LONDON (IT BOLTWISE) – Santiment-Daten zeigen, dass XRP-Halter über 12 Monate rund -11,8 % im Minus liegen, während Bitcoin nahe dem Break-even handelt. Diese Gegenpositionen sprechen laut dem MVRV-Signal eher für eine nächste Bewegung bei Bitcoin. Zusätzlich stützen Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs die These, während XRP bei 1,60 US-Dollar zuletzt scheiterte. Entscheidend wird, ob ETF-Einkäufe anhalten und ob XRP die 1,60-US-Dollar-Marke nachhaltig überwindet.

Die Frage, welches Asset als Nächstes „anspringt“, wirkt im Krypto-Markt oft wie eine Wette auf Stimmung. Im vorliegenden Datengerüst kommt jedoch eine deutlich messbarere Perspektive ins Spiel: Santiment vergleicht für beide Coins das Verhältnis von aktuellem Kurs zum durchschnittlichen realisierten Preis der Halter über die letzten 365 Tage. Für XRP ergibt sich dabei ein klar negatives Bild, für Bitcoin hingegen ein deutlich ausgewogeneres Profil. Genau diese Asymmetrie – XRP-Halter im laufenden Drawdown, Bitcoin-Halter nahe am Break-even – macht die mögliche nächste Kursbewegung nicht nur zu einer „Chart“-Story, sondern zu einer Dynamik aus realisierten Verlusten, potenziellen Verkäufen und zusätzlicher Nachfrage durch institutionelle Käufer.
Technisch betrachtet basiert das verwendete Signal auf dem 365-Tage-MVRV (Market Value to Realized Value). Der Kern ist einfach: Eine negative MVRV-Interpretation bedeutet, dass typische Käufer (bezogen auf den Realized-Preis) aktuell im Verlust stehen. Für XRP liegt der MVRV laut den Zahlen bei etwa -11,8 %, während Bitcoin, Ethereum und Chainlink leicht über null liegen. Das ist nicht nur eine Momentaufnahme, sondern spiegelt wider, wie stark der Marktpreis gegenüber dem „durchschnittlichen Einstand“ der aktiven Halter abgewichen ist. Wenn MVRV bei einem Asset tief im Minus steckt und später wieder Richtung Null wandert, tritt häufig genau der Effekt ein, dass sich der Verkaufsdruck zeitweise reduziert und Kursgewinne wieder stärker durch Repositionierung statt durch reine Panikverkäufe getragen werden.
Die Performance der letzten Monate liefert dafür konkrete Anknüpfungspunkte. XRP fiel 2026 laut den Angaben um rund 17 % und nochmals um etwa 48 % über das vergangene Jahr, während Bitcoin dieses Jahr nur etwa 3 % nachgab. Entsprechend wurden die Halter-Renditen ungleich verteilt: XRP und Dogecoin verbuchten dabei größere Verluste, Bitcoin blieb vergleichsweise stabil. Besonders auffällig ist der Verlauf innerhalb des Jahres: XRP-Halter sehen laut Santiment bereits eine Erholung in der MVRV-Kurve. Im Juli war der 365-Tage-MVRV demnach bei ungefähr -47 % gefallen – ein historischer Tiefpunkt laut der gleichen Darstellung. Danach erholte sich XRP grob um 32 % zurück auf 1,51 US-Dollar, wodurch der MVRV-Wert von tiefen Minusbereichen auf etwa -12 % zurückkam. Das ist als Signal für „spätes“ Risiko relevant: Viele Halter, die zuvor stark im Minus standen, konnten entweder Gewinne realisieren oder zumindest weniger stark unter Druck geraten.
Genau hier setzt die Unterscheidung zwischen „Preisbewegung“ und „Kapitalzufluss“ an. Die MVRV-Logik erfasst vor allem Coins, die aktiv bewegt werden; sie berücksichtigt laut Quelle zudem Käufe, die auf Börsen geparkt bleiben und noch nicht in den Realized-Wert eingeflossen sind. Bei Bitcoin verschiebt sich das zuletzt spürbar zugunsten des breiteren Nachfragekanals: Spot-Bitcoin-ETFs in den USA sollen laut den Angaben am 21. und 22. September Investitionen in Höhe von etwa 1,7 Milliarden US-Dollar verzeichnet haben. Das bedeutet in der Praxis: Kursunterstützung kommt nicht nur aus „Halter leiden weniger“, sondern auch aus zusätzlicher, institutionell getriebener Nachfrage. XRP dagegen steht weiterhin vor einem sehr konkreten technischen und zugleich psychologischen Engpass. Die Quelle beschreibt, dass Versuche, über 1,60 US-Dollar zu brechen (am 22. und 23. September), jeweils scheiterten – der Kurs schloss unter dieser Schwelle. Hinzu kommt ein Hinweis auf die Geschwindigkeit der Nachfrage: XRP-Fonds hätten im September nur 10 bis 19 Millionen US-Dollar pro Woche verzeichnet. Für Marktteilnehmer zählt dabei weniger die absolute Zahl als der Eindruck einer schwächeren Dynamik gegenüber Bitcoin.
Damit wird die „Welche Rally kommt als Nächstes?“-Einordnung im Kern zu einem Abwägen zweier Kräfte: Bei Bitcoin liegt der Vorteil im Zustand der Halterpositionen. Wenn die Halter nahe am Break-even stehen, gibt es weniger strukturellen Anlass, Gewinne aggressiv zu sichern oder Verluste durch Verkäufe zu drücken. Gleichzeitig kann ETF-nahes Buying den Takt vorgeben, selbst wenn sich das MVRV-Signal nicht weiter stark „dramatisiert“. XRP zeigt zwar ein Erholungsfenster über die letzten Monate, doch ein Teil der Erwartung, die man aus dem negativen MVRV ableitet, könnte bereits in der laufenden Gegenbewegung von -47 % auf rund -12 % eingepreist sein. Kurz: XRP hat aus Sicht der Halter zwar einen besseren „Rebound“-Pfad als zuvor, aber die entscheidende Frage lautet, ob die nächste Aufwärtsphase durch echte Nachfrage ausgelöst wird oder an Widerständen abreißt.
Unternehmerisch gedacht ist das Ergebnis weniger eine Anleitung zum kurzfristigen Trading, sondern ein Beispiel dafür, wie sich Marktlogik über Kennzahlen in „Entscheidungsräume“ übersetzen lässt. In vielen Krypto-Strategien ist MVRV eine Art Filter: Steht ein Asset tief im Minus, kann eine Rally zwar möglich sein, aber sie kann ebenso von weiterer Verlagerung von Coins begleitet werden. Wenn dagegen institutionelle Vehikel wie Spot-ETFs den Zufluss verstärken, wirkt die Preisbildung oft stabiler, weil die Käuferbasis breiter ist als ausschließlich aus dem „Halter-Pain“-Mechanismus. Für die Praxis heißt das auch: Wer Portfolios oder Treasury-Entscheidungen rund um Volatilität trifft, kann mit MVRV und Zuflussindikatoren zwei unterschiedliche Ebenen kombinieren – nämlich die psychologische beziehungsweise buchhalterische Ebene der Halter und die Kapitalfluss-Ebene über regulierte, börsengehandelte Zugänge.
Für die nächste Phase formuliert die Quelle die Bedingungen relativ klar. XRP könnte laut Darstellung deutlich zulegen, falls es über 1,60 US-Dollar schließt – genannt wird ein Plus von rund 6 % gegenüber dem aktuellen Kursniveau als grobe Referenz. Gleichzeitig bleibt die Bremse: Wenn die ETF-Nachfrage bei Bitcoin abkühlt oder Outflows zunehmen, könnte Bitcoin seine Momentum-Reserve verlieren, selbst wenn das MVRV-Signal aktuell günstig wirkt. Damit entsteht ein eher „prozessualer“ Ausblick: Nicht nur die Kennzahl zählt, sondern die Abfolge aus Zufluss, nachhaltigem Break über Widerstände und der Frage, ob Halter tatsächlich weniger verkaufen müssen oder ob sie bei steigenden Kursen doch wieder in die Profit-Realisation wechseln. Genau diese Kopplung entscheidet häufig darüber, ob aus einem Signal eine anhaltende Trendphase wird oder lediglich ein Sprung im kurzfristigen Erwartungsband.
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