MAGDEBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze hat in der MDR-Wahlarena offen gelassen, ob die CDU nach der Landtagswahl mit Unterstützung der Linken regieren würde. Auf die Frage, ob der bisherige Ausschluss einer Zusammenarbeit aufgebe, verwies er auf die Notwendigkeit, zunächst das Wahlergebnis abzuwarten. Gleichzeitig betont die AfD-Spitzenkandidatur Ulrich Siegmund das Ziel der Alleinregierung. Die Umfragewerte von Infratest dimap deuten auf schwierige Mehrheiten hin und verschieben damit den Verhandlungsspielraum für die Regierungsbildung.

Sachsen-Anhalt: Schulze lässt Koalitionsfrage offen – AfD bleibt bei Alleinregierung
Sachsen-Anhalt: Schulze lässt Koalitionsfrage offen – AfD bleibt bei Alleinregierung (Foto: IT BOLTWISE)
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In der politischen Taktik geht es in Sachsen-Anhalt derzeit weniger um die reine Programmatik, sondern vor allem um Timing und strategische Abgrenzung. Sven Schulze, Spitzenkandidat der CDU und Ministerpräsident, wollte sich in der MDR-Wahlarena nicht festlegen, ob die CDU nach der Landtagswahl mit Unterstützung der Linken regieren würde. Als er auf den bisherigen Ausschluss einer Zusammenarbeit angesprochen wurde, wich er der Festlegung aus und setzte stattdessen auf einen zweistufigen Ablauf: Zuerst müssten die Wählerinnen und Wähler entscheiden, danach könne über eine handlungsfähige Regierung gesprochen werden. Dieses Vorgehen ist politisch nicht ungewöhnlich, aber in einer Konstellation mit knappen Mehrheiten besonders wirksam, weil es selbst bei späteren Entscheidungen Handlungsspielraum erhält.

Schulzes Antwort auf die Koalitionsfrage fällt bewusst unkonkret aus, bleibt aber inhaltlich klar gerahmt. Er sagte: „Ich werde mich niemals von irgendjemandem abhängig machen“. Darin steckt die Botschaft, dass mögliche Mehrheitsoptionen nicht automatisch zu einer dauerhaften politischen Verflechtung führen sollen. Zugleich verwies er auf die Logik, erst die Wahl abzuwarten: „Jetzt lassen wir doch bitte erst mal die Menschen hier in diesem Land wählen“. Damit verschiebt er die Debatte von einem hypothetischen Bündnis-Claim hin zu einem Prozessargument. Für die Regierungsbildung bedeutet das: Die CDU signalisiert zwar Distanz zu bestimmten Koalitionsmustern, legt sich aber nicht endgültig auf eine einzelne Mehrheitsform fest, falls sich nach der Wahl veränderte rechnerische Möglichkeiten ergeben.

Der Engpass liegt in den Mehrheitsverhältnissen, die aus einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD abgeleitet werden. Demnach kommt die AfD auf 42 Prozent, während die CDU bei 22 Prozent liegt. Die Linke erreicht 11 Prozent, die SPD 8 Prozent und die Grünen 6 Prozent. In dieser Verteilung wirkt der klassische Koalitionsbaukasten schnell zu klein: Eine CDU-geführte Minderheitsregierung zusammen mit SPD und Grünen könnte zwar auf Unterstüzung der Linken angewiesen sein, aber genau diese Frage ist politisch hoch aufgeladen, weil sie Schulzes bisherige Linie berührt. Die Zahlen machen damit sichtbar, warum der Ton in den vergangenen Tagen so stark um „Ausschluss“ und „Abwarten“ kreist: Schon kleine Verschiebungen in der Sitzverteilung können darüber entscheiden, ob eine Regierung möglich ist oder ob Neuwahlen bzw. langwierige Verhandlungen wahrscheinlicher werden.

Während die CDU die Frage zunächst offen hält, setzt die AfD auf eine klare Zielrichtung ohne Koalitionspartner. Ulrich Siegmund hielt am Kurs fest und formulierte: „Und deswegen sagen wir ganz klar: Alleinregierung hier in Sachsen-Anhalt“. Das ist mehr als eine Schlagzeile, denn „Alleinregierung“ bedeutet in der Praxis, dass sämtliche legislativen Mehrheiten innerhalb eines eher engen Rahmens organisiert werden müssen. Damit steigt auch die Bedeutung von Details: Wie stabil bleiben Ausschussbesetzungen, wie verhandlungsfest sind Mehrheitslinien bei Budget, Bildung, Infrastruktur oder bei sicherheitspolitischen Themen? Parallel dazu widersprechen andere Akteure der AfD-Logik. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern verwies dagegen auf eine demokratische Mehrheit und sagte: „Es gibt eine demokratische Mehrheit und da stehen wir in der Verantwortung.“ Solche Formulierungen zielen darauf, die AfD-Alleinregierung als nicht alternativlos darzustellen.

Auch die anderen Parteien positionierten sich mit Blick auf Regierungsbildung. SPD und Grüne warben für eine Zusammenarbeit „der demokratischen Parteien“, während FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens erklärte, ihre Partei sei „zu Bündnissen der Mitte bereit“. Das Wort „Mitte“ ist dabei meist eine politische Chiffre: Es kann sowohl als Standortbeschreibung dienen als auch als Verhandlungsrahmen, der unterschiedliche Prioritäten unter einem gemeinsamen Nenner bündelt. Ergänzend meldete sich das BSW mit Thomas Schulze zu Wort; er sagte, einen politischen Wechsel werde es „nur mit meiner Partei“ geben. Damit treffen mehrere Strategien aufeinander: Die CDU setzt auf Ergebnisoffenheit nach der Wahl, die AfD auf maximale Selbstständigkeit, die Linke auf die Idee einer Mehrheit jenseits der AfD und die „Mitte“-Parteien auf paketfähige Kompromisse.

Für Unternehmen und Technologieverantwortliche bleibt die Koalitionsfrage nicht nur politisch, sondern auch operativ relevant. In Phasen, in denen die Regierungsbildung als unsicher gilt, verschieben sich oft Entscheidungen über Förderprogramme, digitale Verwaltungsservices, Breitband- und Infrastrukturprojekte oder die Priorisierung von Forschung und Weiterbildung. Gerade in mittleren Fristplanungen sind Budgets, Vergabezeiträume und Umsetzungspläne stark an die Frage gekoppelt, wer politische Verantwortung übernimmt. Wenn, wie in den Umfragewerten angedeutet, Minderheits- oder Abhängigkeitsmuster wahrscheinlicher werden, erhöht sich außerdem der Abstimmungsaufwand zwischen Fraktionen. Das kann sich auf Projektlaufzeiten auswirken: Initiativen, die kurzfristig keine breite Zustimmung finden, geraten eher unter Druck, während Vorhaben mit klarer Wirkung und messbaren Meilensteinen im Vorteil sind.

Aus technologischer Perspektive zeigt sich zudem ein Grundmuster: Koalitionen sind nicht nur Machtfragen, sondern auch Governance-Fragen. Wo es viele Vetopunkte gibt, entstehen oft mehr Runden in der politischen Abstimmung, bevor digitale Programme umgesetzt werden. Das kann zu längeren Vorlaufzeiten bei Ausschreibungen führen, etwa bei Plattformen für Verwaltungsdigitalisierung, bei Daten- und IT-Sicherheitskonzepten oder bei der Modernisierung von Rechenzentren. Gleichzeitig kann eine Regierung, die auf breite parlamentarische Mehrheiten angewiesen ist, stärker auf Nachweispflichten und belastbare Umsetzungsroadmaps achten. Für den Markt heißt das: Wer frühzeitig mit Behörden, Kommunen und Fachressorts die technischen Anforderungen sauber auslotet, reduziert das Risiko, dass sich Projektdefinitionen später ändern müssen, wenn sich die tatsächliche Koalitionsarithmetik nach der Wahl konkretisiert.

Entscheidend ist deshalb die nächste politische Phase: die Wahl selbst und die Frage, welche Kombinationen rechnerisch und politisch tragfähig werden. Schulzes Strategie, sich nicht auf eine Zusammenarbeit festzulegen, wirkt wie eine Absicherung gegen zu frühe Loyalitätsforderungen. Zugleich bleibt die CDU mit dieser Haltung in einer Grauzone, weil die Umfragewerte zwar Minderheitsoptionen plausibel machen, aber keine Einigkeit über Unterstützungsmodelle liefern. Die AfD setzt dagegen mit der Alleinregierung auf eine Variante, die Verhandlungslinien verkürzt, aber den Gesetzgebungsdruck in die Höhe treibt. Am Ende entscheidet nicht nur Mathematik, sondern Verhandlungsbereitschaft und die Fähigkeit, Konfliktlinien so zu managen, dass aus einem Wahlergebnis wieder ein stabiler Regierungsbetrieb wird.


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