LONDON (IT BOLTWISE) – Charles Schwab weitet seinen direkten Krypto-Handel aus und will in den kommenden Monaten Solana, Avalanche und Chainlink ergänzen. Damit geht der Broker über Bitcoin und Ethereum hinaus und ermöglicht berechtigten Kunden den Kauf und Verkauf direkt über die eigenen Kanäle. Jede Transaktion kostet 0,75 % als Gebühr, Schwab nennt das im Branchenvergleich einen niedrigen Satz. Parallel prüft das Unternehmen weitere digitale-Asset-Angebote wie etwa Stablecoins, ohne schon ein konkretes Produkt anzukündigen.

Charles Schwab baut sein Angebot für direkten Krypto-Handel weiter aus: Nachdem der Broker bereits im Mai mit Bitcoin und Ethereum für ausgewählte Retail-Kunden gestartet ist, sollen in den kommenden Monaten zusätzlich Solana, Avalanche und Chainlink hinzukommen. Schwab nennt keinen konkreten Starttermin, positioniert die Erweiterung aber klar als nächsten Schritt in Richtung einer digitalen-Asset-Allokation, die Kunden zusammen mit ihren bekannten Investment- und Banking-Routinen aufbauen können.
Der technische Kern der Neuerung ist weniger die Blockchain-Auswahl als vielmehr die Handelsoberfläche, über die Schwab die Assets verfügbar macht. Kunden sollen die Kryptowährungen auf der Website, in der mobilen App und über die Handelsplattform thinkorswim kaufen und verkaufen können. Bisher blieb dieser direkte Zugriff auf Krypto in der Breite begrenzt: Wer vor dem Rollout investieren wollte, konnte vor allem über börsengehandelte Produkte (ETPs) oder über Aktien von Unternehmen wie Coinbase und Strategy eine Krypto-Exponierung herstellen, aber nicht die Coins selbst direkt handeln.
Auch bei den Kosten setzt Schwab ein klares Signal: Für jeden Trade fällt eine Gebühr von 75 Basis-Punkten an, also 0,75 %; Schwab übersetzt das auf 7,50 US-Dollar bei einer Transaktion über 1.000 US-Dollar. In der Praxis betrifft das vor allem Kunden, die häufiger umschichten oder kleinere Positionsgrößen halten, weil die Gebührenstruktur direkt mit der realisierten Rendite pro Trade verknüpft ist. Schwab beschreibt den Satz als „unter den niedrigsten“ der Branche, was insbesondere in einem Umfeld relevant ist, in dem viele Krypto-Angebote zusätzliche Spreads, Transferkosten oder paketierte Gebührenmodelle mitbringen.
Was die jeweiligen Netzwerke betreffen, ordnet Schwab die neuen Assets mit einer kurzen Funktionsbeschreibung ein. Solana zielt auf schnelle und günstige Transaktionen und ist zugleich ein Ökosystem für Anwendungen, unter anderem im Bereich Handel, Zahlungen und Gaming. Avalanche richtet den Fokus stärker auf die Möglichkeit, Blockchains gezielt für bestimmte Anwendungen zu gestalten, also auf eine Art „maßgeschneidertes“ Setup für Entwickler. Chainlink ergänzt diese Logik mit einer Daten-Schicht: Der Dienst verknüpft Smart Contracts mit externen Informationen wie etwa Kursdaten von Assets, damit On-Chain-Logik auf verlässliche Off-Chain-Werte zugreifen kann.
Einordnung in den Markt: Schwab positioniert sich damit in einer Phase, in der sich das Angebotsspektrum klassischer Finanzdienstleister in Richtung direkter Krypto-Ausführung verschiebt. Berichten zufolge wollte das Unternehmen 2024 zunächst abwarten, bis die US-Regulierung einen klareren Pfad bietet. Im selben Zusammenhang kündigte Schwab einen gestuften Start an: Zuerst Bitcoin und Ethereum (für April 2026) und danach ein Rollout im Mai für die berechtigten Kundengruppen. Die jetzt genannte Erweiterung auf Solana, Avalanche und Chainlink fügt dem Zeitbild eine weitere Stufe hinzu und macht deutlich, dass das Produkt nicht nur als „Zwei-Asset-Start“ gedacht war.
Für Unternehmen und Plattform-Teams bedeutet der Schritt auch organisatorisch mehr als nur „neue Coins freischalten“. Der Broker muss Handelskonnektoren, Verwahrungsvorgaben, Preis-/Liquiditätslogik und das Risikomanagement so auslegen, dass unterschiedliche Netzwerkprofile nicht zu überraschenden Unterschieden in Ausführung, Abwicklung oder Kundenerlebnis führen. Gerade bei Assets wie Solana und Avalanche, die auf Performanz und App-spezifische Kettenwelten setzen, steigt die Bedeutung sauberer Monitoring- und Abwicklungsprozesse; bei Chainlink kommt zusätzlich die Frage hinzu, wie zuverlässig externe Datenquellen in das Produktkonzept integriert werden.
Parallel erweitert Schwab offenbar auch die Produktidee hinter dem Handel: CEO Rick Wurster hatte 2025 laut Unternehmensangaben in Erwägung gezogen, einen dollar-gebundenen Stablecoin anzubieten. Eine konkrete Ankündigung liegt aktuell jedoch nicht vor. Für die weitere Roadmap ist das relevant, weil Stablecoins typischerweise als Brücke zwischen „Krypto-Handelswelt“ und fiatnaher Nutzung dienen und damit neue Interaktionsmuster ermöglichen können – etwa für Ein- und Auszahlungen, Umschichtungen oder längerfristige Positionierung. Bis dahin bleibt der Fokus auf dem direkten Handel mit den ausgewählten Kryptowährungen, ergänzt durch Schwabs Anspruch, Kunden über Bildung, Tools, Ressourcen und Support beim Einordnen von KI-gestützten Entscheidungsprozessen in ihre Anlageziele zu begleiten.
In der Summe zeigt die Erweiterung, dass Schwab die Einstiegshürden für Krypto-Anleger senkt, ohne den Produktcharakter als „Broker-Erlebnis“ aufzugeben. Der nächste Prüfstein für Kunden und Technikverantwortliche ist die Umsetzung im operativen Rollout: Kommen die neuen Assets termingerecht, und bleibt das Transaktionsmodell mit 0,75 % pro Trade auch bei steigender Anzahl handelbarer Produkte stabil? Für den Markt erhöht das jedenfalls den Druck auf andere Anbieter, direkte, kostenklare und zugleich technisch robuste Krypto-Zugänge in ihre bestehenden Plattformen zu integrieren.
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