LONDON (IT BOLTWISE) – Convertible-Notes-Discounts klingen für Gründer oft nach Nebensache, doch zusammen mit aufgelaufenem Zins und einer Down-Runde verändern sie die tatsächliche Umwandlung deutlich. Der Discount wirkt als prozentuale Preisreduktion auf den Preis der nächsten Runde, während der Cap nur greift, wenn er günstiger ist. Weil der Zins nicht ausgezahlt, sondern zum Prinzipal addiert wird, steigt die umwandelbare Basis oft stärker als beim Blick nur auf den ursprünglichen Check erwartet. Wer mehrere Notes stapelt, kann zusätzlich durch MFN-Klauseln mehr Verwässerung abbekommen als in der anfänglichen Modellierung vorgesehen.

So wirken Discount-Raten bei Convertible Notes: der Zins stapelt die Verwässerung
So wirken Discount-Raten bei Convertible Notes: der Zins stapelt die Verwässerung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Discount-Rate einer Convertible Note wird in Term Sheets häufig als „eine Zahl neben dem Cap“ gelesen. Genau dort entsteht bei Gründern der Denkfehler: Der Discount ist nicht nur ein Rabatt für den Investor, sondern ein Mechanismus, der am Ende der Laufzeit bestimmt, zu welchem Preis (und damit zu wie vielen Anteilen) aus dem ursprünglichen Kredit Eigenkapital wird. In der Praxis entscheidet bei jeder Umwandlung die Logik „der niedrigere Preis gewinnt“ – also entweder der valuation cap oder der rabattierte Umwandlungspreis. Und sobald sich die nächste Runde zeitlich verschiebt oder schlechter ausfällt, wird aus dem vermeintlichen Feintuning ein Faktor, der die Cap-Tabelle spürbar umsortiert.

Technisch betrachtet ist eine Convertible Note ein Darlehen mit Umwandlungsoption, nicht nur eine Bewertungsabkürzung. Der Preis der Umwandlung folgt typischerweise zwei Stellschrauben: Erstens der valuation cap, der den Umwandlungspreis nach oben begrenzt; zweitens der Discount, der dem Noteholder einen prozentualen Abschlag auf den Preis der finanzierten Runde gibt. In einem vereinfachten Beispiel wird schnell klar, warum Gründer den Discount unterschätzen: Setzt eine Note einen 20%-Discount ohne Cap und später liegt die Series A bei 10 US-Dollar pro Aktie, dann wandelt die Note nicht „zum Rundenpreis“, sondern zum rabattierten Preis von 8 US-Dollar. Wichtig ist dabei die Konsequenz für die Verwässerungsrechnung: Der Discount wirkt als direkte Preisreduktion auf den neuen Marktkurs, während der Cap nur dann „überschreibt“, wenn der Cap-Preis tatsächlich niedriger ist als der rabattierte Preis.

Der zweite Hebel, der in vielen Fundraising-Erklärungen zu kurz kommt, ist der Zins – und zwar genau deshalb, weil eine Note in der Regel als Schuldtitel strukturiert ist. Im Unterschied zu einem SAFE ist der Zinssatz auf viele Notes nicht bloß eine Formalie, sondern Teil der Konstruktion, mit der die steuerliche Einordnung und die Ausgestaltung als debt-like Instrument abgesichert werden soll. Unter einem verbreiteten Muster liegt der Zins häufig im Bereich von 2 % bis 8 % und läuft in der Zeit auf, ohne bei der Umwandlung als Cash ausgezahlt zu werden. Stattdessen wird der aufgelaufene Betrag dem Principal zugeschlagen; genau dieser größere Betrag wird dann umgewandelt. Ein Beispiel aus der Logik der Quelle: Bei einer Note über 500.000 US-Dollar mit 6 % simple interest über zwei Jahre entstehen 60.000 US-Dollar Zins, also ein zusätzlicher Anteil an der umwandelbaren Summe. In Ergebnisform heißt das: Gründer modellieren bei der Cap-Tabelle oft zu konservativ, wenn sie nur den ursprünglichen Check betrachten, statt Principal plus accrued interest durch Discount und Cap zu rechnen.

Besonders kritisch wird die Kombination aus Discount, Cap und Zins in einer Down Round. Wenn das Unternehmen statt der erwarteten Entwicklung mit einem deutlich niedrigeren Marktkurs in die nächste Finanzierungsrunde geht, verliert der valuation cap für den Noteholder häufig seine Schutzfunktion – weil er über dem nun realen Round-Preis liegt. Dann übernimmt der Discount die komplette Preisfindung: Er wird nicht auf „den Preis, den Gründer im Kopf hatten“, angewendet, sondern auf den neuen, niedrigeren Preis, der am Markt tatsächlich gezahlt wird. Genau diese Abfolge kann die Verwässerung beschleunigen: Der Noteholder erhält nicht nur die rabatierte Conversion, sondern auch die aufgelaufenen Zinsen kommen obendrauf. Aus Gründersicht ist der Cap damit kein echtes Downside-Tool, sondern eher ein Schutz gegen „zu starke Up Rounds“ – in schlechten Szenarien wird dagegen der Discount zur dominanten Stellschraube.

Beim Vergleich zwischen Convertible Notes und SAFEs wird diese Mechanik oft am falschen Ende angesetzt. Die Quelle betont, dass SAFEs den Interest Rate-Faktor herausnehmen: Ein SAFE hat typischerweise keinen laufenden Zins, weil es kein debt instrument ist, sondern ein vom Umwandlungsereignis abhängiger Anspruch. Das bedeutet nicht, dass SAFEs zwangsläufig „günstiger“ sind; sie können genauso Discount- und Cap-Strukturen enthalten. Der entscheidende Unterschied liegt aber darin, dass bei Notes während der Wartezeit eine zusätzliche Kostenkomponente (Zins, der sich auf den Principal aufschlägt) entsteht. Wenn ein Unternehmen also nur kurz überbrückt und schnell zu einer priced round kommt, schrumpft der Effekt. Wenn sich der Weg bis zur Umwandlungsrunde jedoch zwei oder drei Jahre zieht, wird aus dem Zins ein echter wirtschaftlicher Preis – ein SAFE würde diesen spezifischen Aufschlag nicht liefern.

Daneben gibt es eine weitere Stelle, an der die Modellierung in der Praxis schnell „aus dem Ruder“ läuft: das Stapeln mehrerer Notes und der Umgang mit MFN-Klauseln (most-favored-nation). Wer statt einer sauberen großen Zwischenfinanzierung mehrere kleinere Bridges nacheinander aufsetzt, erzeugt mehrere parallele Umwandlungsrechnungen. Jede Note hat ihren eigenen Principal, ihren eigenen Interest-Clock und ihren eigenen Cap. Bei der Umwandlung wird jeder Betrag getrennt gegen die priced round kalkuliert; in vielen Setups endet dadurch der früheste, „billigste“ Dealanteil pro investiertem Dollar als der größte. MFN-Regeln können das zusätzlich verstärken: Wenn eine spätere Note bessere Konditionen enthält, kann ein früherer Investor unter Umständen in diese Konditionen „hineinziehen“ und damit rückwirkend von einem höheren Discount profitieren. Die Folge ist eine Aggregatverwässerung, die einzelne Term Sheet-Zahlen isoliert betrachtet nicht erklären.

Für die praktische Term-Sheet-Arbeit ergibt sich daraus eine klare Priorität: Die Discount-Rate darf nicht als isolierte Zahl bewertet werden. Entscheidend ist die gesamte Umwandlungsformel im schlimmsten plausiblen Pfad – also Principal plus accrued interest, dann die Anwendung des lower of-Mechanismus aus Cap-Preis und rabattiertem Round-Preis. Gründer sollten den Cap nicht allein nach Wunschannahmen setzen, sondern nach der Bewertung, die sie für die nächste Runde ehrlich erwarten oder zumindest als Untergrenze akzeptieren. Denn ein zu optimistischer Cap schützt nicht automatisch, sondern kann in der Umwandlungslogik am Ende nur dafür sorgen, dass der Discount die entscheidende Rolle übernimmt. Wer vor dem Unterschreiben rechnet, verhindert am ehesten den Moment, in dem die Series A-Terminologie später plötzlich eine Cap-Tabelle „neu sortiert“, obwohl der ursprüngliche Checkbetrag das noch nicht vermuten ließ.

Gleichzeitig heißt das nicht, dass Convertible Notes grundsätzlich „zu vermeiden“ sind. Sie bleiben oft schnell zu paperen und ermöglichen es, eine Bridge in Tagen zu schließen statt in Wochen, die eine vollständige priced round typischerweise erfordert. Der eigentliche Fehler liegt weniger im Instrument als in der Art, wie es unterschrieben wird: Gründer lesen den Cap, überfliegen den Discount und lassen die Interest- und Down-Round-Szenarien aus dem Modell. Genau diese Lücke entscheidet in der Realität darüber, ob frühe Investorengruppen am Ende stärker vertreten sind als geplant – oder ob die Verwässerungsrechnung dem entspricht, was beide Seiten bei Vertragsunterzeichnung wirtschaftlich vor Augen hatten.


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