LONDON (IT BOLTWISE) – Die Internationale Raumstation ISS lässt sich noch gut mit bloßem Auge beobachten, weil sie in niedriger Erdumlaufbahn regelmäßig über viele Regionen hinwegzieht. Besonders häufig gelingt der Blick in den Stunden vor und nach Sonnenauf- und -untergang, wenn die Sonne noch reflektiert. NASA stellt dafür die App „Spot the Station“ bereit, die Überflüge ortsgenau als Benachrichtigungen ausspielt. Gleichzeitig bleibt offen, wann das nächste Crew-13-Team tatsächlich starten kann, während die Besatzung weiter an Bord bleibt.

Wer die ISS bislang eher als „hellen Punkt“ in einer klaren Nacht kannte, bekommt gerade einen zusätzlichen Anreiz zur Beobachtung: Die Raumstation altert physisch, wird perspektivisch aus der Umlaufbahn genommen und gehört damit zu den Highlights, die man nicht für immer im persönlichen Nachthimmel-Kalender behalten kann. Technisch betrachtet ist genau dieses „Ende in Sicht“ aber kein Grund für Spekulationen über kurzfristige Unsichtbarkeit. Stattdessen hängt die Sichtbarkeit vor allem davon ab, wann die ISS die richtige Position relativ zur Sonne einnimmt und wie die Bahngeometrie am eigenen Standort „über dem Horizont“ passt.
Der Kern der guten Beobachtbarkeit liegt in der Orbit-Mechanik: Die ISS umkreist die Erde laut NASA einmal alle rund 90 Minuten und schiebt sich dabei mit einer Geschwindigkeit von etwa 17.500 mph über den Himmel. Für Beobachter am Boden bedeutet das eine erstaunliche Frequenz, weil innerhalb eines Tages nicht nur ein, sondern mehrere Überflüge möglich sind. Dazu kommt die charakteristische Helligkeit: Die Station kann bei passenden Bedingungen zu den hellsten Objekten am Nachthimmel zählen, nur übertroffen von Sonne und Mond. Der Grund ist weniger „Eigenleuchten“ als die große reflektierende Oberfläche, insbesondere durch die ausfahrbaren oder ausgerichteten Solar-Arrays.
Für die Praxis heißt das: Das Timing ist entscheidend. NASA empfiehlt als besonders geeignete Fenster die Stunden kurz vor sowie kurz nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, weil die ISS dann zwar Sonnenlicht reflektiert, tagsüber aber typischerweise nicht gegen das Umgebungslicht ankommt. Laut NASA vollzieht die ISS zudem 16 Umläufe pro Tag, wodurch sich bei vielen Breitengraden mindestens ein Sichttermin pro Monat ergibt; die Planetary Society geht sogar davon aus, dass es je nach Standort häufiger sein kann. Wer in extremen Breiten lebt, kann seltener Glück haben, weil Bahnneigung und Sonnenwinkel anders wirken als in den mittleren Zonen.
Damit aus einer theoretisch möglichen Beobachtung eine konkrete wird, lohnt sich der Blick auf Tracking-Tools. Die NASA-App „Spot the Station“ verteilt Benachrichtigungen, sobald die ISS über die eigene Position hinwegzieht, und liefert zugleich Echtzeit-Trackingdaten. Für Nutzer mit iPhone ist das Angebot kostenlos im Apple App Store verfügbar; Android-Nutzer finden die App entsprechend bei Google Play. Auch ohne Smartphone können Interessierte von einer Online-Ansicht der europäischen Raumfahrtbehörde profitieren, die per Bookmark am Desktop funktioniert und nicht nur den aktuellen Standort anzeigt, sondern auch den Pfad der vergangenen sowie den Pfad der kommenden 90 Minuten darstellt.
Wenn die ISS schließlich am Himmel auftaucht, stellt sich die Anschlussfrage: „Brauche ich Fernglas oder Teleskop?“ In der Regel nicht, denn die Station lässt sich laut Planetary Society ohne spezielle Ausrüstung gut erkennen und wirkt dann wie ein kompakter, heller Lichtpunkt, der schnell über den Himmel zieht. Allerdings können Ferngläser und Teleskope die Beobachtung deutlich „räumlicher“ machen: Dann werden oft Details sichtbar, etwa die Struktur der Solar-Arrays oder einzelne Module, die mit bloßem Auge nur als „eine“ Leuchtfläche zusammenlaufen. Auffällig ist außerdem die Bewegungsrichtung: Wegen ihrer Bahn erscheint die ISS typischerweise so, als bewege sie sich von Westen nach Osten.
Auch die Frage, wer gerade an Bord ist, bestimmt bei vielen Beobachtern das Gefühl für „Gegenwart“. Laut Angaben zum aktuellen Betrieb leben und arbeiten sieben Astronautinnen und Astronauten an der ISS. Dazu zählen vier Personen der Crew-12, die im Februar angedockt sind: NASA-Astronautin Jessica Meir, NASA-Astronaut Jack Hathaway, die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) mit Sophie Adenot sowie der russische Kosmonaut Andrey Fedyaev; diese Crew soll im September wieder abgelöst werden, nachdem die verspätete Crew-13-Mission mit vier Astronauten nachkommt. Die NASA nennt außerdem Anil Menon, der Mitte Juli gemeinsam mit den Roscosmos-Besatzungsmitgliedern Pyotr Dubrov und Anna Kikina an Bord einer Sojus MS-29 für eine achtmonatige Mission eingestiegen ist. Ergänzend ist Eric Lagatta als Space-Connect-Reporter für die Berichterstattung rund um den Raumfahrtbetrieb im Umfeld genannt.
Für die nächsten Wochen und Monate bleibt damit die Beobachtung von der Erde zugleich ein technischer Testlauf für „Bahnkompetenz“ und ein emotionaler Kontext für die Besatzungswechsel. Denn wenn Crew-13 – laut den Angaben zur Verzögerung – zunächst nicht planmäßig startet, rückt das „Hier-und-jetzt“ an der ISS noch etwas näher an den Alltag. Wer also einen klaren Himmel bekommt, sollte das Timing-Fenster um Sonnenauf- und -untergang aktiv nutzen und mit App oder Tracker den exakten Standort am Himmel prüfen. Das ist die pragmatischste Methode, um vor einer späteren Ruhestands- und Deorbit-Phase noch einmal die charakteristische, schnelle Bewegung der Raumstation wirklich mitzuerleben.
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