DÜBENDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Ab dem 7. September koppelt Dübendorf zwei Mikrogravitations-Stufen in einem operativen Rahmen: Parabelflüge und orbital ausgerichtete Forschung auf der Internationalen Raumstation ISS. Der Center for Space and Aviation Switzerland and Liechtenstein (CSA) verankert dafür einen integrierten Weg am Switzerland Innovation Park Zurich – vom Labor bis zur Qualifikation. Gemeinsam mit Starlab stellt CSA drei ausgewählte, kostenfreie Wettbewerbsexperiment-Plätze für den ISS-Zugang bereit. Ziel ist ein durchgängiger europäischer Zugang zu orbitaler Entwicklung, später auch zu kommerziellen Low-Earth-Orbit-Stationen wie Starlab.

Wer in Europa neue Raumfahrttechnik entwickeln will, stößt oft nicht an die Grenzen des Designs, sondern an die Hürde des „Weltraum-Zugangs“: Es fehlen praktikable Pfade von der Laborreife bis zur Messung unter echter Mikrogravitation. Genau hier setzt der neue Dübendorf-to-orbit-Ansatz an. Ab dem 7. September bündelt Dübendorf zusammen mit dem Center for Space and Aviation Switzerland and Liechtenstein (CSA) einen einzigen operativen Rahmen, der Parabelflüge als erste Mikrogravitätsstufe mit orbitalem Forschungs- und Entwicklungszugang auf der Internationalen Raumstation (ISS) verbindet.
Technisch betrachtet ist der Ablauf damit als gestufte Qualifikationskette gedacht: Zuerst wird am Switzerland Innovation Park Zurich die technische Vorbereitung durchgeführt, anschließend folgen parabolische Flugtests zur In-Situ-Erprobung unter kurzzeitiger Mikrogravitation. Danach schließt sich die Qualifikation in Richtung Orbitalbetrieb an, wobei die ESA-nahe „ISS-Phase“ als unmittelbare Sprungstelle dient. Der Text nennt dafür ausdrücklich „Laborvorbereitung“, „parabolic flight test“ sowie „qualification“ bis hin zu Low-Earth-Orbit-Anwendungen. Besonders konkret wird es in der ersten Ausbaustufe: CSA und Starlab stellen gemeinsam drei anfängliche, frei kompetitiv ausgewählte Experimentplätze bereit, die Forschern den Zugang zur ISS kostenfrei eröffnen sollen.
Für den Standort Dübendorf bedeutet das vor allem eine funktionale Positionierung. Die Region wird als europäischer „Upstream“- und Missionsvorbereitungs-Hub für orbital orientierte Forschung und kommerzielle Aktivitäten in Low Earth Orbit beschrieben. Damit verschiebt sich die Rolle des Systems weg von punktuellen Einzeltests hin zu einem wiederholbaren Prozess, bei dem Start-ups und Unternehmen nicht nur Ideen einreichen, sondern Technologien über mehrere Reifestufen hinweg entwickeln, testen und qualifizieren. CSA knüpft dabei an eigene Erfahrungen aus nahezu zwei Jahrzehnten Missionstätigkeit an und betreibt den Switzerland Innovation Park Zurich sowie eine zugehörige Stiftung als zentrale Bodeninfrastruktur des Systems.
Entscheidend ist zudem, dass der Text den „Gateway“-Charakter nicht nur als Claim formuliert, sondern mit einer Reihe internationaler Schnittstellen belegt. Für Parabelflüge werden Royal Netherlands Aerospace Center (NLR) und Novespace genannt, für Orbitalforschung und künftige kommerzielle Aktivitäten in Low Earth Orbit Starlab. Ergänzend wird Space Florida aufgeführt, das den Weg in das Kennedy-Space-Center- und Cape-Canaveral-Start-Ökosystem öffnen soll. Praktisch entsteht dadurch eine transatlantische Brücke: Europäische Nutzer können Start- und Orbitalforschungskomponenten „beidseitig“ des Atlantiks ansprechen, ohne dass sie den gesamten Entwicklungs- und Missionsprozess selbst als End-to-End-Wertschöpfung aufbauen müssen.
In die strategische Gleichung gehört auch, dass Starlab als US-geführtes, globales Joint Venture beschrieben wird, an dem unter anderem Voyager Technologies, Airbus, Mitsubishi Corporation, MDA Space, Palantir Technologies und Space Applications Services beteiligt sein sollen. Starlab wird dabei als nächste Generation von Raumstation und Ökosystem charakterisiert, das nach der geplanten Ablösung der ISS eine Art industriellen Park in Low Earth Orbit ermöglichen soll. Für potenzielle Kunden ist dabei vor allem die bereits vorgesehene „Pfadlogik“ relevant: Über das Starlab-Ökosystem sollen Forschungen schon jetzt auf der ISS möglich sein und sich später über einen direkten Übergang zur Starlab-Station fortsetzen lassen, sobald diese operativ ist.
Auf der Zeitschiene zielt CSA und die Zurich Innovation Park Foundation auf einen Ausbau bis Ende 2030, bei dem das Gateway zu einem etablierten europäischen End-to-End-System werden soll. Dieses soll dann laut Text Bodenentwicklung, Flug- und Mikrogravitations-Qualifikation, direkten Zugang zu orbitalen Missionen sowie eine transatlantische Brücke für Business und Investitionen integrieren. Damit adressiert das Vorhaben gleich zwei typische Engpässe, die in der frühen Phase Raumfahrtprojekte bremsen: Erstens fehlen Standardwege, die wiederholt von der Testphase in die Orbitalphase führen. Zweitens ist der Zeithorizont für Investitionen schwer planbar, wenn Förder- oder Startfenster unkoordiniert bleiben.
Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Schweiz und darüber hinaus heißt das vor allem: Der Zugang wird als „operational“ beschrieben, nicht als reine Absichtserklärung. Die Kombination aus parabolischer Vorqualifikation in Dübendorf und ISS-Experimentslots kann die Reife von Technologien messbar erhöhen, weil die Ergebnisse nicht nur auf Simulationen beruhen, sondern auf Daten aus echten Mikrogravitationsumgebungen. Gerade für KI-gestützte Auswertungsketten, Sensorik-Entwicklung oder material- und verfahrenstechnische Experimente ist ein durchgängiger Qualifikationspfad in der Praxis wertvoll, weil er schneller Feedbackschleifen erlaubt und die Anforderungen an nachfolgende Missionen besser vorhersagbar macht.
Auch organisatorisch zeichnet sich ein klares Bild: CSA steht als Knotenpunkt zwischen Infrastruktur, Partnern und Kandidaten. In der Einordnung des Textes betont Carmen Walker Späh als Präsidentin des Regierungsrats des Kantons Zürich die Rolle globaler Partnerschaften für die Entwicklung des Hubs. Für den Markt ist das Signal damit zweischneidig, aber im Kern positiv: Wer heute in den Wettbewerb um die drei ISS-Slots geht, erhält früh Zugang zu einem orbitalen Praxisfenster und kann gleichzeitig die spätere Anbindung an kommerzielle Low-Earth-Orbit-Stationen wie Starlab in der eigenen Roadmap berücksichtigen.
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