BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine repräsentative Bitkom-Befragung zeigt, dass 48 Prozent der Menschen in Deutschland offen für einen KI-gesteuerten humanoiden Roboter im Haushalt sind. 47 Prozent lehnen Humanoide dagegen ab, und ein großer Teil nennt unheimliches Gefühl sowie Sorge um Kontrolle. Parallel nutzen bereits 52 Prozent Smart-Home-Anwendungen, wobei smarte Lampen und WLAN-Steckdosen besonders beliebt sind. Die Studie verbindet damit den Wunsch nach Entlastung mit klaren Sicherheits- und Regulierungsforderungen.

Umfrage zu humanoiden Haushaltsrobotern: Skepsis bleibt, Smart Home wächst
Umfrage zu humanoiden Haushaltsrobotern: Skepsis bleibt, Smart Home wächst (Foto: IT BOLTWISE)
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Staubsaugen, Einkäufe verräumen und im besten Fall sogar beim Kochen helfen lassen: In Deutschland wächst die Fantasie für Assistenzsysteme im Haushalt spürbar. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom stehen 48 Prozent dem Einsatz eines KI-gesteuerten humanoiden Roboters aufgeschlossen gegenüber. Davon sagen 18 Prozent „auf jeden Fall“, 30 Prozent „eher ja“. Die Kehrseite ist ebenso deutlich: 47 Prozent lehnen Humanoiden-Roboter im eigenen Zuhause ab, was schon vor einem möglichen Markthochlauf auf ein polarisierendes Nutzerbild hindeutet.

Bernhard Rohleder, der Hauptgeschäftsführer von Bitkom, ordnet die Ergebnisse vor der IFA vor allem als Frage der Akzeptanz ein. Das menschenähnliche Aussehen könne faszinieren, gleichzeitig aber verunsichern. Entscheidend sei, ob der Roboter im Alltag einen konkreten Nutzen liefere und Menschen tatsächlich Arbeit abnimmt. Genau an diesem Punkt wird es praktisch: Bei den gewünschten Aufgaben nennen die Befragten besonders klassische Haushalts-„Lasten“ wie Aufräumen (87 Prozent), das Wegräumen von Einkäufen (77 Prozent) oder das Putzen (73 Prozent). Mehr als die Hälfte denkt außerdem über Unterstützung beim Kochen (60 Prozent), bei der Haustierbetreuung (58 Prozent), bei Reparaturen (54 Prozent) und bei der Pflege von Betreuungspflichtigen (55 Prozent) nach.

Trotz dieser Einsatzwünsche bleiben psychologische Barrieren ein Kern der Diskussion. 46 Prozent empfinden einen menschenähnlichen Roboter in den eigenen vier Wänden als unheimlich. Die Studie knüpft das direkt an die Anthropomorphisierung: Je menschenähnlicher ein Roboter ist, desto „gruseliger“ finden viele ihn. Zusätzlich fürchtet mehr als die Hälfte (53 Prozent), durch humanoide Roboter die Kontrolle über das Zuhause zu verlieren. Bemerkenswert ist dabei auch das Kommunikationspotenzial: 57 Prozent könnten sich vorstellen, mit einem Roboter zu sprechen, und 14 Prozent halten es sogar für möglich, dass Maschinen zwischenmenschliche Kontakte ersetzen.

Während Humanoide also mit Emotionen und Vertrauen ringen, zeigt sich beim vernetzten Wohnen eine andere Dynamik: Smart Home etabliert sich weiter. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger nutzt bereits Smart-Home-Anwendungen (52 Prozent) – ein Anstieg gegenüber 46 Prozent im Jahr 2024 und 43 Prozent 2022. Besonders populär sind smarte Lampen und Leuchten (46 Prozent) sowie schaltbare WLAN-Steckdosen (44 Prozent, plus 13 Prozentpunkte gegenüber 2024). Auch andere Kategorien gewinnen: Saugroboter werden inzwischen von 33 Prozent genutzt (plus 7 Prozentpunkte), gefolgt von smarten Heizkörperthermostaten und Energiesystemen (28 Prozent). In der Summe deutet das darauf hin, dass Nutzer bei klar abgegrenzten Funktionen schneller Vertrauen aufbauen als bei „Allround“-Robotern mit starkem Menschbezug.

Genau diese Differenz spiegelt sich auch im Verhältnis zur KI-Technologie wider. Fast ein Drittel (32 Prozent) würde gern in einem komplett KI-gesteuerten Haus wohnen. 63 Prozent sind überzeugt, Energie lasse sich im Haushalt mit KI effizienter nutzen. Gleichzeitig steigen mit der Systemtiefe die Sicherheits- und Kontrollbedenken: 40 Prozent haben Angst, im vernetzten Heim die Kontrolle an KI abzugeben, und 42 Prozent fordern eine stärkere gesetzliche Regulierung für Smart-Home-Anwendungen. Unter den Nichtnutzern sind Sicherheitsaspekte besonders ausschlaggebend: 59 Prozent fürchten Hackerangriffe (plus 5 Prozentpunkte im Vergleich zu 2024), 40 Prozent sorgen sich vor Datenmissbrauch. Für 38 Prozent sind die Anschaffungskosten zudem zu hoch.

Technisch betrachtet wirken die Sorgen in der Praxis aber weniger dramatisch als befürchtet. Laut Studie gab es bei 45 Prozent der Nutzer im vergangenen Jahr keinerlei Ausfälle. Wenn Systeme streikten, lag das in 85 Prozent der Fälle an Problemen mit der Internetverbindung. Ausfälle durch Hackerangriffe wurden hingegen von keinem Befragten festgestellt. Diese Diskrepanz zwischen wahrgenommener Bedrohung und gemeldeten Ereignissen ist für Produkt- und Plattformanbieter wichtig: Sie legt nahe, dass robuste Konnektivität, sichere Update-Prozesse und transparente Nutzerkontrollen mindestens so entscheidend sind wie reine Modellintelligenz. Gleichzeitig wird klar, warum Humanoide-Robotik nicht nur durch Hardware-Performance, sondern auch durch UX, Erklärbarkeit und klare Grenzen für „Kontrolle“ bewertet wird.

Für Unternehmen, die KI-gestützte Heimautomatisierung oder Robotik entwickeln, ergibt sich daraus ein konkreter Praxisauftrag: Entlastung muss schnell sichtbar sein, und sie sollte in der Wahrnehmung der Anwender stärker an messbaren Alltagsvorteilen gekoppelt werden als an einer möglichst „menschlichen“ Interaktionsform. Die Umfrage macht auch deutlich, welche Produktbausteine am ehesten an ein bestehendes Smart-Home-Verständnis andocken: Geräte wie Lampen, Steckdosen und Thermostate bieten bereits heute einen klaren Nutzenpfad. Humanoide Systeme dagegen brauchen zusätzlich eine Vertrauensstrategie, die sowohl Sicherheitsbedenken als auch die emotionale Komponente adressiert. Mit Blick auf die nächsten Entwicklungs- und Marktschritte wird damit vor allem entscheidend sein, wie gut sich KI-Funktionen im Haushalt so operationalisieren lassen, dass Nutzer Autonomie behalten – während die Routine im Hintergrund abnimmt. Die Studie wurde im Sommer 2026 durchgeführt; befragt wurden insgesamt 1.159 Personen ab 16 Jahren in Deutschland.


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