LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Auswertungen zeigen, dass ein iMessage-„Zero-Click“-Exploit ein iPhone mit NSOs Pegasus kompromittiert haben soll. Die Spuren wurden für einen Zeitraum zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit eingeordnet. Apple habe die Lücke nach den vorliegenden Angaben mit iOS 18.4.1 geschlossen, das im April 2025 veröffentlicht wurde. Parallel warnen die beteiligten Organisationen vor weiteren Übergriffen über Android-Spyware wie NoviSpy.

Pegasus-„Zero-Click“-Angriff trifft iPhones serbischer Studenten, iOS-Patch genannt
Pegasus-„Zero-Click“-Angriff trifft iPhones serbischer Studenten, iOS-Patch genannt (Foto: IT BOLTWISE)
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Der nächste Beleg für die wachsende Professionalität kommerzieller Überwachungssoftware kommt aus einer Forensik-Kooperation: Laut Citizen Lab in Zusammenarbeit mit der SHARE Foundation wurde ein iPhone, das einem Mitglied der serbischen Studentenprotestbewegung zugeordnet wird, mit der Pegasus-Spyware infiziert. Entscheidend ist dabei weniger das Zielgerät an sich als die Art des Angriffs: Die Untersuchung beschreibt einen iMessage-„Zero-Click“-Exploit, also eine Schwachstelle, bei der kein aktives Klicken des Opfers nötig sein soll. Das reduziert die Hürde für Angreifer deutlich, weil klassische Schutzmechanismen wie „Warnhinweise vor verdächtigen Links“ oder das Mustererkennen in Phishing-Nachrichten weitgehend ausfallen.

Technisch ordnen die Analysten den Angriff als gezielte Ausnutzung von Apple iMessage ein und verweisen darauf, dass Apple die betreffende Schwachstelle mit iOS 18.4.1 adressiert habe. Diese Information ist aus Security-Sicht besonders relevant, weil sie eine klare Patch-Priorisierung ermöglicht: Wer iPhones in der Organisation oder im privaten Umfeld verwaltet, kann konkrete Abhängigkeiten zu Betriebssystemversionen prüfen statt abstrakt auf „Updates“ zu setzen. Gleichzeitig betonen die Auswertungen, dass die Indikatoren einer Infektion mit hoher Sicherheit zwar für einen Zeitraum zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 vorliegen, dass dies aber weitere kompromittierte Geräte nicht ausschließt. Gerade dieses Muster – eine „gesicherte“ Zeitspanne, die trotzdem keinen vollständigen Überblick garantiert – ist typisch für Forensik, bei der Telemetrie, Log-Häufigkeit und Erkennungsfenster die Aussagekraft begrenzen.

Der Fund reiht sich in eine Serie dokumentierter Missbräuche von Überwachungstechnologien im Land ein. Nach Angaben aus der Quelle wurden Apple-Kunden zudem neue Threat-Notifications zugesandt, offenbar an eine nicht näher genannte Zahl von Nutzern in 110 Ländern. Solche Benachrichtigungen sind für die Praxis deshalb wichtig, weil sie die lokale Incident-Response von Unternehmen und Behörden erschweren können, wenn interne Teams nur begrenzten Zugriff auf Geräte-Forensik haben. Für die serbische Öffentlichkeit wird die Brisanz zusätzlich durch den Zeitpunkt unterstrichen: Die beschriebenen Vorfälle fallen in die Phase lokaler Wahlen am 29. März 2026, und SHARE nennt mindestens 14 betroffene Personen in Serbien seit Beginn 2026. Unter ihnen werden Mitglieder von Studentenbewegungen, Aktivistinnen und Aktivisten, ein Mitglied des Parlaments sowie ein lokaler Vertreter oppositioneller Parteien genannt. Das ist weniger ein politisches Detail als ein Risikoindikator: In solchen Phasen steigen häufig sowohl die Dichte an Zielpersonen als auch der Druck auf Kommunikationswege – und damit die Angriffsfläche.

Während iOS-Exploits Schlagzeilen dominieren, adressiert die Quelle auch Android als weiterhin aktives Ziel. So habe ein weiteres Mitglied einer Studentenbewegung betroffen gewesen sein sollen: Nach einer Beschlagnahmung des Geräts während polizeilicher Befragungen wurde offenbar eine neue Version der Android-Spyware NoviSpy installiert. In diesem Zusammenhang hebt Donncha Ó Cearbhaill, Leiter des Security Lab von Amnesty International, in einem wörtlich wiedergegebenen Statement hervor, dass die forensischen Ergebnisse durch SHARE zeigen würden, dass serbische Studierende weiterhin mit invasiven Android-Tools angegriffen werden, die während der Inhaftierung durch serbische Behörden installiert worden seien. Er führt außerdem aus, dass der neueste Fall eine zusätzliche Android-Spyware offenbare, die zwar funktional NoviSpy ähnele, aber neu aufgebaut worden sei, um die Erkennung durch Security-Expertinnen und -Experten zu erschweren. Für Verteidigungsteams in der Praxis heißt das: „Update“ ist bei Android nicht nur eine Frage der OS-Version, sondern auch der harten Kontrolle über Geräte, die physischen Zugriff hatten – insbesondere nach Ereignissen wie Beschlagnahmungen.

Die Recherche nennt zudem, dass dieselbe Spyware-Familie auf einem zweiten Gerät gefunden worden sei, nachdem private Viber-Nachrichten von diesem Telefon offengelegt wurden – in dem beschriebenen Fall live in einer serbischen, pro-staatlichen TV-Berichterstattung. Darüber hinaus verweist die Quelle auf weitere dokumentierte Missstände, darunter den Einsatz forensischer Tools zur Ausbringung von NoviSpy, etwa mittels Cellebrite-Werkzeugen. Für die Risikokommunikation ergibt sich daraus eine klare Linie: Wer potenziell gefährdet ist, weil Profil und Tätigkeit als Ziel gelten, sollte Geräte konsequent auf aktuelle Versionen bringen und – im iOS-Kontext – das Lockdown Mode aktivieren. Auf der Android-Seite wird in der Quelle auch ein Advanced Protection Program als Option genannt, das sich an Nutzerinnen und Nutzer mit hoher Sichtbarkeit und sensiblen Informationen richtet, um gezielte Online-Angriffe abzufedern. Parallel nennt die Quelle bei Messaging-Apps eine Schutzfunktion von WhatsApp: „Strict Account Settings“, das bestimmte Einstellungen automatisch auf die restriktivsten Optionen sperren und Medien/Anhänge von Nicht-Kontaktpersonen blockieren soll.

Für Entscheiderinnen und Entscheider in Unternehmen liegt die eigentliche Relevanz der Meldung in der Kette aus Update-Disziplin, Geräte-Hygiene und Kommunikationshärtung. Der iMessage-„Zero-Click“-Vektor zeigt, dass Social Engineering nicht der einzige Angriffspfad ist; selbst ohne sichtbare Nutzerinteraktion kann Schadcode Wege ins System finden. Gleichzeitig zeigen die Android-Befunde, dass physischer Zugriff und Installation während angehaltener Zeiträume eine eigenständige Angriffsdomäne darstellen. Daraus folgt weniger ein einzelnes Tool als ein Prozess: Asset- und Version-Management für iOS, starke Zugriffskontrollen und Restriktionen bei Geräteeinziehungen, dazu eine durchgängige Betrachtung von Messaging-Kanälen. Wer diese Faktoren zusammennimmt, kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass „Patchen“ und „Gerätesicherheit“ in getrennten Silos verhandelt werden – und genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich im Ernstfall häufig, wie schnell ein kompromittiertes Gerät isoliert und wiederhergestellt werden kann.


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