LONDON (IT BOLTWISE) – In einem groß angelegten Bilder-Test konnten nur 216 von 17.829 Teilnehmenden alle sechs Fotos korrekt als echt oder KI-generiert einordnen. Weder Alter noch Bildungsgrad oder KI-Skepsis verbesserten die Trefferquote nennenswert. Das Faktencheck-Team setzt deshalb auf Kombinationen aus Plausibilitätsprüfung, Rückwärts-Bildersuche und Abgleich mit öffentlichen Quellen. Gleichzeitig rückt die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte ab August 2026 als entscheidender Hebel in den Fokus.

Ein Elvis-artiger Mann im Strandkorb klingt nach Unterhaltung, ist aber im Kern eine praktische Frage: Wie zuverlässig lassen sich Fotos noch als echt oder KI-generiert erkennen? Genau diese Grenze hat ein Bilder-Test einer regionalen Community ausgelotet, der im Umfeld einer Umfrage zum Thema Künstliche Intelligenz auch Laien aktiv beteiligt hat. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus, weil es weniger an der abstrakten „KI-Gefahr“ hängt als an der konkreten Wahrnehmung im Alltag: Sobald Inhalte scrollend konsumiert werden, sinkt die Chance, Manipulationen überhaupt als solche zu registrieren.
Bei dem Quiz mit Auflösung haben 17.829 Menschen mitgemacht. Nur 216 Teilnehmende – also 1,2 Prozent – erkannten alle sechs Bilder korrekt als echt oder KI-generiert. Fast ein Drittel (29,9 Prozent) lag zwar jeweils dreimal richtig, aber auch dreimal falsch. Interessant ist zudem, dass Selbstwahrnehmungen („Ich bin ein guter Fake-Erkenner“) im Test nicht sauber mit der Leistung zusammenliefen: Wer sich sicher fühlte, schaffte im Schnitt nicht deutlich bessere Treffer als der Gesamtdurchschnitt. Auch Faktoren wie Alter, Bildungsgrad, KI-Skepsis oder eine häufige KI-Nutzung zeigten keinen nennenswerten Effekt auf die Erkennungsleistung.
Damit verschiebt sich der Schwerpunkt weg von „Bauchgefühl vs. Technik“ hin zu einer Arbeitsweise, die mehrere Hinweise kombiniert. Katharina Bews, die im Faktencheck-Team arbeitet und in der Sendereihe „Rabbit Hole“ Desinformationskampagnen aufdeckt und Falschinformationen widerlegt, beschreibt als Grundlage zunächst das Innehalten: Man soll kurz prüfen, ob das Gesehene oder Gehörte überhaupt plausibel ist – besonders bei brisanten politischen Aussagen oder übermäßig spektakulären Vorfällen. Ein schneller Stolperstein ist dabei das Scrollen ohne Nachzudenken; genau dieser Ablauf begünstigt Fehlentscheidungen. Ergänzend empfiehlt Bews, bei ersten Zweifeln die Kommentare zu prüfen: Zwar ist das noch kein Faktencheck, aber es signalisiert, dass andere bereits Unstimmigkeiten sehen.
Technisch-pragmatisch wird es dann bei den visuellen Details. Bews nennt als Indiz, wenn Bilder „zu poliert“ wirken: Licht, Sättigung und Hautstruktur erscheinen dann auffällig glatt oder unnatürlich. Außerdem lohnt sich das systematische Schauen auf einzelne Körper- und Gegenstandsdetails – etwa eine seltsame Hand oder ein fehlerhaftes Muster auf einer Krawatte. Entscheidend sei außerdem der Blick über den Vordergrund hinaus, weil sich Fehler häufig im Hintergrund finden lassen: Dort, wo man normalerweise nicht gezielt hinschaut, tauchen Inkonsistenzen eher auf. Bei tiefergehenden Recherchen kommt schließlich der Abgleich mit öffentlichen Quellen dazu, etwa über Satellitenbilder und Street Maps: Sie zeigen, ob die Umgebung tatsächlich zu dem passt, was das Foto behauptet (steht wirklich ein Baum dort, wo das Bild ihn zeigt?).
Auch spezielle Werkzeuge sind Teil des Methodenkoffers, aber nicht als alleiniger Beweis gedacht. KI-Detektoren können Hinweise liefern, sind laut Bews jedoch unzuverlässig und je nach Qualität unterschiedlich gut. In der Praxis sollte man das Ergebnis daher als weiteres Indiz behandeln, nicht als endgültiges Urteil. Ebenso wird die Rückwärts-Bildersuche als effektiver Schritt beschrieben: Wenn ein ähnliches Originalfoto bei seriösen Quellen auftaucht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Bild nicht frei erfunden ist. Besonders tückisch sind recycelte Inhalte, also echte Fotos oder Videos, in denen nur Details verändert wurden – etwa eine Flagge im Hintergrund. Dann sieht das Material auf den ersten Blick plausibel aus, obwohl die Aussage manipuliert wurde.
Ein weiterer Punkt betrifft die Informationslage im öffentlichen Raum. Bews empfiehlt, nach weiteren Perspektiven zu suchen: Wenn ein spektakuläres Ereignis tatsächlich passiert ist, existieren meist mehrere Videos, Bilder und Berichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Kursiert dazu jedoch nur ein einziges Video, ist das verdächtig. In derselben Logik steht auch die gesellschaftliche Ebene: Im Test hat ein KI-generiertes Bild den Angaben zufolge 76 Prozent der Teilnehmenden dazu gebracht, es für den echten Merz zu halten. Gleichzeitig betont Bews, dass sich KI-Anwendungen rasant weiterentwickeln und Unterschiede langfristig immer schwerer erkennbar werden. Deshalb hält sie eine Kennzeichnungspflicht für wichtig.
Die EU plant diese Kennzeichnungspflicht ab August 2026: KI-Inhalte sollen dann für Menschen sichtbar und auch maschinenlesbar gekennzeichnet werden. Genau das deckt sich mit der Stimmung in der Community: 97 Prozent der Befragten befürworten die Kennzeichnungspflicht. In den begleitenden Stimmen wird außerdem deutlich, wie real der Effekt im Alltag ist: Nadine (51) aus dem Kreis Pinneberg berichtet, dass sie zunächst begeistert über eine angebliche Sängerin („Rebecca Montt“) gewesen sei, bis sie nach weiteren Informationen feststellen konnte, dass der Inhalt KI-generiert war. Claudia (56) aus Hamburg sieht zugleich einen Kompetenzbedarf und fordert, den sicheren Umgang mit KI zu lernen – bereits in der Schule und später auch für interessierte Senioren.
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