DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Auf der Caravan Salon in Düsseldorf rückt Autarkie für Wohnmobile und Wohnwagen deutlich in den Fokus. Immer mehr Reisende wollen länger stehen können, ohne ständig Batterie laden oder Wasser nachzufüllen. Branchenvertreter verweisen auf deutlich größere Batterien, Wasserspeicher und Photovoltaik sowie auf smartere Energiesteuerung per Display und App. Gleichzeitig steigt der Preis, weil zusätzliche Kapazitäten Platz und Budget kosten.

Die Caravan- und Reisemobil-Szene dreht sich auf Messen längst nicht mehr nur um Stellplätze, sondern um die Frage, wie unabhängig ein Fahrzeug vom Strom- und Wassernetz sein kann. Beim Caravan Salon in Düsseldorf wird genau dieser Trend sichtbar: Immer mehr Camper suchen nach Situationen, in denen sie nicht „Parzelle an Parzelle“ auf dem Campingplatz stehen, sondern auch auf dem Bauernhof, beim Winzer oder am Waldrand für ein paar Tage bleiben können. Daniel Onggowinarso vom Caravaning Industrie Verband (CIVD) beschreibt dafür eine stark wachsende Klientel – und warnt zugleich: Wenn die Bordbatterie zu klein dimensioniert ist und kein Stromanschluss verfügbar ist, kann das Vorhaben „schnell ungemütlich“ werden.
Technisch betrachtet meint Autarkie weniger einen einzelnen Baustein als das Zusammenspiel mehrerer Energieströme. In der Praxis geht es um größere Batterien, zusätzliche Speichervolumina für Wasser und zunehmend auch um Photovoltaik-Anlagen, die unterwegs Energie nachliefern. Diese Ausstattung war im Offroad-Bereich schon länger verbreitet, weil dort ein Anschluss an Campinginfrastruktur grundsätzlich seltener ist; nun wandert sie verstärkt in Fahrzeuge für den Massenmarkt. Das ist nicht kostenlos: Autarkie-Funktionen verteuern Reisemobile und Wohnwagen in der Regel spürbar, weil Hardware, Steuerung und teils auch Optimierungen an Verbrauchern zusätzlich kosten.
Ein konkretes Beispiel für diese Entwicklung liefert Hymer mit dem Modell B-ML. Laut Angaben des Unternehmens kostet es mindestens rund 178.000 Euro und setzt auf eine groß dimensionierte Gastanklösung, die lange reicht – zum Kochen, fürs Erwärmen von Wasser oder für die Heizung. Im Vergleich zu anderen Fahrzeugen nennt Hymer dabei eine etwa doppelt so hohe Gas-Kapazität. Auch beim Batteriesystem der Solaranlage habe Hymer nachgerüstet. Flankiert wird das System zudem durch ein technisch optimiertes Toilettensystem: Bei früher regelmäßigem Austausch des Toilettenwassers alle zwei Tage soll es nun für sechs bis sieben Tage reichen, wenn eine vierköpfige Familie durchschnittlich verbraucht; der Frischwasser-Tank fasst 200 Liter und damit 20 Liter mehr als zuvor.
Damit die zusätzlichen Reserven nicht zum reinen „Gewichts- und Stauraumgewinn“ werden, entsteht eine echte Gratwanderung. Einerseits sollen mehr Strom, Wasser und Gas zur Verfügung stehen, andererseits darf die Erweiterung nicht zu viel Stauraum fressen, in dem weiterhin Dinge lagern müssen, die im Alltag gebraucht werden – etwa Getränke für den Ausflug ins Grüne. Genau hier zeigt sich, warum moderne Autarkie nicht nur aus mehr Kapazität besteht, sondern auch aus Verbrauchstransparenz. Hilfreich sind daher Anzeigen im Reisemobil sowie eine App, über die sich der Stand der Dinge beim Verbrauch nachvollziehen lässt und sich zugleich erkennen lässt, wo noch Reserven vorhanden sind – beispielsweise, wenn die Klimaanlage aus Versehen länger läuft als geplant.
Auch Hobby setzt bei dem Autarkie-Ansatz auf digitale Steuerung und verknüpft die Sensorik direkt mit dem Nutzererlebnis. Beim HobbyConnect-System können Nutzer laut Hersteller Batterie- und Tankfüllstände am Bedienpanel im Fahrzeug und zusätzlich am Smartphone überwachen und bestimmte Funktionen steuern. Beim Kauf lässt sich zudem ein „Autarkpaket“ auswählen, wodurch Kapazitäten erweitert werden. Marketingchef Frank Mauke macht dabei deutlich, dass es nicht nur um größere Tanks oder Batterien geht, sondern um das Zusammenspiel aus Technik, Steuerung und passender Auslegung: „Entscheidend ist das Zusammenspiel aus effizienter Fahrzeugtechnik, intelligentem Energiemanagement und einer bedarfsgerechten Ausstattung.“
In der Marktlogik wirkt diese Entwicklung wie ein Rollenwechsel in der Zielgruppe. Zwar werden Familien mit Kindern weiterhin unterwegs sein, doch Onggowinarso hebt hervor, dass es bei der Autarkie weniger um Familien geht, die ohnehin lieber auf Campingplätzen bleiben, sondern eher um Paare oder Freunde, die Kurztrips planen und sich am Abend spontan entscheiden können, etwa zum Winzer zu fahren und „sorglos stehen“ zu wollen. Carthago knüpft das an Kaufmotive: Freiheits- und Unabhängigkeitsversprechen sowie die Möglichkeit spontaner zu reisen gelten als zentrale Treiber. Alexander Wehrmann, Marketingchef des Herstellers, formuliert das als „Freiheit, Unabhängigkeit und die Möglichkeit, spontan(er) zu reisen“ als zentrale Motive für den Kauf.
Gleichzeitig bleibt die Branche preislich im Spannungsfeld zwischen hoher Nachfrage nach Corona und zuletzt zurückgehenden Verkaufszahlen, allerdings auf hohem Niveau. Der Branchenverband CIVD spricht angesichts hoher Lagerbestände von einem Käufermarkt, sodass „Schnäppchen“ möglich sein sollen – billig wird es laut Messe-Eindruck trotzdem nicht. Viele Wohnwagen seien nur für fünfstellige Euro-Beträge zu haben, Reisemobile könnten im sechsstelligen Bereich landen, und einige Luxus-Modelle überschreiten sogar die Millionengrenze. Für Technikverantwortliche in Unternehmen, die im Umfeld von Caravaning-Zulieferung, Energiekomponenten oder Sensorik tätig sind, bedeutet das: Der Bedarf an effizientem Energiemanagement, verlässlicher Verbrauchserfassung und passgenauer Dimensionierung steigt, weil sich Autarkie nicht allein als Komfortmerkmal, sondern als kaufentscheidendes Gesamtsystem durchsetzt.
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