NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Öl der Sorte Brent legt weiter zu und erreicht zeitweise den höchsten Stand seit einer Woche. Gleichzeitig steigt der europäische Gaspreis mit dem TTF-Terminkontrakt bis auf 71,70 Euro je Megawattstunde. Auslöser sind Meldungen zu Angriffen auf Tankschiffe in der Straße von Hormus sowie die Sorge, dass LNG-Transporte aus dem Persischen Golf länger blockiert bleiben. Am Markt wächst damit die Erwartung, dass sich die Knappheit bei Energieträgern – besonders im Dieselbereich – weiter verstärken könnte.

Die Preisbewegungen an den Rohstoffmärkten wirken aktuell wie ein Engpass-Szenario in Zeitlupe: Erst der erneute Druck auf den Ölmarkt, dann die Übertragung auf den Gasbereich. Im Tagesverlauf bauten die Notierungen ihre Gewinne aus dem frühen Handel aus und knüpften damit an den deutlichen Anstieg vom Wochenauftakt an. Konkret wurde ein Barrel (159 Liter) Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November mit 92,18 US-Dollar gehandelt; zeitweise lag der Wert bei 92,55 Dollar und damit so hoch wie zuletzt seit einer Woche. Damit rückt die Frage, wie schnell sich Transporte und Raffinerieauslastung wieder normalisieren, wieder stärker in den Fokus.
Der Hintergrund liegt diesmal besonders im Wechselspiel aus Geopolitik und Logistik. Bereits am Montag hatten Ölpreise zeitweise um zweieinhalb Prozent zugelegt, nachdem der Iran-Krieg nach gegenseitigen Militärschlägen der USA und des Iran wieder eskaliert war. Aus der maritimen Perspektive kommt zusätzlicher Stress hinzu: Das maritime Beratungsunternehmen Marisk meldete, dass zwei Rohöl-Tanker von unbekannten Geschossen getroffen worden seien, während sich die Schiffe gerade auf der Ausfahrt aus dem Persischen Golf befanden. Zuvor hatte die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) gemeldet, dass in der Straße von Hormus erneut ein Öltanker angegriffen worden sei; auch hier blieb unklar, wer verantwortlich war. Für die Preisbildung bedeutet das vor allem Unsicherheit darüber, ob sich der „normale“ Transit in der Region kurzfristig wieder stabilisiert.
Rohstoffstratege Bart Melek von TD Securities bringt die Marktlogik auf den Punkt, indem er mit eher weiter steigenden Rohölpreisen rechnet. In der vorliegenden Darstellung verweist er darauf, dass keine Anzeichen dafür zu erkennen seien, dass der normale Transit durch die Straße von Hormus in naher Zukunft wieder aufgenommen wird. Diese Erwartung ist wirtschaftlich relevant, weil der Ölpreis nicht nur als „Rohstoffwert“ gehandelt wird, sondern als Vorprodukt für Energieformen mit direktem Endnutzen wirkt. Besonders bei Diesel kann sich das in der Lieferkette schnell bemerkbar machen, etwa über höhere Vorleistungskosten bei Raffinerien und geänderte Einkaufsentscheidungen im Handel. Zusätzlich verstärkt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine das Angebotsthema: Neue Angriffe auf die russische Ölindustrie sollen das Angebot verknappen, was im Text explizit als Treiber für die Situation bei Diesel eingeordnet wird.
Auch beim Gas zeigt sich: Das Preissignal ist dieses Mal nicht „nur“ eine Reaktion auf Öl, sondern folgt einer eigenen, eng gekoppelten Transportlogik. Der europäische Erdgaspreis stieg dem Bericht zufolge auf den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs. Ausschlaggebend waren Meldungen über Angriffe auf Tankschiffe in einer für Energietransporte wichtigen Route, die Straße von Hormus, wodurch der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam bis auf 71,70 Euro je Megawattstunde (MWh) kletterte. Das sind fast drei Prozent mehr als am Vortag. Damit kostet Erdgas aktuell mehr als zu Beginn des Iran-Kriegs, als die Notierung im März zeitweise über 70 Euro je MWh gestiegen war.
Dass der Gaspreis sogar stärker anzieht als viele Beobachter allein aus dem Blick auf Öl erwarten würden, liegt laut Darstellung an mehreren Hebeln gleichzeitig. Erstens befeuert die Sorge, dass Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus den Fördergebieten am Persischen Golf dauerhaft blockiert sein könnten, das Preisaufwärtsrisiko. Zweitens kam bereits am Montag ein zusätzlicher Impuls: Der Rohstoffexperte Norman Liebke von der Commerzbank verwies auf einen Lieferstopp des wichtigen Förderstaates Katar; Einschränkungen bei LNG-Lieferungen nach Europa und Asien seien um einen weiteren Monat verlängert worden. Drittens bleibt der kurzfristige Lagerpuffer klein: Eine vergleichsweise geringe Füllmenge der Gasspeicher in Europa stützt den Preis, weil sich Versorgungsunsicherheiten schneller in den Marktpreis übersetzen.
Nach dem Text geht es seit etwa drei Wochen tendenziell nach oben; in diesem Zeitraum hat sich das Gasniveau um fast 40 Prozent verteuert. Für Unternehmen ist das nicht nur ein „Stichtagspreis“, sondern ein Kostenrisiko, das in kurzfristige Einkaufs- und Beschaffungsstrategien hineinwirkt. Während Ölpreise in den vergangenen Wochen auch zeitweise deutlich gefallen waren, hielten sich die Notierungen für den Erdgas-Terminkontrakt auf hohem Niveau. Das deutet auf eine erhöhte Preissensitivität im Gasmarkt hin, die sich aus dem Zusammenspiel von Transportengpässen (Hormus), potenziellen LNG-Ausfällen und Lagerkonstellationen ergibt.
Für die nächsten Handelstage dürfte entscheidend sein, ob sich die gemeldeten Vorfälle ausweiten oder ob sich die Einschätzung zur Stabilität der Transportroute verändert. Der Bericht betont explizit, dass für die kommenden Wochen das Preisaufwärtsrisiko weiter bestehen bleibt. Damit rückt auch die Verbindung zwischen Öl und Gas näher zusammen: Beide Märkte reagieren auf dieselben geopolitischen Störfaktoren, allerdings mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und unterschiedlichen „Bremsen“ durch Infrastruktur, Lager und Vertragslaufzeiten. Wer in Beschaffung, Treasury oder Risiko-Controlling unterwegs ist, sollte diese Dynamik als Szenariowechsel begreifen – und nicht als einzelnen Ausreißer im Kursverlauf.
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