PORTLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Stadtrat in Portland nimmt eine umstrittene Leerstandsgebühr für lange verwaiste Gewerbeimmobilien vorerst aus dem Maßnahmenkatalog. Hintergrund sind Daten, wonach die Büro-Leerstandsquote im zweiten Quartal fast 28% betrug, in der Innenstadt sogar knapp 39%. Eine städtische Studie kommt zum Schluss, dass die Hauptursachen eher schwache Nachfrage und teure Umbaubzw. Genehmigungshürden sind und eine Gebühr vor allem kleinere Eigentümer belasten würde. Die Stadt setzt stattdessen auf Empfehlungen rund um schnellere Genehmigungen und flexiblere Umnutzungsregeln.

Portland rollt die Idee einer Leerstandsgebühr für lange ungenutzte Büro- und Gewerbeflächen nicht weiter aus. Nach dem Ergebnis einer städtischen Untersuchung gilt die Maßnahme derzeit als „off the table“: Der Stadtrat will dem Thema zwar weiter begegnen, setzt aber vor allem andere Hebel an als eine pauschale Abgabe auf vorhandene Leerstände. Für die Praxis ist das vor allem deshalb relevant, weil die Debatte weniger an der Frage hängt, ob es Leerstand gibt, sondern an der Frage, ob sich Leerstand mit einem Preissignal überhaupt wirksam bewegen lässt – gerade dann, wenn die Ursachen in der Immobilienlogik vor allem bei Nachfrage, Umbaukosten und Genehmigungswegen liegen.
Die Argumentation beginnt mit messbaren Kennzahlen, die in die politische Bewertung eingeflossen sind. Laut Marktdaten des Immobilienberaters Colliers lag die Leerstandsquote bei den Bürogebäuden in Portland im zweiten Quartal dieses Jahres bei nahezu 28%. In der Innenstadt war der Wert noch deutlicher: knapp unter 39% Leerstand. Diese Zahlen liefern den politischen Kontext, in dem der Vorschlag entstanden war, Eigentümer von besonders lange leerstehenden Gewerbeflächen finanziell in die Pflicht zu nehmen. Im Kern sollte die Gebühr Anreize schaffen, Flächen schneller zu vermieten oder umzunutzen. Gleichzeitig zeigt der Schritt der Stadt, dass eine hohe Quote allein noch keine Garantie ist, dass ein gebührenbasierter Ansatz die richtige Stellschraube trifft.
Die Studie, die der Rat inzwischen vorliegen hat, verschiebt den Fokus auf die Ursachenkette hinter den Leerständen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Vacancies „mostly“ durch schwache Nachfrage und kostspielige Hürden bei Aus- bzw. Umbaumaßnahmen entstehen. Genau hier wird der eigentliche Zielkonflikt sichtbar: Eine Leerstandsgebühr wirkt wie ein zusätzlicher Kostenfaktor, kann also Druck erzeugen. Aber wenn die Nachfrage fehlt oder wenn Umbau- und Genehmigungsprozesse so teuer oder langwierig sind, dass eine Umwandlung in vermietbaren Raum kurzfristig nicht gelingt, dann bleibt die Abgabe zwar bestehen, ohne den Engpass wirklich zu lösen. Die Studie macht außerdem geltend, dass eine Gebühr teuer in der Umsetzung wäre, dass sie kleinere oder lokale Eigentümer überproportional treffen könnte und dass sie voraussichtlich nur wenig zur Reduktion des Leerstands beitragen würde.
Aus der politischen Begründung ergibt sich damit eine klare Stoßrichtung: Portland sucht eher nach Maßnahmen, die die Angebotsseite in die Lage versetzen, schneller und günstiger in verwertbare Nutzung umzuschalten. Der Stadtpräsident Jamie Dunphy verwies in den Aussagen gegenüber einem lokalen Medium darauf, dass die Ergebnisse der Studie mit der eigenen Einschätzung aus dem Büro übereinstimmten: Eine Gebühr könne in einem eng definierten Fall effektiv sein, sei aber offenbar nicht das passende Werkzeug, um die aktuellen Probleme zu adressieren. Gleichzeitig betonte das Büro Dunphys, dass die Stadt die Erholung nicht ausbremsen wolle – etwa auch dann, wenn trotz hoher Leerstände gewerbliche Mietpreise nicht spürbar nach unten gehen. Unterm Strich zeigt das: Nicht die Diagnose wird verworfen, sondern die gewählte Therapie.
Für Unternehmen und Immobilienakteure ist besonders interessant, welche Alternativen die Untersuchung konkret benennt. Empfohlen wird erstens, den Genehmigungsprozess günstiger und schneller zu machen. Das klingt nach Verwaltungstechnik, ist aber für die Umbau- und Umnutzungslogik von Gebäuden entscheidend: Je länger und je teurer die Genehmigung, desto höher die „Time-to-Ready“-Phase bis zur wieder vermietbaren Fläche. Zweitens empfiehlt der Bericht, Regeln so zu ändern, dass es einfacher wird, Leerflächen in eine andere Nutzung zu konvertieren. Genau diese Kombination adressiert ein typisches Muster aus der Büroimmobilie: Selbst wenn Eigentümer grundsätzlich bereit sind umzubauen, scheitert es häufig an dem Aufwand, der mit wiederholten Antragsschleifen, komplizierten Umwidmungen oder langwierigen Detailgenehmigungen entsteht. Drittens nennt die Studie gezielte Durchsetzung als wirksamer als eine citywide Pauschallösung, etwa bei „nuisance properties“ oder bei elektiven Leerständen, also Fällen, in denen Objekte aus bestimmten Gründen nicht belegt werden.
Dass die Gebühr nun ausgesetzt wird, bedeutet nicht, dass die Stadt das Thema „Leerstand“ aufgegeben hat – im Gegenteil: Sie verlagert die politische Arbeit in Richtung operativer Durchführbarkeit. Der Unterschied ist technisch und organisatorisch: Während eine Gebühr vor allem als fiskalischer Mechanismus gedacht ist, benötigen die empfohlenen Maßnahmen vor allem Prozess- und Regeländerungen. Für die Entwicklung entsprechender Lösungen in der Praxis heißt das auch, dass Daten und Abläufe eine größere Rolle spielen müssen: Welche Genehmigungsschritte verursachen die meiste Verzögerung? Wie kann die Umnutzung in Kategorien so vereinfacht werden, dass Planungs- und Rechtsrisiken besser beherrschbar sind? Und wie lässt sich die Durchsetzung gezielt so gestalten, dass sie nicht in einer pauschalen Last auf alle Eigentümer mündet. Unabhängig davon, ob man diese Themen als Verwaltungsmodernisierung, als PropTech-Use-Case oder als datengetriebene Stadtsanierung beschreibt, bleibt der Kern: Der Hebel soll dort ansetzen, wo der Umbau wirklich gebremst wird.
Ein weiterer Punkt betrifft die politische Dynamik, weil die Leerstandsgebühr zuvor bereits als Teil eines größeren Prüfprozesses im Raum stand. Der Rat hatte im vergangenen Jahr eine Studie dazu freigegeben, ob eine Abgabe auf lang leerstehende Gewerbeimmobilien helfen kann, Geschäftslagen und Büroflächen wieder zu beleben. Nun liegt das Ergebnis vor – und es wird zugleich entkoppelt von der ursprünglichen Idee einer Gebühr: Laut Darstellung aus dem Umfeld eines mit der Studie verbundenen Ratsmitglieds gibt es keine Pläne, das Instrument weiter voranzutreiben. Damit bleibt die Debatte offen für andere Formen der Intervention, etwa die Kombination aus schnellerer Genehmigung, flexibleren Nutzungsregeln und gezielter Durchsetzung. Für Beobachter in Portland ist damit weniger die Frage „ob“ relevant, sondern „wie schnell“ und „wie präzise“ die Stadt die Mechanismen hinter Leerstand verbessern kann.
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