TAMPA / LONDON (IT BOLTWISE) – Constellr hat zwei Satelliten beim dänischen Hersteller Space Inventor bestellt, um seine deutsche Thermalbild-„Konstellation“ bis 2028 auszubauen. Die SkyBee-Satelliten sollen Wärme- und Aktivitätsmuster aus dem niedrigen Erdorbit erfassen, die sich mit optischer Bildgebung oft schwer erkennen lassen. Die Systeme zielen auf höhere thermische Auflösung und sollen mittelfristig in Richtung einer Auflösung unter 5 Metern wachsen. Damit richtet der Anbieter den Fokus stärker auf souveräne Intelligence-, Surveillance- und Reconnaissance-Dienste für Regierungen und Militärs.

Constellr erweitert seine Thermalbild-„Ecosystem“-Vision für den Low-Earth-Orbit: Laut der aktuellen Ankündigung hat das Unternehmen zwei Satelliten beim dänischen Microsat-Spezialisten Space Inventor bestellt. Der Ausbau ist für 2028 terminiert und hängt an dem Programm „High-Precision Versatile Ecosphere (HiVE)“. Im Kern geht es um das Erkennen von Wärme- und Aktivitätsmustern aus der Umlaufbahn, also genau um Signaturen, die optische Aufnahmen bei Nacht oder bei wechselnden Wetterbedingungen häufig nur unvollständig liefern.
Technisch basiert das Vorhaben auf dem Zusammenspiel aus Plattform und Nutzlast. Die angekündigten SkyBee-Satelliten sollen eine thermische Aufnahmekomponente mit einer Auflösung von 30 Metern liefern. Dafür nutzt Space Inventor laut Angaben eine Plattform auf Basis der MP42 von Kongsberg NanoAvionics, die Nutzlasten bis zu 70 Kilogramm aufnehmen kann. Zusätzlich arbeitet der Hersteller eigenen Angaben zufolge an einem dritten SkyBee, der im Februar 2027 starten soll – ein Zwischenziel, das den Übergang zu höheren Auflösungsstufen vorbereiten soll, bevor der große Ausbau 2028 anläuft.
Die „HiVE“-Satelliten sind nicht nur ein weiterer Start in eine bereits bestehende Reihe, sondern Teil eines größeren Zielbilds: Constellr nennt als langfristige Richtung eine Auflösung unter 5 Metern. Gleichzeitig bleibt das Detailniveau zur konkreten Sensor- und Bildverarbeitungskonfiguration vorerst bewusst begrenzt, weil die Firma an einer weitergehenden Erweiterung in Richtung „sovereign“ Intelligence-, Surveillance- und Reconnaissance-Dienste (ISR) für Regierungen und Streitkräfte arbeitet. Für den operativen Betrieb bedeutet das: Je feiner die Auflösung, desto stärker verschiebt sich der Analysefokus von reinem Detektieren hin zu Rückschlüssen auf Bewegungsprofile, Aktivitätszeiten und möglicherweise auch auf Prozessmuster hinter den Wärmesignaturen.
Als konkretes Beispiel für die Nutzbarkeit verweist Constellr auf eine kürzlich verwendete Datensituation zur Überwachung maritimer Aktivität nahe der Rybachiy-Nuklear-U-Boot-Anlage. Dabei blieb nach Unternehmensangaben die Wärme-Signatur von Schiffswake-Vorgängen bis zu 60 Minuten in der Nacht beobachtbar. Entscheidender Punkt: Aus diesen thermischen Spuren lassen sich laut Constellr Informationen ableiten, die Analysten wiederum nutzen können, um Richtung und Geschwindigkeit zu schätzen. Genau solche Auswerteketten sind in der Praxis häufig das „Hidden Payload“-Thema – also die Kombination aus Sensorleistung, Kalibrierung, Bahn-/Geometrieeffekten und späterem Geospatial-Analytics-Workflow.
Auch bei der Plattformstrategie setzt Space Inventor bewusst auf einen anderen Schwerpunkt als viele stärker standardisierte Bus-Ansätze. Während Anbieter wie NanoAvionics modularisierte, stärker wiederverwendbare Busse in den Vordergrund stellen, beschreibt Space Inventor den eigenen Ansatz als system- und payload-getrieben. Damit verschiebt sich der Engineering-Takt: Das Raumfahrzeug wird so angepasst, dass die thermischen Sensoren im Orbit „genau wie vorgesehen“ arbeiten können. Für den Wettbewerb ist das relevant, weil die thermische Bildgebung nicht nur vom Sensor abhängt, sondern auch von thermischem Design, Stabilität, Datenhandling und der sauberen Integration der Nutzlast in die Energie- und Strukturumgebung.
Der Ausbau passiert zudem in einem Markt, in dem mehrere Akteure gleichzeitig an Konstellationen für maritime und sicherheitsrelevante Datendienste arbeiten. Constellr nennt als Beispiel den Wettbewerb durch SatVu aus dem Vereinigten Königreich, der ebenfalls den Ausbau einer Konstellation über thermische Erdbeobachtung vorantreibt und im Februar rund 41 Millionen US-Dollar aufgenommen hat. SatVu stützt sich dabei auf eine bestehende Konstellation, die aktuell über eine Auflösung von 3,5 Metern für HotSat-2 verfügt. Für Constellr ergibt sich daraus ein klares Vergleichsszenario: Wer bei Wärmebildern sowohl zeitnahe Verfügbarkeit als auch genügend Detailgrad liefern will, muss die technologische Lücke zwischen „detektieren“ und „klassifizieren“ möglichst schnell schließen.
Finanziell ist das Vorhaben ebenfalls eingeordnet: Constellr hatte im Februar eine Series A über 37 Millionen Euro angekündigt, um die Expansion der Plattformen und die Weiterentwicklung der Bilddaten-Ketten zu finanzieren. Insgesamt zeigt der Auftrag an Space Inventor, wie sehr sich moderne Satellitenprogramme in Richtung „Konstellation plus Intelligence-Workflow“ entwickeln: Die Hardware bestimmt zwar die maximale Bildqualität, die wirtschaftliche Nutzung entsteht aber erst durch wiederholbare Produktisierung der Daten. Dass Space Inventor zugleich die erste BIG-CAT-600-Plattform „als größtes System“ für den Herstellerkontext nutzt (mit bis zu 400 Kilogramm Nutzlast-Kapazität), signalisiert darüber hinaus, dass Constellr mit der Bestellung bewusst Skalierungsreserven mit einkauft.
Rückblickend passt das auch in die Historie des Herstellers. Space Inventor ist erst knapp über ein Jahrzehnt alt, lieferte aber bereits mehrere Missionen für kommerzielle, wissenschaftliche und sicherheitsbezogene Kunden. Beispiele sind der 6U-Nanosat Sternula-1, der 2023 für die dänische Satelliten-Connectivity-Firma Sternula in den Orbit ging und als dänischer Erstling im kommerziellen Nanosatellitenbetrieb gilt, sowie BIFROST, ein rund 50 Kilogramm schwerer Überwachungs-Satellit, der im Juni 2025 für ein dänisch-schwedisches Verteidigungsprojekt gestartet ist. Der neue Auftrag für SkyBee ist deshalb weniger ein „Sprung nach oben“, sondern ein systematischer Ausbau: mehr Satelliten, höhere Auflösungsziele und eine stärker payload-orientierte Plattformintegration, die die thermische Sensorleistung im Betrieb absichert.
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