LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einer aktuellen Prognose des US-Arbeitsmarkts wachsen bis 2035 vor allem zwei Bereiche deutlich schneller als der Rest: Versorgungsunternehmen und das Gesundheitswesen. Die Versorgungsbranche soll ihre Beschäftigung um 9,8% steigern, angetrieben unter anderem vom Ausbau der Stromerzeugung sowie von neuen Anforderungen durch KI-gestützte Rechenzentren. Im selben Zeitraum wächst das Gesundheitswesen um 2,2 Millionen Stellen und stellt damit rund 37% der neu entstehenden Jobs. Während KI in einigen Büro- und Kreativbereichen Stellen dämpfen kann, bleiben daten- und techniknahe Rollen stark gefragt.

Die US-Arbeitsmarktaussichten für die nächsten zehn Jahre fallen insgesamt eher gedämpft aus, gleichzeitig aber zeichnet sich ein klares Muster ab: Nicht der gesamte Arbeitsmarkt legt gleichmäßig zu, sondern einzelne Branchen laufen davon. Von 2025 bis 2035 soll die Gesamtbeschäftigung um 5,9 Millionen Jobs auf 176,2 Millionen steigen. Das entspricht einem Wachstum von 3,5% – deutlich langsamer als der 10,9%-Zuwachs im Jahrzehnt davor. Im Ergebnis verschiebt sich die Nachfrage nach Arbeitskräften spürbar hin zu Tätigkeiten, die direkt mit Energieversorgung, Pflege und medizinischen Dienstleistungen zusammenhängen.
Besonders auffällig ist der erwartete Beschäftigungszuwachs in der Stromwirtschaft. Die Branche gilt laut der Prognose als schnellster Arbeitgeber, mit einem Plus von 9,8% bis 2035. Der Treiber ist nicht abstrakt „Digitalisierung“, sondern der konkrete Ausbaubedarf für Energieinfrastruktur: Hyperscaler müssten Rechenzentren errichten oder erweitern, was enorme Mengen Strom nach sich zieht. Darauf verweist auch die Formulierung der Arbeitsmarktstatistik: Das Jobwachstum soll insbesondere aus der Erzeugung sowie aus dem Transport und der Verteilung von Elektrizität kommen – explizit auch wegen der steigenden Stromnachfrage, die mit KI-Rechenanforderungen zusammenhängt.
Innerhalb dieser Kategorie werden laut Prognose sogar Teilsegmente besonders kräftig wachsen. Solarbasierte Stromerzeugung soll um 153% zulegen, Windstromerzeugung um 62%. Diese Zahlen sind mehr als nur eine Branchenstory für Energietechniker: Sie bedeuten, dass sich Investitionszyklen und Wartungsbedarfe in mehreren Wertschöpfungsstufen in neue Arbeitsplätze übersetzen. Für sich genommen kommt die zusätzliche Einstellung der Versorgungsunternehmen damit auf rund 58.800 Jobs, aber genau hier liegt der entscheidende Kontrast: Die Energiebranche liefert zwar den höchsten prozentualen Zuwachs, in absoluten Zahlen dominiert eine andere Branche.
Das Gesundheitswesen und soziale Hilfeleistungen soll im selben Zeitraum um 2,2 Millionen Stellen wachsen und damit den deutlich größten Beitrag zu den neuen Jobs leisten. Mit 9,5% ist es gleichzeitig der zweitschnellste Sektor – und es wird bis 2035 voraussichtlich etwa 37% aller neu entstehenden Jobs auf sich ziehen. Als Begründung nennt die Prognose vor allem den demografischen Faktor: Eine alternde Bevölkerung erhöht die Nachfrage nach Versorgung. Zusätzlich steigen Belastungen durch chronische Krankheiten, etwa Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes, wodurch Pflege, Diagnostik und begleitende Behandlungsprozesse länger und häufiger nachgefragt werden.
Auch auf der Ebene einzelner Berufe ist die Wachstumsrichtung klar. So sollen Nurse Practitioners um 41% zulegen; ebenso werden für medizinische und Gesundheitsdienstleistungsmanager ein Plus von 24% erwartet. Gleichzeitig adressiert die Prognose ein Spannungsfeld, das viele Bürojobs heute beschäftigt: die Sorge, KI könne Stellen in Software- und Programmierberufen ersetzen. Dem stehen jedoch Daten und Prognosewerte gegenüber: Der Bedarf an technischem Know-how bleibt hoch. Der Bereich „Professional, Scientific and Technical Services“ wird als dritt-schnellster Sektor genannt, mit einem Wachstum von 8,6% und einem zusätzlichen Stellenvolumen von 926.700. Auf Beschäftigtenebene werden zudem Data Scientists mit 34,6% Zuwachs erwartet sowie Computer- und Informationsforschungswissenschaftler mit 21,8%.
Die Botschaft für Büro- und Wissensarbeit ist damit differenziert: KI kann Arbeitsabläufe beschleunigen, aber sie schafft in vielen Organisationen zugleich neue Rollen entlang der Modell-, Daten- und Integrationskette. Aus der Passage lässt sich außerdem ableiten, dass auch die öffentliche Debatte über einen „Jobs-Untergang“ nicht mehr monolithisch ist: In der Quelle wird erwähnt, dass führende KI-CEOs frühere sehr zugespitzte Prognosen zurückgenommen haben. Dennoch bleibt nicht alles automatisch positiv. Die Prognose nennt Bereiche mit abnehmender Beschäftigung: Das Büro- und Verwaltungsunterstützungssegment soll um 4% zurückgehen (entspricht 752.100 Jobs). Parallel sinken auch Verkaufs- und verwandte Tätigkeiten um 1,4%, unter anderem weil E-Commerce weiter wächst und KI-Tools stärker in Geschäftsprozesse eingebettet werden.
Technisch betrachtet beschreibt die Prognose damit weniger einen „Ersetzungsmechanismus“ und mehr eine Verschiebung von Aufgaben innerhalb von Rollen. Wenn generative KI Software repetitive Teile von Prozessen automatisiert und Abläufe beschleunigt, sinkt der Bedarf an Arbeitszeit für bestimmte Routinetätigkeiten – und genau deshalb kann die Nachfrage für einige Jobs im Umfeld von Kunst, Design, Unterhaltung, Sport und Medien begrenzt werden. Für Unternehmen heißt das: Personalplanung und Weiterbildung werden stärker zu einem Management-Thema. Wer KI-gestützte Workflows einführt, sollte gleichzeitig prüfen, welche Kompetenzen dadurch wachsen (z.B. Datenanalyse, Systemintegration, fachliche Validierung) und welche typischerweise schrumpfen (z.B. wiederkehrende administrative oder rein ausführende Tätigkeiten). Die Prognose liefert damit eine zahlenbasierte Landkarte dafür, wo sich Investitionen in Menschen besonders schnell auszahlen dürften.
Am Ende zeigt der Zeitraum bis 2035 vor allem eines: Der Arbeitsmarkt reagiert auf Infrastrukturbedarfe und demografische Realitäten deutlich schneller als auf reine Innovationsversprechen. Die Kombination aus Energieausbau für Rechenzentren und einem langfristigen Gesundheitsbedarf erzeugt eine robuste Nachfrage, während KI die Verteilung von Aufgaben innerhalb einzelner Berufsfelder neu sortiert. Für Entscheider ergibt sich daraus ein praktischer Fokus: Kapazitäten dort aufbauen, wo Nachfrage nach System- und Versorgungsleistung wächst, und parallel Weiterbildungen für die Rollen organisieren, die durch Produktivitätsgewinne von KI profitieren – statt nur „Jobs nach Titel“ zu betrachten.
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