LONDON (IT BOLTWISE) – Das Bundeskanzleramt und das Bundespresseamt haben die öffentlich erreichbare Faxnummer (030) 18272-2555 abgeschaltet. Mitte August wurden die Angaben von den Websites ersatzlos entfernt. Damit können Nutzer seitdem kein Telefax mehr an die Behörden senden. Aus Sicherheitsgründen zur konkreten IT-Ausstattung macht die Bundesregierung keine näheren Angaben.

Bundeskanzleramt und Bundespresseamt stellen Faxnummer auf „nicht mehr erreichbar“
Bundeskanzleramt und Bundespresseamt stellen Faxnummer auf „nicht mehr erreichbar“ (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer in Deutschland bislang eine der letzten öffentlich angegebenen Faxnummern von Regierungsstellen nutzen wollte, stößt seit Mitte August auf eine harte Grenze: Das Bundeskanzleramt und das Bundespresseamt haben die bis dahin öffentlich erreichbare Telefax-Leitung (030) 18272-2555 abgeschaltet. In der Konsequenz kann über diese Nummer kein Telefax mehr gesendet werden, obwohl sie seit vielen Jahren auch im Impressum beider Behörden auftauchte. Technisch wirkt das wie ein kleiner Verwaltungswechsel, in der Praxis ist es aber ein Signal dafür, wie die Bundesverwaltung ihre Kommunikationswege zunehmend neu gewichtet.

Die Bundesregierung nennt in der Sache keine detaillierten Gründe für die Abschaltung der konkreten Faxnummer. Auf Anfrage heißt es, man könne sich „aus Sicherheitsgründen zur konkreten Ausgestaltung der IT und eingesetzten Kommunikationsmittel der Bundesverwaltung grundsätzlich nicht äußern“. Genau diese Formulierung ist in IT-Sicherheitskontexten typisch: Sie verweist nicht auf eine einzelne technische Ursache wie etwa eine Störung, sondern eher auf eine Entscheidung, die eng mit der Absicherung von Kommunikationskanälen zusammenhängt. Für Anwender bedeutet das: Statt Transparenz über Protokolle oder Empfangswege bleibt nur der beobachtbare Effekt, dass eine etablierte, aber zunehmend marginalisierte Schnittstelle im öffentlichen Zugriff nicht mehr funktioniert.

In der Debatte taucht häufig ein Argument auf, das man im Technik-Umfeld seit Jahren kennt: Faxübertragungen gelten als vergleichsweise robust, weil sie nicht wie E-Mail in denselben Angriffsflächen stattfinden und weil ein Fax seit Jahrzehnten als rechtsverbindlich anerkannt ist. Hinzu kommt das Prinzip der Empfangsbestätigung, das im Streitfall eine Belegfunktion liefert. Genau an dieser Stelle wird jedoch auch klar, warum staatliche Stellen Fax noch seltener nutzen: Selbst wenn die Übertragung historisch eine hohe Verlässlichkeit hatte, bleibt Fax in der Gesamtarchitektur der IT ein eigener Transportweg. Sobald Dokumente systematisch verarbeitet, revisionssicher abgelegt und in Workflows integriert werden sollen, verschiebt sich der Nutzen weg vom einzelnen Kommunikationskanal hin zur End-to-End-Integration.

Die neue Lage lässt sich auch vor einem anderen Referenzpunkt lesen. Der Deutsche Bundestag hatte seine letzten Faxgeräte bereits 2024 abgestellt, zumindest für die Kommunikation mit der deutschen Öffentlichkeit. Das zeigt, dass die Umstellung nicht bei einzelnen Behörden „aus Versehen“ passiert, sondern Teil einer breiteren Bewegung hin zu digitalen oder zumindest digital unterstützten Kommunikationsformen ist. Gleichzeitig bleibt eine wichtige Nuance erhalten: Der Quelle zufolge existiert „in Berlin“ für die Kommunikation mit bestimmten Empfängern – ausdrücklich genannt werden etwa ausländische Regierungen – weiterhin die Möglichkeit, ein Fax zu senden und auch zu empfangen. Damit wird das Fax nicht komplett abgeschaltet, sondern stärker in Richtung Sonderfälle verlagert, bei denen andere Kommunikationswege (noch) nicht gleichwertig nutzbar sind.

Für IT-Leitungen und Behörden-IT ist das vor allem ein Thema von Betriebsmodellen und Governance. Ein öffentlich erreichbares Fax bedeutet in der Regel: ein separater Endpunkt, definierte Betriebszeiten, Dokumentenzuordnung und eine sichere Ablage, die zu den internen Prozessen passt. Wenn die Kommunikation dagegen zunehmend über moderne digitale Kanäle läuft, steigen zwar die Anforderungen an Verschlüsselung, Identitätsprüfung und Protokollierung, die Verarbeitung wird aber auch konsistenter. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie Belege im Sinne von Nachvollziehbarkeit und späterer gerichtsfester Nutzbarkeit entstehen – nicht nur, ob ein Dokument „ankommt“, sondern ob es in der verfahrensrelevanten Kette sauber erfasst wird.

Daneben wirkt der Schritt auch auf die Erwartungshaltung externer Stakeholder. Für Unternehmen, Verbände und Bürgerinnen und Bürger, die noch immer Fax als „sichereren“ Weg sehen, wird die Abschaltung spürbar: Entweder müssen sie alternative Kommunikationskanäle nutzen oder ihre internen Prozesse umstellen. Gleichzeitig reduziert die Abschaltung im öffentlichen Bereich die Zahl der eingehenden Kanäle und damit auch die Angriffs- und Fehlerflächen, die mit veralteten oder randständigen Schnittstellen verbunden sein können. In diesem Spannungsfeld zwischen historischer Rechtsfestigkeit des Fax und dem operativen Aufwand seiner Einbindung entscheidet die Verwaltung offenkundig, dass die digitale Standardisierung inzwischen schwerer wiegt als der Komfort, den manche Nutzer aus der Fax-„Automatik“ ableiten.

Am Ende bleibt die Meldung ein gutes Beispiel dafür, wie IT-Transformation im öffentlichen Sektor selten mit einem „Big Bang“ beginnt. Stattdessen werden bestimmte Kommunikationswege schrittweise zurückgebaut, sobald sie nicht mehr als Standard notwendig erscheinen. Für die Zukunft ist damit weniger eine Frage der Technologie an sich als der Prozessgestaltung: Wie werden Dokumente künftig eingereicht, wie wird der Eingangsbeleg erzeugt, und wie lassen sich Nachweise so absichern, dass sie im Alltag und im Streitfall funktionieren? Dass der konkrete Grund für die Abschaltung im Detail nicht genannt wird, passt ins Bild einer Sicherheitsstrategie, die Angriffsflächen nicht öffentlich diskutiert – während die Nutzer die Änderungen über die Erreichbarkeit der Schnittstelle unmittelbar spüren.

Wer das Thema technisch einordnen möchte, sollte daher weniger auf die „Fax gegen E-Mail“-Frage verfallen und stärker auf den Architekturgedanken achten: Kommunikationskanäle sind nur dann nachhaltig, wenn sie in Identität, Authentizität, Dokumentenverwaltung und gerichtsfeste Protokollierung eingebettet sind. Mit der Abschaltung der öffentlich erreichbaren Nummer (030) 18272-2555 wird genau diese Einbettung noch konsequenter in den Mittelpunkt gerückt. Dass einzelne Sonderkommunikationen weiterhin über Fax möglich sein sollen, unterstreicht zugleich den pragmatischen Charakter der Umstellung: Standardisiert wird dort, wo es technisch und organisatorisch trägt – und Ausnahmen bleiben, solange es keine gleichwertige Alternative gibt.


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