FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Berliner Wärmepumpen-Anbieter Thermondo rechnet für 2026 erstmals mit einem profitablen Gesamtjahr. Das operative Ergebnis soll als Ebitda bei 12 Mill. Euro liegen, während der Umsatz auf 275 Mill. Euro steigen soll. Auslöser ist eine deutlich höhere Nachfrage, die der CEO unter anderem mit reformierten Förderregeln in Verbindung bringt. Parallel bleibt das Thema Investitionssicherheit entscheidend, weil Wärmepumpen für viele Haushalte weiterhin eine große Anschaffungsposition darstellen.

Thermondo meldet operativen Fortschritt, der in der Heizungsbranche selten so konkret in Zahlen auftaucht: Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Berliner Startup-Scaleup ein Ebitda von 12 Mill. Euro an. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zielmarke, sondern der Weg dorthin: Das Unternehmen berichtet, dass es dank einer deutlich höheren Nachfrage nach seinen nicht-fossilen Heizlösungen erstmals ein positives operatives Ergebnis erzielt hat. Damit verschiebt sich der Fokus vom reinen Wachstum hin zu einer besseren Profitabilitätsperspektive, die besonders für Service- und Installationsmodelle bei kapitalintensiven Technologien wie Wärmepumpen wichtig ist.
Operativ baut Thermondo dabei auf einem Geschäftsmodell, das mehr ist als der Verkauf einer Hardware. Das Unternehmen übernimmt laut eigenen Angaben für Eigenheimbesitzer die Installation und Wartung von Wärmepumpen, ergänzt um Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher, Wallboxen und in einzelnen Regionen auch Klimaanlagen. Im Markt wirkt das wie ein Kombinationsangebot entlang der Energiewende im Haushalt: Wer bereits Investitionen plant, möchte Planung, Montage und spätere Betreuung häufig aus einer Hand. Gleichzeitig ist genau diese Kopplung für die Wirtschaftlichkeit relevant, weil sie die Durchlaufzeiten von Beratung über Terminierung bis zur Ausführung strukturieren kann, statt dass einzelne Gewerke isoliert beauftragt werden.
Für die aktuelle Nachfrage nennt Thermondo als zentralen Treiber die reformierten Rahmenbedingungen der staatlichen Heizungsförderung. Der CEO Felix Plog ordnet das Geschehen als „Run“ auf Wärmepumpen ein, der derzeit stärker ausfällt als in den Jahren zuvor. Konkreter wird er mit Blick auf die Terminlage: Im August habe Thermondo ungefähr 50% mehr Anfragen für Termine erhalten als im August zuvor. Als Begründung verweist das Unternehmen auf das seit Ende Juli geltende Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das unter anderem Kritik am Vorgängergesetz GEG adressiert habe, indem die verpflichtende Nutzung von mindestens 65% Erneuerbaren Energien beim Heizungstausch gestrichen wurde. Die Heizungs- und Gebäudeförderung (BEG) läuft demnach zwar unter angepassten Bedingungen weiter und sieht auch künftig Förderungen für elektrisch angetriebene Wärmepumpen vor.
Technisch und kaufmännisch steckt in diesen Förderdetails ein messbarer Hebel: Die Grundförderung bleibt bei 30% der förderfähigen Gesamtkosten. Plog argumentiert daraus einen klaren Rahmen und damit Investitionssicherheit für die nächsten Jahre. Genau diese Planbarkeit ist bei Wärmepumpen ein Wettbewerbsfaktor, weil die Anschaffung inklusive Installation laut dem hessischen Hersteller Buderus (bei Thermondo überwiegend verbaut) derzeit typischerweise bei 20.000 bis 40.000 Euro liegt. Solche Beträge lassen sich kaum mit kurzfristigen Marktschwankungen oder unklaren Förderbedingungen „wegargumentieren“; stattdessen entscheiden Haushalte häufig darüber, ob sich Investitionen zeitlich verschieben lassen oder ob sich die Entscheidung jetzt wirtschaftlich absichern lässt.
Thermondos Wachstumstreiber bleibt entsprechend das Wärmepumpengeschäft. Das Unternehmen nennt für die Berliner bislang mehr als 17.000 installierte Geräte und kalkuliert bis Ende des Jahres mit 20.000 Stück. Das ist mehr als eine Absatzmeldung, denn für Unternehmen mit Installationsfokus hängt das Ebitda stark davon ab, wie gut sich Kapazitäten in Montage, Service und Lieferkette auf die Nachfrage abstimmen lassen. Wenn die Nachfrage gleichzeitig mit einer verbesserten Förderlogik anzieht, entsteht häufig ein „Fenster“, in dem Kunden schneller als zuvor zu Entscheidungen kommen und Projekte früh in die Ausführungsplanung rutschen. Damit steigt die Chance, dass Fixkosten wie Personal und Prozesse die hohen Stückzahlen besser abdecken.
Ein Blick über Deutschland hinaus zeigt außerdem, dass die Technologie in Teilen Europas bereits deutlich reifer implementiert ist. Der europäische Branchenverband EHPA nennt für Norwegen, Finnland und Schweden, dass mehr als die Hälfte aller Haushalte dort eine Wärmepumpe besitzt. Deutschland lag Ende 2025 laut Verband bei nur rund 6%, verzeichnet aber zugleich das EU-weit stärkste Wachstum beim Verkauf der Geräte. Diese Kombination ist wichtig: Sie bedeutet, dass der Markt noch relativ „unterdurchdrungen“ wirkt, während die Nachfrage bereits stark anspringt. Gleichzeitig macht es den Wettbewerb härter, denn wenn die installierte Basis wächst, steigt auch die Zahl der Anbieter, die Kapazitäten und Servicequalität in kurzer Zeit skalieren müssen.
Auch Wettbewerber zeigen, dass sich der Markt dynamisch bewegt. Thermondo nennt den Konkurrenten 1 Komma5°: Dessen Wärmepumpen-Absatz habe sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Von Anfang 2024 bis Ende 2025 habe der Hamburger Anbieter deutschlandweit mehr als 10.000 Wärmepumpen verkauft. Für die Bewertung von Thermondos Aussagen ist das relevant, weil es die Plausibilität einer „Run“-These stützt: Wenn mehrere Marktteilnehmer in ähnlicher Größenordnung von stark steigenden Absätzen berichten, ist es weniger wahrscheinlich, dass es sich um isolierte Effekte handelt. Gleichzeitig erhöht ein dichter Wettbewerb die Anforderungen an Margen, etwa durch bessere Prozesskosten im Vertrieb oder durch effizientere Projektabwicklung.
Aus Unternehmenssicht ist der Schritt zum operativen Break-Even damit nicht nur ein Marketingziel, sondern ein Signal für die Skalierungsfähigkeit eines End-to-End-Modells im Heizungskontext. Die Zielkorridore—Ebitda 12 Mill. Euro bei einem geplanten Umsatz von 275 Mill. Euro – deuten darauf hin, dass Thermondo Wachstumsraten mit einer besseren Kostenstruktur verbinden will. Für Entscheider in Installations- und Energiedienstleistungen ergibt sich daraus ein klares Muster: Sobald der rechtliche und finanzielle Rahmen stabiler wird, lassen sich Beratung und Ausführung schneller in wiederkehrende, kalkulierbare Prozesse überführen. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie nachhaltig sich Nachfrage in messbare Auslastung übersetzen lässt – und ob sich der Markt auch nach der initialen Förderdynamik auf einem höheren Niveau stabilisiert.
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