LONDON (IT BOLTWISE) – Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) drängt Ministerpräsident Olaf Lies, einen Masterplan Wärmewende für das Land zu starten. Dr. Susanne Schmitt argumentiert, dass Klimaziele im Gebäudesektor derzeit schwer erreichbar sind, wenn Sanierungen und Wärmeversorgung nicht zusammen gedacht werden. Zugleich kritisiert der Verband, dass ineffiziente Förderlogiken hohe Kosten verursachen und Mieterhaushalte überproportional belasten könnten. Im Zentrum steht daher ein koordinierter Umsetzungsplan, der Investitionen messbar wirksamer macht.

In der Wärmewende geht es nicht nur um Technik, sondern vor allem um Prioritäten: Welche Maßnahmen senken tatsächlich CO2, ohne soziale Verwerfungen auszulösen. Genau hier setzt der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) an und fordert einen umfassenden „Masterplan Wärmewende“ für das Land. Adressat ist Ministerpräsident Olaf Lies; der vdw will die Umsetzung so strukturieren, dass die ambitionierten Klimaziele der Landesregierung im Gebäudesektor realistisch werden. Für den vdw ist die Lage dabei dringend, weil sich im Bestand die Kombination aus Gebäudesanierung und treibhausgasneutraler Wärmeversorgung zwingend gegenseitig bedingt.
Dr. Susanne Schmitt, Verbandsdirektorin des vdw, beschreibt die Dekarbonisierung im Gebäudebestand als derzeit schwer einschätzbar. Entscheidend sei eine zweigleisige Vorgehensweise: „maßvolle Sanierungen“ sollen die Energiebedarfe reduzieren, während die anschließende Wärmeversorgung über treibhausgasneutrale Energie erfolgen müsse. Diese Kopplung ist technisch plausibel, weil sie die Lasten im Netz- und Anlagenbereich begrenzt und zugleich verhindert, dass die Wärmequelle zwar klimafreundlich wird, aber ein großer Teil der Einsparung im Gebäude selbst ausbleibt. Der vdw macht zudem deutlich, dass der Gebäudebestand nicht nur energetisch gedacht werden darf, sondern auch als Wohnraum mit klaren Grenzen für die finanzielle Tragfähigkeit der Mieter.
Die Sozialdimension bildet im Schreiben einen zentralen Prüfpunkt: Die rund 180 dem vdw angehörigen Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften streben eine Transformation an, die „sozialverträglich“ bleibt und den Mietfrieden nicht gefährdet. Konkret heißt das, dass umfangreiche Investitionen in neue Energie- und Regelungstechnik oder in die Gebäudehülle nicht zu Mietsteigerungen führen dürfen, die „Zehntausende“ von Mieterhaushalten finanziell überfordern würden. Aus technischer Sicht verweist das auf eine häufige Stellschraube in Sanierungsprojekten: Nicht jede Maßnahme ist gleichermaßen effektiv pro eingesetztem Euro. Wer zudem die Wirtschaftlichkeit und die daraus folgenden Kostenfolgen für die monatliche Belastung ernst nimmt, braucht eine Sanierungsstrategie mit klarer Reihenfolge, belastbaren Annahmen zu Energiepreisen und eine präzise Abstimmung zwischen technischen Zielwerten und deren finanziellem Hebel.
Die Kritik des vdw richtet sich auch gegen die Förderlogik. Dr. Schmitt fordert, Investitionen so effizient wie möglich zu gestalten, um „Verschwendung von Ressourcen“ zu vermeiden. Dabei nimmt sie politische Strategien auf Bundes- und Landesebene ins Visier, die aus ihrer Sicht hohe Kosten verursachen. Als konkretes Beispiel nennt sie CO2-Vermeidung über Effizienzhausstandards mit bundesweiten jährlichen Kosten von 263 Milliarden Euro; dem stellt der vdw einen wissenschaftlich gestützten „Praxispfad“ gegenüber, der den Betrag auf 96 Milliarden Euro senken würde. Zum Einordnen zieht sie außerdem einen Referenzwert heran: Bundesweit würden aktuell rund 60 Milliarden Euro pro Jahr in energetische Modernisierung investiert. Für die Debatte ist diese Gegenüberstellung vor allem deshalb relevant, weil sie ein mögliches Effizienzproblem bei Zieldefinitionen und Umsetzungsinstrumenten nahelegt.
Inhaltlich stützt sich der Verband auf den Jahresbericht des Niedersächsischen Landesrechnungshofes. Dessen Kernaussage wird im Schreiben aufgegriffen: Lediglich sieben von einhundert Landesfördermaßnahmen im Klimaschutz würden effektiv zur CO2-Einsparung beitragen. Nach diesem Befund, so der vdw in der Argumentation, müsse der Klimaschutz „wirtschaftlicher“ werden. Diese Formulierung zielt auf die gleiche Frage, die viele Bau- und Versorgungsakteure aus Projekterfahrung kennen: Wie viel CO2-Reduktion entsteht pro Förderung, pro Genehmigung, pro Umbau – und wie oft wird Geld in Maßnahmen gebunden, die zwar gut kommuniziert sind, aber in der Wirkung gegenüber den Ressourcen zurückbleiben? Genau daraus leitet der vdw die Begründung für den geforderten Masterplan ab: Er solle eine festgestellte Misswirtschaft beenden und die Umsetzung auf eine nachvollziehbare, wirkungsorientierte „Rückbesinnung auf Vernunft“ ausrichten.
Mit dem Masterplan verbindet der vdw zudem den Anspruch, wirtschaftlich relevante Sektoren im Land auf eine belastbare Planungsgrundlage zu stellen. Dr. Schmitt betont die Dringlichkeit, weil sie die Einführung als überfällig bezeichnet. Inhaltlich geht es dabei weniger um ein neues Schlagwort, sondern um Koordination: Landesregierung und Kommunen, Energie- und Versorgungswirtschaft sowie die Wohnungs- und Mieterwirtschaft sollen ebenso eingebunden werden wie Gewerbe und Handwerk. Für die Praxis bedeutet das vor allem, dass Fördermechanismen, Ausbaupfade für Wärmeinfrastruktur und Sanierungsprogramme nicht mehr parallel laufen dürfen, ohne zueinander zu passen. Wenn diese Abstimmung gelingt, kann der Masterplan auch die Auswahl von Maßnahmen beeinflussen: Eine Kombination aus zielgerichteten Sanierungen, treibhausgasneutraler Energieversorgung und einer konsequenten Effizienzprüfung bei Investitionsentscheidungen ist genau die Logik, die der vdw als Gegenmodell zu bestehenden Fehlstrategien beschreibt.
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