainment, dazwischen arbeitet ein kleiner 5,3-Zoll-Touchscreen für die Klimatisierung. Wer klassische Rundinstrumente bevorzugt, kann sich diese Darstellung auf den Bildschirm holen, was den Umstieg für Fahrer reduziert, die Bedienlogik nicht radikal umstellen wollen. Besonders lobenswert ist, dass viele Funktionen weiterhin über echte Tasten und Schalter bedienbar bleiben – von Fensterhebern bis zu Scheibenwischer und Spiegeln. Das ist in einer Zeit, in der sich immer mehr Autos „menülastig“ anfühlen, ein Komfortfaktor. Zwei Punkte trüben die perfekte Wirkung: Das Klimadisplay liegt aus Fahrersicht teilweise ungünstig hinter dem Lenkrad, und einzelne Materialien reflektieren im Test bei ungünstigem Sonnenstand stören.
Der größte Trumpf des Kombi-Konzepts sitzt dann schlicht im Heck. Beim getesteten 1,6-Liter-Benziner passen bei aufgestellter Rückbank 604 Liter in den Laderaum. Werden die Lehnen umgelegt, steigt das Volumen auf bis zu 1.439 Liter. Im Vergleich kommt der aktuelle Golf Variant auf 611 beziehungsweise maximal 1.642 Liter – bei voller Bestuhlung liegen beide also sehr eng beieinander, während der VW bei umgelegten Rücksitzen mehr Reserven besitzt. Dafür sammelt der K4 Pluspunkte bei der praktischen Nutzung: Im Testwagen gab es mehrere Fächer unter dem Ladeboden und zahlreiche Verzurrmöglichkeiten, sodass Kleinteile nicht durch das große Volumen „wegfliegen“.
Technisch trifft der Sportswagon im Antrieb auf einen Kerntrend der Mittelklasse: leistungsstarke, effiziente Benziner mit Automatik. Der Testwagen war die stärkste aktuell angebotene Variante: 1,6 Liter Hubraum, 180 PS, Frontantrieb und ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Auf der Autobahn läuft diese Kombination nach Eindruck des Tests souverän; die Reserven reichen auch bei höherem Tempo, der Motor ist gut gedämmt und Windgeräusche bleiben spürbar zurückhaltend. Dazu passt das Fahrwerk: komfortbetont, ohne weich zu sein, und mit einer Lenkung, die ausreichend direkt bleibt, um lange Strecken nicht ermüdend werden zu lassen. Der Komfort kippt allerdings bei niedrigen Geschwindigkeiten, denn das Doppelkupplungsgetriebe wirkt beim Anfahren und Rangieren zeitweise erstaunlich unentschlossen – das „Warten auf die Reaktion“ wird als Gedenksekunde beschrieben, inklusive dem Gefühl einer Wandlerautomatik, obwohl ein Doppelkupplungsgetriebe arbeitet.
Bei der Verbrauchswahrheit bleibt die Bilanz dagegen solide. Kia nennt für den 180-PS-Benziner 7,1 Liter pro 100 Kilometer; der Bordcomputer zeigte nach der Fahrt 7,6 Liter, wobei viel Autobahnanteil drin war. In der Assistenztechnik macht der K4 ebenfalls einen starken Eindruck: Es gibt viele Systeme und ebenso viele Hinweise, inklusive Quittierung eines neuen Tempolimits per Pieps, wobei sich vieles konfigurieren und leiser stellen lässt. Besonders überzeugend wirken Spurfãhrung und Autobahnassistent, die die Spur zuverlässig halten und sich am vorausfahrenden Verkehr orientieren, zugleich aber Tempolimits aus dem Navi berücksichtigen, ohne sich „vordrängeln“ zu müssen. Preislich startet der K4 Sportswagon bei 29.890 Euro, der getestete 180-PS-Benziner ist ab 38.490 Euro als Spirit erhältlich und mindestens 39.890 Euro als GT-Line; mit DriveWise-Park-, Sitz- und Sound-Paket sowie der Lackierung in Stahlgrau Metallic liegt der Testwagen bei 43.450 Euro. Damit bleibt Kia kein Schnäppchen, hat aber preislich keine Angst vor der etablierten Konkurrenz wie dem Golf Variant R-Line.
Am Ende ergibt sich ein klares Bild: Der Kia K4 Sportswagon ist ein unkompliziertes Alltagsauto und zugleich ein gutes Argument dafür, dass Kombis nicht nur historische Nischenprodukte sind. Er bietet viel Platz, einen großen Kofferraum und eine Bedienung, die sich nicht wie eine Rätsel-App anfühlt. Die Assistenzsysteme unterstützen, ohne permanent zu stören, und der 180-PS-Benziner funktioniert vor allem dort gut, wo viele Fahrzeuge sonst „nur mittel“ sind: auf längeren Strecken. Der eine echte Haken ist die Abstimmung des Doppelkupplungsgetriebes beim Anfahren – sobald die Gedenksekunde vorbei ist, zeigt der Sportswagon aber, was er eigentlich sein will: ein zuverlässiger Alltagskumpel.
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