LONDON (IT BOLTWISE) – BASF hat ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarden Euro beschlossen. Es läuft von August 2026 bis April 2027 und wird durch die jüngsten operativen Ergebnisse unterstützt. Der Chemiekonzern hebt seine Jahres-Guidance beim EBITDA vor Sondereinflüssen an. Parallel treibt BASF den Portfolioumbau voran – inklusive Planungen für einen möglichen Börsengang der Agrarsparte.

Der neue Aktienrückkauf ist für BASF mehr als ein Signal an den Kapitalmarkt: Das Unternehmen verknüpft die Rückkäufe mit einer spürbar verbesserten Ergebnissicht und einem breiteren Umbau des Konzerns. Ende Juli hat BASF ein Programm über bis zu 1,0 Milliarden Euro beschlossen, das die eigene Aktienzahl gezielt reduziert. Der Zeitraum ist dabei klar definiert: Das Rückkaufprogramm soll von August 2026 bis April 2027 laufen. Solche Zeitfenster sind wichtig, weil sie die Liquiditätsplanung und die Abstimmung mit anderen Kapitalmaßnahmen strukturieren; in der Praxis glätten sie auch den Effekt auf Kennzahlen wie Gewinn je Aktie über mehrere Quartale.
Dass der Rückkauf nicht isoliert steht, zeigen die bereits gemeldeten Vollzugsdaten: In der Woche vom 17. bis 21. August kaufte BASF 557.966 eigene Aktien zurück, in der Folgewoche kamen weitere 591.251 Stück hinzu. Der Konzern bleibt damit in einem Rahmen, der direkt in den bereits laufenden Rückkaufpfad eingebettet ist. Zwischen November 2025 und Juni 2026 hatte BASF Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro erworben, und davon sollen mehr als 31,6 Millionen Papiere eingezogen werden – das entspricht knapp 3,5 Prozent des Grundkapitals. Eine dauerhafte Verringerung der Aktienzahl kann das Ergebnis pro Aktie tendenziell stützen, selbst dann, wenn sich operative Margen nur moderat verändern.
Finanziell stützt BASF die Maßnahmen auch über eine nach oben angepasste Ergebnisbasis. Mitte Juli legte der Konzern vorläufige Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor: Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte 2,4 Milliarden Euro und lag deutlich über den Analystenschätzungen. Gleichzeitig stieg der Umsatz auf 17,2 Milliarden Euro; das entspricht einem Plus von 2,4 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Getrieben wurde das Wachstum laut Angaben durch einen Preisanstieg von 11,5 Prozent und ein Mengenwachstum von 7,3 Prozent. Auf dieser Grundlage erhöhte BASF die Jahres-Guidance beim EBITDA vor Sondereinflüssen auf 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro – ein Signal, dass die Ergebnisqualität nicht nur aus Sondereffekten stammt, sondern auch im operativen Geschäft trägt.
Ein weiterer Hebel kommt aus dem laufenden Portfolio-Umbau, bei dem BASF gezielt Kapital freisetzt und sich zugleich strategisch neu ausrichtet. Zusätzlichen finanziellen Spielraum verschaffte der Verkauf des Coatings-Geschäfts, der bereits vor über einem Monat abgeschlossen wurde. Die Transaktion mit einem Unternehmenswert von 7,7 Milliarden Euro brachte einen Zahlungsmittelzufluss vor Steuern von rund 5,8 Milliarden Euro. Anschließend blieb BASF noch mit 40 Prozent an der Nachfolgegesellschaft Surventis beteiligt. Solche Konstruktionen sind in Konzernumfeldern häufig, weil sie einerseits die Bilanz verkürzen, andererseits aber Beteiligungsnarrative offenhalten: Der Käufer integriert das Geschäft operativ, der Verkäufer bleibt jedoch an dessen Entwicklung beteiligt.
Auch die Entwicklung am Aktienkurs spiegelt die Kombination aus Kapitalmaßnahmen und Ergebnisrevision wider. Seit dem Coatings-Verkauf legte der Aktienkurs um 14,8 Prozent zu. Daneben passt ein weiterer Schritt zu dem Bild einer bewusst schlankeren Bilanz: Die vor rund einem Monat erfolgte vorzeitige Rückzahlung von Anleihen und Darlehen im Nominalvolumen von 1,6 Milliarden Euro. Seit diesem Schritt wird ein Kursplus von 6,5 Prozent genannt. Aktuell notiert die BASF-Aktie bei 53,75 Euro; damit liegt sie nur noch 2,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro aus dem April. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 21 Prozent zu Buche, und in den vergangenen 30 Tagen kletterte der Kurs um 6,2 Prozent. Selbst der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 10 Prozent wirkt wie eine technische Bestätigung: Die Aufwärtsdynamik ist deutlich, was für viele Investoren gleichzeitig die Relevanz von Guidance-Updates erhöht.
Während der Markt auf Zahlen schaut, arbeitet BASF parallel am strategischen Umbau. Im Mai unterzeichnete der Konzern eine Vereinbarung zum Verkauf des Silikatgeschäfts an PQ, der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Im Agrarbereich schloss BASF Agricultural Solutions Ende März die Übernahme von AgBiTech ab, die ursprünglich in der Zusammenarbeit mit Paine Schwartz Partners vorbereitet worden war; in der Folge soll die biologische Schädlingsbekämpfung gestärkt werden. Besonders im Fokus bleibt jedoch die geplante Entwicklung rund um die Agrarsparte: Für einen möglichen Börsengang kündigte Vorstandsmitglied Livio Tedeschi an, dass man sich im kommenden Jahr voll auf dieses Thema konzentrieren will. Die Voraussetzungen sollen bis Mitte 2027 geschaffen werden – und als Handelsplatz strebt BASF die Frankfurter Börse an. Die Notierung als Societas Europaea gilt dabei als Meilenstein im Rahmen der Winning-Ways-Strategie.
Der Umbau zeigt sich schließlich auch im Management-Setup. Zum 1. Mai gab es einen Wechsel im Vorstand: Mary Kurian und Livio Tedeschi rückten neu ins Gremium, während Michael Heinz in den Ruhestand ging. Solche Personalentscheidungen sind oft mehr als Routine, weil sie die interne Priorisierung für Projekte mit hoher Laufzeitwirkung – wie eine mögliche Abspaltung oder ein Börsengang – mitbestimmen. Für Anleger ist zudem der nächste Takt wichtig: Die nächste Standortbestimmung soll am 28. Oktober erfolgen, wenn BASF seine Quartalsmitteilung zum dritten Quartal veröffentlicht. Bis dahin bleibt die Kombination aus Rückkäufen, Guidance und Portfoliofortschritten der zentrale Prüfstein dafür, ob sich der aktuelle Kursimpuls nachhaltig in operative Entwicklung übersetzt.
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