MELLE / LONDON (IT BOLTWISE) – In Melle ist die erste Unterkunft im Rahmen des THW-Bauprogramms nach rund einem Jahr Bauzeit eingeweiht worden. Der Neubau schafft auf einem etwa 7.800 Quadratmeter großen Grundstück Platz für rund 150 ehrenamtliche Kräfte des THW-Ortsverbandes. Mit einer barrierefreien Auslegung und neuen Energiekomponenten wie Wärmepumpen und Photovoltaik zielt das Projekt auf mehr Einsatzbereitschaft und Resilienz. Bundesweit sollen damit schrittweise rund 200 Standorte modernisiert werden, nachdem rund ein Drittel der Ortsverbände nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht.

In Melle wird ein Bauvorhaben sichtbar, das bisher vor allem in Planungsunterlagen existierte: Mit der Einweihung der ersten Unterkunft im THW-Bauprogramm bekommt der Technische Hilfsdienst (THW) eine konkrete Musteranlage für seine zukünftigen Ortsverbandsstandorte. Die zeitliche Taktung ist dabei bemerkenswert. Laut Angaben aus dem Projektumfeld lag die Bauzeit bei etwa einem Jahr, womit der Neubau nicht nur den Ortsverband Melle stärkt, sondern auch als Signal für einen bundesweiten Rollout funktioniert.
Technisch betrachtet steht das Gebäude für eine klare funktionale Aufteilung, die zu den Arbeitsprozessen eines THW-Ortsverbandes passt. Die Liegenschaft liegt auf einem circa 7.800 Quadratmeter großen Baugrundstück im Gewerbegebiet von Melle und umfasst ein etwa 1.000 Quadratmeter großes Gebäude. Ergänzend gibt es eine Halle mit Platz für 14 Stellplätze der Einsatzfahrzeuge. Diese Kombination adressiert in der Praxis gleich mehrere Logistikketten: Fahrzeuge und Gerät werden in kurzen Wegen bereitgestellt, während die Mannschaften räumlich so organisiert werden, dass auch ein schneller Wechsel zwischen Einsatzlagen und Ausbildung funktioniert.
Innerhalb der neuen Unterkunft finden rund 150 ehrenamtliche Kräfte des Ortsverbandes ihre Heimat. Vorgesehen sind ein Technischer Zug mit zwei Fachgruppen für Bergung sowie Notversorgung und Notinstandsetzung, außerdem ein Fachzug für Führung und Kommunikation. Genau dieser Zuschnitt macht deutlich, dass es beim Bauprogramm nicht nur um „mehr Fläche“ geht. Vielmehr geht es um die Abbildung komplexer Einsatzrollen in dauerhaften Strukturen, inklusive der Platzverhältnisse, die mit der gestiegenen technischen Ausstattung und der gewachsenen Zahl an Ehrenamtlichen Schritt halten sollen.
Die Realisierung verlief in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sowie den Bauverwaltungen der Länder, koordiniert unter Federführung des Amtes für Bundesbau Schleswig-Holstein (AfB). THW-Präsidentin Sabine Lackner ordnete die Einweihung in den größeren Kontext des Zivil- und Katastrophenschutzes ein: Ein belastbares System brauche eine „zukunftsfähige Basis“, die über neue Ortsverbände aufgebaut werde. Ergänzend wurde die kurze Bauzeit mit einer systematisierten Bauweise begründet, wodurch sich die Frage nach Effizienz im öffentlichen Bau konkret stellt: Nicht die Architekturform, sondern die Wiederholbarkeit der Prozesse zählt, wenn am Ende nicht ein einzelner Standort, sondern ein ganzes Programm umgestellt wird.
Der Bedarf ist dabei bundesweit klar beschrieben: Insgesamt wurden rund 200 THW-Standorte identifiziert, deren Unterkünfte nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen. Das betrifft knapp ein Drittel aller THW-Ortsverbände. In einem ersten Schritt sollen 60 Standorte über einen Rahmenvertrag neu gebaut werden, bevor die zusätzlichen Finanzmittel umgesetzt werden. Entscheidend ist außerdem, dass die Bundesregierung Anfang 2026 im Rahmen des Pakts für den Bevölkerungsschutz zusätzliche Mittel bereitstellte, wodurch die Umsetzung aller rund 200 Neubaumaßnahmen in einen gemeinsamen Zeitplan rückt. Für die Betreiberseite heißt das: weniger Flickwerk, sondern ein planbarer Austausch bestehender Infrastruktur gegen standardisierte, wartungsfreundlichere Neubauten.
Auch die Nachhaltigkeits- und Energieebene ist in Melle nicht als nachträgliche Ergänzung gedacht. Die neuen Ortsverbände sollen aktuelle Energie- und Umweltstandards erfüllen und verfügen laut Projektangaben über die Klassifizierung „Effizienzgebäude 40“. Barrierefreiheit ist dabei ein Leitmotiv, das im Betrieb den Zugang für alle Einsatzkräfte unterstützt. Technisch vorgesehen sind Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Gebäuden und Hallen; zusammen soll das die Energieunabhängigkeit erhöhen, gerade „insbesondere im Falle eines Stromausfalls“. Genau an dieser Stelle wird der Bauprogramm-Charakter greifbar: Moderne Technik im Gebäude reduziert nicht nur Betriebskosten, sondern beeinflusst auch die Resilienz im Ereignisfall. Regionalstellenleiter Cedrik Strüver vom Staatlichen Baumanagement Region Nord-West betonte zudem, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit wesentliche Aspekte des Neubaus sind.
Über die Gebäudehülle hinaus nennt der Projektkontext aber auch die „weichen“ Bausteine, die im Einsatzalltag genauso entscheidend sind: Neben modernen Liegenschaften zählen wirkungsvolle Strukturen, passende Ausbildungsinhalte sowie neue oder angepasste Ausstattungen. Der Grund liegt in der veränderten Bedrohungslage, unter der künftig etwa Ausfälle kritischer Infrastrukturen oder großflächige Schadenslagen häufiger in den Fokus rücken. In Summe zeigt die Einweihung in Melle, wie ein Infrastrukturprogramm in der Realität von der Planung in den Betrieb übersetzt wird: mit konkreten Flächen, klaren funktionalen Zonen, Energie- und Resilienzanforderungen sowie einem Zeit- und Finanzrahmen, der den bundesweiten Austausch beschleunigt.
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