LONDON (IT BOLTWISE) – Analysten von KB Securities stufen Samsung und SK hynix trotz KI-Fokus als deutlich unterbewertet ein. Für Q3 2026 werden bei beiden Unternehmen kräftige Gewinnsprünge erwartet, gestützt durch steigende Speicherpreise und langfristige Lieferverträge mit Hyperscalern. Zusätzlich rücken geplante Ausschüttungsprogramme als möglicher Kurstreiber in den Fokus, mit einem Vergleich zur Aktie von TSMC. Im Hintergrund liefert der US-Börsengang von SK hynix mit ADRs ebenfalls positive Aufmerksamkeit bei internationalen Investoren.

Dass der Speicherchip-Markt zurzeit stark über die Erwartungskurve angetrieben wird, zeigt sich an der aktuellen Bewertung von Samsung und SK hynix. Laut KB Securities-Analyst Jeff Kim gelten beide Aktien trotz ihrer Stellung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) als deutlich unterbewertet. Ein zentraler Hebel ist die Diskrepanz zwischen dem, was der Markt in die künftigen Gewinne einpreist, und dem, was bei den Jahres- und Quartalszahlen für 2026 bis 2027 erwartet wird. Dabei ist die Ausgangslage ungewöhnlich: Beide Werte hatten zuletzt mehr als 40 Prozent gegenüber ihren bisherigen Höchstständen verloren, nachdem zuvor kreditfinanzierte Positionen im großen Stil abgebaut wurden. Für Anleger wirkt das wie ein Bewertungsreset, der die Tür für eine Neusortierung öffnet.
Konkreter wird Kim mit Kennzahlen, die die Diskussion von „Unterbewertung“ von einer reinen Story zur Rechenfrage machen. Gemessen am Schlusskurs vom 12. August werde Samsung demnach mit dem 3,7-Fachen und SK hynix mit dem 3,2-Fachen des für 2027 geschätzten Gewinns je Aktie gehandelt. Für das kommende Jahr rechnen Analysten beim operativen Gewinn mit 575 Billionen Won bei Samsung und 389 Billionen Won bei SK hynix. Das entspricht laut Quelle dem 13,2-Fachen beziehungsweise 8,2-Fachen des jeweiligen Niveaus von 2025. Aus Kims Sicht deutet insbesondere diese Lücke zwischen erwartetem Gewinnwachstum und aktueller Bewertung darauf hin, dass die Ergebnisverbesserungen, die für 2027 erwartet werden, bislang kaum eingepreist sind.
Technisch und operativ hängt diese Erwartung eng am Preismechanismus und an der Kapazitätsplanung der Branche. Der Artikel nennt als Unterstützung, dass beide Unternehmen mehr als 60 Prozent ihrer Produktion über mehrjährige Lieferverträge an Hyperscaler gebunden haben. Gleichzeitig steigen die Speicherpreise, wodurch sich die Vertragslogik in höhere Erlöse übersetzen kann, statt dass das Unternehmen den Marktpreis kurzfristig allein „am Spot“ erklären muss. Auf der Ergebnisebene werden kurzfristig nochmals deutliche Effekte erwartet: Für Samsung wird im dritten Quartal ein operativer Gewinn von 112 Billionen Won prognostiziert. Das entspräche einem Plus von 817 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei einer operativen Marge von 55 Prozent. Bei SK hynix steht im gleichen Zeitraum ein operativer Gewinn von 77 Billionen Won im Raum, ein Anstieg um 579 Prozent bei einer Marge von 78 Prozent. Damit wäre der vierte Rekordwert in Folge bei Samsung nach einem Ergebnis von 20 Billionen Won im vierten Quartal 2025, während SK hynix ebenfalls auf sehr hohe Profitabilität zielt.
Parallel verschiebt sich die Investorenlogik spürbar in Richtung „Rendite plus Auszahlung“. Kim verweist dabei auf geplante Ausschüttungsprogramme beider Unternehmen als möglichen Kurstreiber und setzt diese Erwartung in Beziehung zur Aktie von TSMC. Für Samsung sollen die Ausschüttungen an Aktionäre in den kommenden drei Jahren mindestens 600 Billionen Won erreichen, bei einer Dividendenrendite von über 7 Prozent. Der Hintergrund: Wenn ein Unternehmen in einer neuen Gewinnphase nicht nur Wachstum verspricht, sondern auch einen Teil der Cashflows sichtbar an Aktionäre zurückgibt, verändert sich die Nachfrage nach der Aktie. In der Quelle wird zudem argumentiert, dass das auch internationale Großfonds anziehen könnte, die Dividenden und Kapitalrückflüsse als planbareren Baustein in ihre Allokation integrieren.
Auch auf Jahresbasis werden die Zahlen in eine klare Wachstumssequenz gesetzt. Der addierte operative Gewinn beider Konzerne soll von 91 Billionen Won im Jahr 2025 auf 641 Billionen Won im laufenden Jahr steigen. Davon entfallen 382 Billionen Won auf Samsung und 259 Billionen Won auf SK hynix. Für 2027 wird zudem ein Sprung auf rund 964 Billionen Won genannt. Entsprechend wird die gemeinsame Marktkapitalisierung beider Unternehmen aktuell mit rund 2.593 Billionen Won beziffert. Die zentrale Schlussfolgerung aus Kims Perspektive lautet damit: Wenn die Ergebnisentwicklung tatsächlich in diese Größenordnung trifft, dann existiere aus Bewertungslogik heraus Potenzial für eine Neubewertung. Für den Markt heißt das auch: Der Fokus könnte sich von kurzfristigen Sorgen über die Umsetzbarkeit von KI-bezogenen Investitionen hin zu konkreten Umsetzungs- und Ergebnisindikatoren verlagern.
Zusätzliche Dynamik entsteht durch die Kapitalmarktseite, vor allem bei SK hynix. Unabhängig von der Einschätzung aus Südkorea sorgte zuletzt der US-Börsengang für Aufmerksamkeit: Erst kürzlich eingeführte American Depositary Receipts (ADRs) des Speicherchip-Herstellers stiegen Anfang August kräftig, nachdem sechs Brokerhäuser die Coverage der Aktie mit positiven Einstufungen aufgenommen hatten. Als Gründe werden in der Quelle die Marktstellung von SK hynix im wachsenden KI-Speichergeschäft sowie der breitere Zugang zu einer internationalen Investorenbasis genannt. Die ADRs, deren Hauptnotierung weiterhin in Seoul liegt, notierten zuletzt bei 161,04 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 28.08.2026) und damit rund 8 Prozent über dem Ausgabepreis vom 10. Juli. Beim Zweitlisting in den USA hatte SK hynix die ADRs zu 149 US-Dollar je Stück platziert und dabei rund 26,5 Milliarden US-Dollar eingenommen; begünstigt worden sei das laut Quelle durch reges Investoreninteresse an KI-tauglichen Speicherchips vom Typ High Bandwidth Memory (HBM).
Für Anleger ist dabei besonders, dass sich die positive Marktresonanz mit einem differenzierten Blick auf die operative Umsetzung mischt. In der Quelle werden mindestens sechs Häuser genannt, darunter Bank of America (BofA) Global Research, die die Aktie mit einem kaufähnlichen Rating einstuften; Rosenblatt Securities setzte mit 320 US-Dollar das höchste Kursziel. BofA bezeichnete SK hynix ebenfalls als unterbewertet und verwies auf starke Bestellungen von US-Technologiekonzernen sowie die Erwartung eines mehrjährigen Aufschwungs im Zuge steigender Investitionen in KI-Infrastruktur. Gleichzeitig wird ein Kontrast hergestellt zum jüngsten Quartalsbericht: Zwar wurde ein Rekordgewinn ausgewiesen, aber wegen Lieferverzögerungen bei fortschrittlichen Speicherprodukten blieb das Unternehmen hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Genau diese Mischung erklärt, warum das Thema „Unterbewertung“ derzeit nicht nur eine Bewertungsmetrik ist, sondern auch ein Umsetzungs- und Timing-Risiko für die nächsten Quartale adressiert.
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