LONDON (IT BOLTWISE) – John Morgan stellt Morgan & Morgan als Beispiel für Skalierung ohne staatliche Förderung dar. Die Kanzlei habe sich über Volumen, Technologie und aggressive Werbung über den gesamten US-Markt ausgerollt. Morgan nennt eine Praxisbewertung von über 10 Mrd. Dollar und kritisiert dabei vor allem regulatorische Hürden. Gleichzeitig warnt er davor, dass zu viel Regulierung die Kosten für Mandanten indirekt erhöht.

John Morgan, Gründer der US-Kanzlei Morgan & Morgan, argumentiert in der Außendarstellung deutlich gegen die Vorstellung, juristische Leistungserbringung brauche primär staatliche Förderung oder „Sonderwege“. Er verweist darauf, dass sein Aufbau ohne öffentliche Unterstützungsprogramme erfolgt sei und dass die Kanzlei heute in allen 50 Bundesstaaten operiert. Genau diese Reichweite führt er als Beleg dafür an, dass auch in einem Umfeld mit regional sehr unterschiedlichen Regeln Dienstleistungen skalieren können, solange Anbieter nicht auf „Genehmigungen durch Regierungshandeln“ warten, sondern konsequent auf Wachstumsmethoden setzen.
Technisch betrachtet meint Morgan dabei weniger einen einzelnen „Tech-Stack“ als ein Bündel aus operativer Standardisierung und Vermarktungslogik. Laut seiner Darstellung verlagerte er den Fokus weg von reiner Netzwerkarbeit und hin zu Volumen, Technologie und Werbung, um Fälle schneller zu identifizieren, zu bewerten und in eine verwertbare Bearbeitung zu bringen. Dass Morgan & Morgan in allen 50 Bundesstaaten tätig ist, wirkt dabei wie ein Hinweis auf ein übergreifend nutzbares Prozessdesign: Welche Standard-Workflows ein Unternehmen etabliert, bestimmt schließlich, ob es regional variierende Rahmenbedingungen überhaupt konsistent bedienen kann.
Im Kern geht es Morgan aber um Kosten und Anreizsysteme. Die Private-Equity-Branche sei zwar auf die Kanzlei aufmerksam geworden, Morgan habe jedoch betont, dass „fremdes Kapital“ ohne Bedingungen kommen müsse, die die Entscheidungsfindung verlangsamen. Aus seiner Sicht entstehen Reibungsverluste vor allem durch bürokratische Vorgaben, etwa in Bezug auf Rechtsanwaltswerbung, durch Vorgaben zu Honorarvereinbarungen im Erfolgsmodell oder durch landesübergreifende Lizenzanforderungen. Seine Schlussfolgerung ist pointiert: Statt Kunden wirklich zu schützen, erhöhen derartige Regeln in der Praxis vor allem die Kostenstruktur – und damit letztlich jene Ausgaben, die Mandanten über die Vergütungsmodelle indirekt mittragen.
Diese Argumentation bindet Morgan auch an sein Buch „Life Is Luck“ und stellt sie gegen das vorherrschende Narrativ, dass jede Branche mehr Aufsicht brauche. Er beschreibt dort laut seiner eigenen Botschaft den „relentlosen Hustle“ als realen Treiber von Wachstum – eine Perspektive, die in der öffentlichen Debatte oft als Gegenpol zu regulatorischer Zurückhaltung oder zu „staatlicher Erwartungssteuerung“ gelesen wird. Für Gründer zeichnet er daraus ein Leitbild: Ambitionierte Gründer könnten bei einer eher zurückhaltenden Rolle des Staates sehr große Werte schaffen, wenn sie sich auf Durchsetzung von Verträgen und die Bekämpfung von Betrug konzentrieren.
Bemerkenswert ist zudem, dass Morgan Zahlen als Kommunikationsinstrument nutzt, um die typische Schwarz-Weiß-Erzählung mancher Medien über große Plaintiff-Kanzleien zu durchbrechen. Während die Berichterstattung viele große Kanzleien tendenziell entweder als „Helden“ oder „Schurken“ rahmt, stellt Morgan die Bewertung seiner Praxis in den Mittelpunkt: Er verweist auf eine Größenordnung von über 10 Mrd. Dollar für die Praxis und hebt hervor, dass der Aufbau ohne Subventionen oder spezifische Ausnahmen erfolgt sei. Für die Marktdebatte ist das mehr als Statussymbolik: Wenn eine Kanzlei so berichtet, geht es ihr auch darum, Investoren und Nachwuchsjuristen die Relevanz skalierbarer Geschäftsmodelle verständlich zu machen.
Für den Technologie- und Wirtschaftsalltag lässt sich aus Morgans Argumentation ein konkreter Impuls ableiten: Wachstumshemmnisse entstehen nicht nur durch einzelne Gesetze, sondern durch die Summe aus Detailregeln, Lizenzlogik und der organisatorischen Umsetzungspflicht. Wer Mandanten bundesweit betreut, muss Prozesse so gestalten, dass sie ohne dauernde Sonderausnahmen laufen können. Genau an diesem Punkt wird Morgans Warnung vor „regulatorischem Überschuss“ greifbar, weil zusätzlicher Aufwand häufig zuerst in Compliance- und Abstimmungsprozessen landet, bevor er am Ende in der Kostenrechnung auftaucht.
Gleichzeitig ist die Aussagekraft solcher Selbstbeschreibungen für Außenstehende begrenzt: Morgan & Morgan ist ein konkretes Beispiel, aber die regulatorischen Unterschiede zwischen Jurisdiktionen und die jeweiligen Geschäftsmodelle lassen sich nicht eins-zu-eins übertragen. Dennoch passt die Grundidee in eine breitere Bewegung, in der Unternehmen rechtliche Dienstleistungen zunehmend als daten- und prozessintensive Betriebsmodelle verstehen. Wenn Technologie, Standardisierung und Marketing eng verzahnt werden, wird „Skalierung“ zu einer Frage von operativer Architektur – und nicht nur von Marktmacht oder politischen Rahmenbedingungen.
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