WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – General Douglas Schiess hat am 3. September als dritter Chief of Space Operations die US Space Force übernommen. Der neue Kommandeur ordnet seine Aufgabe als nächsten Entwicklungsschritt ein, nachdem die Streitkräfte seit 2019 von Aufbau hin zu Einsatzvorbereitung wechseln. Im Zentrum stehen dabei ein schnellerer Ausbau von Personal und Raumfähigkeiten sowie eine engere Integration in die Joint Force. Schiess will zudem die Art verbessern, wie die Space Force neue Systeme entwickelt, testet und im Betrieb anwendet.

Mit der Amtsübernahme von General Douglas Schiess als drittem Chief of Space Operations ändert sich in der US Space Force vor allem die Priorisierung im Takt, nicht das Zielbild. Am 3. September folgte er Gen. Chance Saltzman bei einer Zeremonie am Joint Base Andrews in Maryland. In seiner ersten Ansprache rahmte Schiess den Wechsel als „nächste Stufe“ der Entwicklung einer 2019 gegründeten Teilstreitkraft: weg vom reinen Dienstaufbau und hin zu einer Phase, in der Kräfte und Systeme konsequent auf Kampfbereitschaft vorbereitet werden sollen. Das ist weniger ein reines Führungsthema als ein Signal, dass die Organisation jetzt stärker in die Umsetzung der Einsatzlogik hineinrückt.
Der Zeitdruck kommt aus dem operativen Umfeld und aus dem Beschaffungsfenster gleichzeitig. Schiess übernimmt die Führung, während die Space Force in einen größeren Zyklus aus Beschaffung und Streitkräfteausbau geht. Laut seinem Lagebild steigen die Anforderungen an neue Satelliten, an Waffenfähigkeiten, an weiteres Personal und vor allem an eine engere Verzahnung mit den restlichen US-Streitkräften. Genau hier liegt der Kern der Aussage: Wer in der Raumdomäne agiert, muss nicht nur Systeme beschaffen, sondern die gesamte Kette aus Einsatzplanung, Ausbildung, Test und Betrieb auf deutlich kürzere Entscheidungs- und Reaktionszeiten trimmen. Für Organisationen, die bisher stark im Aufbau-Modus waren, ist das ein Wechsel von Strukturen, die „aufsetzen“, zu Strukturen, die „durchoperieren“.
Technisch und organisatorisch adressiert Schiess deshalb drei Stellhebel: Skalierung, Systementwicklung und Erprobung. Er fordert, dass die Space Force in die Joint Force hinein „rapid“ wachsen muss – sowohl bei den personellen Ressourcen als auch bei den Raumfähigkeiten. Gleichzeitig knüpft er seine Strategie an Industriepartnerschaften, um die Weiterentwicklung von Waffensystemen und die Art des „Kämpfens“ schneller in die Praxis zu bringen. Inhaltlich bedeutet das: Beschaffung wird nicht nur als Lieferung von Hardware verstanden, sondern als Prozess, der auch Testmethoden und Betriebsverfahren einschließt. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie Trainings- und Testaktivitäten über das bisherige Maß hinaus ausgeweitet werden, ohne dass die Erprobung an Komplexität oder Zeitbudgets scheitert.
Dass Schiess mit einem klaren Kontinuitätsfaden startet, zeigt sein Bezug zu den Vorgängern. Er verwies auf Gen. John Raymond als denjenigen, der den Dienst etablierte, und stellte Saltzman das Verdienst aus, die „war fighting foundation“ gefestigt zu haben. Unterm Strich bestätigt das den bisherigen Schwerpunkt: stärker auf die Vorbereitung von „Guardians“ für die Kriegsführung im Raum sowie auf Fähigkeiten, die US-Satelliten schützen und die Nutzung von Raumfähigkeiten durch potenzielle Gegner entgegenwirken sollen. In seiner Argumentation verknüpft Schiess diese Kontinuität mit einer offenen Arbeitsliste: Die jüngsten militärischen Einsätze hätten die Bedeutung von Raumfähigkeiten für die Gesamtstreitkräfte gezeigt, doch die Space Force habe weiterhin Arbeit vor sich.
Für die strategische Richtung heißt das, dass „mehr Einsatzkonzeptarbeit“ nicht abstrakt bleiben darf. Schiess fordert, fortgeschrittenere Konzepte für die Kriegsführung im Weltraum zu entwickeln und Training sowie Testing über die aktuellen Praktiken hinaus zu treiben. Daneben nennt er eine Vertiefung der Integration mit Verbündeten und Partnern als konkretes Ziel. Gerade diese Kombination – neue Konzepte, breitere Erprobung und stärkere Interoperabilität – wirkt wie ein Dreiklang für die nächste Beschaffungs- und Betriebsphase: Neue Satelliten- und Waffenfähigkeiten bringen nur dann operative Wirkung, wenn sie in gemeinsame Abläufe eingebettet sind, also in Planungs- und Einsatzprozesse der Joint Force. Historisch lässt sich das als Übergang von einem „Capability Build“-Schwerpunkt zu einem „Operationalize“-Schwerpunkt beschreiben; die Space Force muss Konzepte, Tests und Betrieb so verdichten, dass neue Systeme nicht erst am Ende ihrer Entwicklung „einsatzbereit“ werden, sondern iterativ.
Dass Schiess dafür besonders gut aufgestellt ist, hängt auch an seinem beruflichen Profil. Er kommt aus der operativen Seite der Space Force: Zuletzt war er Deputy Chief of Space Operations for Operations und verantwortete dort unter anderem Policy für globale Operationen, Training und Readiness. Zuvor kommandierte er U.S. Space Forces-Space, den Teil der Space Force, der Kräfte für U.S. Space Command bereitstellt. Das ist inhaltlich wichtig, weil die Brücke zwischen Beschaffung und Betrieb in der Raumdomäne typischerweise über komplexe Abhängigkeiten läuft: Startfenster, Missionsplanung, Flugbetrieb, Bodensegmente, Schnittstellen und Abläufe im Einsatz müssen zusammenpassen. Ein Chef mit Fokus auf Operations dürfte daher weniger Zeit damit verbringen, neue Strukturen aufzubauen, und mehr Gewicht auf die iterative Abstimmung zwischen Systemen und Einsatzrealität legen.
Für Unternehmen und Entwickler, die mit Raumfähigkeiten, bodennahen Systemen oder Erprobungsdienstleistungen zu tun haben, erhöht dieser Kurs den Bedarf an schnellerer, testfähiger Umsetzung. Wenn Training und Testing „über aktuelle Praktiken“ hinausgehen sollen, wächst das Gewicht von Plattformen und Prozessen, die wiederholbare Tests, Datenrückflüsse und Anpassungen am System erlauben. Gleichzeitig betont Schiess die Nutzung von Industriepartnerschaften als Hebel, um Waffensysteme und die Kampfweise weiterzuentwickeln – ein Hinweis darauf, dass Zulieferer nicht nur als Fertiger, sondern stärker als Mitgestalter in der Entwicklungs- und Erprobungsphase auftreten könnten. Am Ende geht es dabei nicht um den Einsatz einzelner Technologien, sondern um die organisatorische Fähigkeit, neue Fähigkeiten in kurzen Zyklen vom Entwurf in den Einsatz zu bringen.
Welche Wirkung das konkret auf die nächsten Beschaffungsentscheidungen hat, bleibt zunächst eng an den Detailplänen der Space Force gebunden. Klar ist jedoch, dass Schiess die Verantwortung als nächste Stufe einer fortlaufenden Transformation versteht: Die Dienstorganisation soll sich schneller in die Joint Force integrieren, die Skalierung von Personal und Fähigkeiten vorantreiben und die Prozesse für Entwicklung, Test und Betrieb strukturell verbessern. Für die strategische Ausrichtung der US-Interessen in der Raumdomäne bedeutet das eine stärkere Kopplung von Einsatzkonzepten und Engineering-Routinen. Selbst wenn man den Begriff „KI“ hier nicht aus dem Text ableiten kann, rückt doch ein typisches Umsetzungsthema vieler moderner Streitkräfte in den Vordergrund: KI-gestützte Assistenz kann bei Planung, Auswertung von Testdaten und Einsatzunterstützung helfen, während die eigentliche operative Wirkung weiterhin von den überprüfbaren Fähigkeiten der Satelliten- und Bodensysteme abhängt.
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