SYDNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Asiatische Aktien klettern vor den US-Jobdaten, während sich die Märkte nach den Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller entspannen. Kurzfristige Zinssorgen nehmen ab, die Renditen im vorderen Laufzeitenbereich ziehen an und der Dollar verliert an Boden. Besonders der Yen profitiert: Händler rechnen mit einem Wochenplus von rund 2,3%. Entscheidend bleibt aber der Arbeitsmarktbericht für August, der die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im laufenden Monat neu sortieren könnte.

Asiatische Börsen im Aufwind: Waller bremst Zinssorgen, Jobs-Daten rücken näher
Asiatische Börsen im Aufwind: Waller bremst Zinssorgen, Jobs-Daten rücken näher (Foto: IT BOLTWISE)
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Bevor der US-Arbeitsmarktbericht für August im Tagesverlauf veröffentlicht wird, haben sich die asiatischen Märkte deutlich fester präsentiert. Der Nikkei stieg um 1,3%, während die Wall-Street-Futures zunächst ebenfalls leicht nach oben tendierten. Parallel dazu fiel der Fokus der Anleger von der reinen Makro-Schlagzeile hin zur Frage, wie stark die nächste Datenrunde die noch immer dichte Zinserwartungs-Lage verändert. Genau dort setzte Fed-Gouverneur Christopher Waller an: Er verwies auf erste Signale für nachlassenden Preisdruck und kündigte sinngemäß an, dass er bei Bestätigung dieser Tendenz eine stabile Zinspolitik auf dem anstehenden Treffen bevorzugen würde.

Die Wirkung dieser Tonalität zeigte sich schnell in den Erwartungskurven. Die Marktchance für eine Zinserhöhung in diesem Monat wurde nach den Einschätzungen aus dem Fed-Umfeld zügig zurückgenommen und lag zuletzt bei rund 50%, nachdem sie zuvor noch bei etwa 63% gelegen hatte. Gleichzeitig erhielten längere Laufzeiten noch keine vollständige Entwarnung: In den letzten Sitzungen hatten globale Anleihemärkte für Aufsehen gesorgt, weil die Renditen längerer Laufzeiten auf Mehrjahreshochs getrieben wurden. Händler führen diese Bewegung typischerweise auf hartnäckige Inflationssorgen, wachsende staatliche Refinanzierungsbedarfe sowie geopolitische Spannungen zurück. Auch vor diesem Hintergrund bleibt die Formulierung „data dependent“ entscheidend: Wenn die nächsten Veröffentlichungen den disinflationären Trend stützen, kippt die Gewichtung zugunsten eines „halten“ statt „heben“.

Der direkte Preisimpuls ging jedoch nicht nur über die Anleiherenditen, sondern über den Dollar in Richtung Yen. Der Rückgang der Dollar-Stärke wurde durch fallende Renditen verstärkt; dadurch gewann der Yen spürbar. Konkret lag der Dollar zuletzt bei etwa 156,32 Yen, nachdem er am Vortag noch rund 1,8% verloren hatte. Für die laufende Woche erhöhte sich damit die Spekulation auf eine Yen-Aufwertung um ca. 2,3% – der größte Wochenanstieg seit Ende Juli, als es laut dem Marktmechanismus auch zu einer seltenen abgestimmten Intervention zwischen Japan und den USA kam, um einen starken Abwärtsdruck auf die japanische Währung zu begrenzen. Dass der Yen jetzt wieder stärker reagiert, passt zu einer typischen Kette aus „weniger hawkish“ → niedrigere US-Renditeerwartungen → schwächerer USD → stabilere bzw. stärkere Währung in Asien.

Bei den Indizes und Sektoren verlief die Risikobereitschaft nicht einheitlich, aber insgesamt konstruktiv. In Asien-Pacific stieg der breiteste Index außerhalb Japans um etwa 1,5% und dämpfte frühere Verluste; Japan verbuchte beim Nikkei plus 1,4%, blieb jedoch noch mit einem Wochenminus von 1,9% zurück. Chinas Blue-Chips legten um 4% zu, während der KOSPI in Südkorea um 2% anstieg. Am Aktienmarkt zeigte sich zudem, wie schnell Unternehmensnachrichten mit globalen Erwartungen verzahnen: Softwarewerte profitierten in dieser Sitzung von einer positiven Prognose aus dem Umfeld großer Cloud-Anbieter, was die Aktie um 16,6% nach oben trieb. Für die Marktbreite ist das insofern wichtig, als Aktienrallys vor Makrodaten häufig zwischen „Zins-Story“ und „Gewinn-Story“ pendeln.

Auch bei den Anleihen nahm die Erleichterung messbar Form an. Nach den eher beruhigenden Signalen aus der Fed-Richtung zogen US-Treasuries an, wobei sich die Bewegung besonders am kurzen Ende konzentrierte. Die Rendite zweijähriger Laufzeiten blieb bei rund 4,3348%, nachdem sie über Nacht um etwa fünf Basispunkte gefallen war – deutlich weg von dem zuletzt markierten 20-Monats-Hoch. Bei zehnjährigen Papieren lag die Rendite bei etwa 4,7581%, nur leicht verändert nach einem Rückgang um drei Basispunkte. Selbst bei 30-jährigen Anleihen zeigte sich zwar ebenfalls ein Rückprall (etwa 5,2370%), aber die Anleger bleiben dort skeptisch, weil Inflation langfristig noch nicht „weg“ ist und die politischen Risiken – inklusive der ungeklärten Lage zwischen den USA und dem Iran sowie der Frage der Schifffahrts- und Energiepfade – weiter in die Risikoprämie hineinspielen können.

Genau diese Mischung aus kurzfristiger Beruhigung und langfristiger Unsicherheit trifft nun auf den nächsten Katalysator: die US-Payrolls. Händler rechnen mit einem Anstieg von 56.000 Jobs nach einem zuvor überraschend schwachen Monat mit -23.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote soll der Erwartung nach stabil bei 4,1% bleiben. In den Daten selbst steckt damit ein „Münzwurf“-Charakter: Der Bericht könnte zwar das bestehende Bild eines relativ stabilen Arbeitsmarktes eher bestätigen, aber Abweichungen würden sofort die Wahrscheinlichkeitssicht auf einen Zinsschritt im September oder Oktober drehen. In der Nacht zuvor deuteten bereits Services-Daten auf eine Beschleunigung hin, außerdem stiegen Indikatoren für die von Unternehmen gemeldeten Preise auf ein Dreijahreshoch; auch eine Wochenerhebung der Fed zur Wirtschaftsaktivität zeigte eine leichte Zunahme. Zusätzlich bleibt Rohstoffseite im Blick: Brent notierte nach einer Wochenbewegung von rund +7% bei 95,52 US-Dollar je Fass, während Gold um 2% zulegte, aber zum Wochenende nahe „unchanged“ erwartet wird.

Für das Marktgeschehen bedeutet das: Die technischen Effekte der Waller-Kommentare wirken zunächst wie ein kurzfristiger Dämpfer für Zinserwartungen, doch die Makro-Daten entscheiden, ob daraus eine länger tragfähige Wende wird. Damit rücken neben den US-Payrolls auch Erwartungen an die nächste Notenbank-Sitzung in Japan in den Vordergrund. Händler diskutieren dabei, dass selbst eine „nur leichte“ Abweichung beim US-Arbeitsmarktbericht eine neue Positionierung auslösen könnte – und dass die Kombination aus potenziell weicherer Lohn- und Arbeitsmarktentwicklung in den USA sowie der Agenda in Tokio den Yen weiterhin stützen oder beschleunigen kann. Unterm Strich bleibt die Lage also zweigeteilt: Im Vordergrund steht der Versuch, Zinshoffnungen in Kursen und Währungen zu verankern; im Hintergrund lauert weiterhin die Frage, wie stark sich Inflation und Renditepfad gegen politische und geopolitische Risikoaufschläge durchsetzen.


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