LONDON (IT BOLTWISE) – Steigende US- und globale Staatsanleiherenditen gelten laut Kenneth Orchard von T. Rowe Price nicht als bloßer Zwischenstopp. Er verweist auf strukturelle Treiber wie Defizite, anhaltende Inflationsrisiken und geldpolitische Zurückhaltung. Für Anleger rückt er damit vor allem regelmäßiges Einkommen in den Fokus, inklusive inflationsgeschützter Anleihen. Gleichzeitig warnt er vor einer zu vorschnellen Entspannung an den langen Laufzeiten.

Höhere Anleiherenditen bleiben: T. Rowe Price setzt auf Inflationsschutz
Höhere Anleiherenditen bleiben: T. Rowe Price setzt auf Inflationsschutz (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Renditekurve liefert aktuell eine Botschaft, die in vielen Portfolios lange unterschätzt wurde: Wenn Staatsanleihen in mehreren Schlüsselregionen die höchsten Niveaus seit Jahrzehnten erreichen, ist das weniger ein kurzfristiger Stimmungswechsel als ein neues Bewertungsregime. Kenneth Orchard, Leiter des internationalen Fixed-Income-Geschäfts bei T. Rowe Price, beschreibt die Phase als strukturell geprägt. In seiner Einordnung geht es um einen länger anhaltenden Trend „höher für länger“ bei den Bond Yields, selbst wenn die jüngste Verkaufswelle an den Märkten womöglich dem Ende entgegengeht.

Der Kern seiner These betrifft die Entstehung des Renditedrucks. Orchard verknüpft ihn mit großen fiskalischen Defiziten in vielen entwickelten Volkswirtschaften und mit Faktoren, die Preise immer wieder anschieben: Kriegs- und Störungsdynamiken, El Nio sowie die jeweilige japanische Geld- und Fiskalpolitik als Beispiel dafür, wie sich internationale Rahmenbedingungen gegenseitig verstärken. Entscheidend ist dabei weniger die Tagesnachricht als die Persistenz der Inflationskomponente. Der Manager argumentiert, dass zentrale Banken zwar versuchen, an den Rändern gegenzusteuern, aber eine wirklich harte Inflationsbekämpfung politisch und konjunkturell teuer wäre, weil dafür typischerweise eine Rezessionsgefahr in Kauf genommen werden muss.

Auch die konkrete Erwartung an die nächste Politikphase bleibt in seiner Darstellung vorsichtig. Er sieht die Fed und andere Zentralbanken in einer Lage, in der sie kurzfristig noch einmal nachlegen könnten, um die Märkte zu beruhigen und Inflationserwartungen zu verankern. Gleichzeitig bezweifelt er, dass der Politikapparat den Mut für den großen, unpopulären Schritt aufbringt, der Inflation dauerhaft auf Zielniveau drückt. Für die Frage, warum eine Welle steigender Renditen nahe ihrem Ende sein könnte, nimmt er die Marktmechanik ins Visier: Die Bewegung sei seit Anfang März im Gange, und die üblichen Ausverkaufsphasen der vergangenen Jahre seien historisch betrachtet nicht wesentlich länger gewesen. Bei der Bewertung nennt er für die USA insbesondere das Niveau realer Politikrate-Erwartungen im Zehnjahresbereich als Orientierungspunkt.

Spannend wird es, wenn er den Blick aus den USA auf Japan und dann auf die globalen Auswirkungen weitet. Orchard beschreibt Japan als den Teil der Welt, der lange hinter der Inflationsdynamik hinterherlief, etwa weil die Bank of Japan in der Vergangenheit „hinter dem Kurs“ gewesen sei. Der neue politische Rahmen in Japan drängt seiner Lesart stärker auf Wachstum und trifft zugleich auf Zurückhaltung gegenüber schnellen Zinsanhebungen. Das schafft ein Spannungsfeld: Wenn der geldpolitische Kurs straffer wird, kann das über Opportunitätskosten ausstrahlen, weil japanische Institutionen und Haushalte tendenziell weniger Anreiz haben, Kapital ins Ausland zu verschieben. Genau diese Kette dient ihm als Erklärung dafür, warum der Renditeschub in anderen Bond-Märkten zusätzlichen Gegenwind erhält.

Seine Inflationsthese bleibt dabei nicht nur makroökonomisch, sondern geht auch über Energiekosten und Angebotsengpässe in die Realwirtschaft. Für Europa verweist Orchard auf Gas als zentrales Risiko, das indirekt in Strompreise durchschlägt und dadurch die Eurozonen-Inflation weiter stützen kann. Er nennt zudem Rohstofftreiber: Eine mehrjährige Produktivitätsdynamik von 2012 bis 2022 sei im Kern abgeklungen; außerdem würden neu erschließbare Ölvorkommen teurer. Bei Agrar- und Metallrohstoffen spielen geopolitische Konflikte, Klimawirkungen und El Nio eine Rolle, während strengere Umweltstandards den Aufbau neuer Kupferminen erschweren. In Summe erwartet er damit nach oben gerichteten Druck auf die „headline inflation“, während bei der „core inflation“ sinkende Arbeitskräftepotenziale die Lohnentwicklung dämpfen könnten, aber seiner Einschätzung nach nicht zwingend stark genug, um Inflationsraten nachhaltig nach unten zu drücken.

Für Anleger leitet er daraus eine klare Portfolioperspektive ab: Inflation-linked Securities seien lange zu pauschal abgetan worden, weil man ihnen unterstellt habe, ohne Mehrwert nur zusätzliche Volatilität zu erzeugen. Orchard dagegen nennt Erfahrungen aus der Vergangenheit und betont den Unterschied zwischen nominalen Staatsanleihen und inflationsindexierten Produkten, etwa über den längeren Zeitraum bis in die letzten Jahre hinein. Besonders wichtig wird sein „income-focused lens“: Er empfiehlt, Anleihen nicht als reine Absicherung gegen Börsenturbulenzen zu betrachten, sondern als Vehikel für regelmäßigere, stabilere Cashflows. Der Gedanke dahinter ist simpel: Wenn die laufende Verzinsung durch höhere Yields steigt, kann das kurzfristige Kursrückgangsrisiko im Portfolio rechnerisch leichter zu überbrücken sein, weil Erträge die Gesamtrendite stützen.

Damit verknüpft er auch die Debatte um „Crowding-out“ im Umfeld von KI- und Technologieinvestitionen. Er stellt klar, dass das klassische Crowding-out-Argument historisch primär auf Staatsverschuldung bezogen war. Heute beobachtet er eher eine Verdrängung innerhalb des privaten Sektors: Die stärkste Nachfrage nach Finanzierung sieht er im Wohnimmobilienbereich, aber auch Hyperscaler würden über Finanzierungs- und Kapitalallokationsentscheidungen den Hypothekenmarkt spürbar beeinflussen. Für KI-Entwicklungen leitet er daraus ab, dass die erwarteten Renditen in der Technologie-Pipeline hoch veranschlagt werden und Investoren weniger stark auf Zinsniveaus reagieren als in anderen Marktsegmenten. Schließlich bleibt sein Fazit für das Ende der Reise offen: Entwickelte-Markt-Renditen seien aus seiner Sicht „fast sicher“ noch nicht am oberen Gleichgewicht angekommen, weil die Inflationsbekämpfung noch nicht als abgeschlossen gilt.


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