LONDON (IT BOLTWISE) – Beim Liquid-Hack, der von Blockstream verwaltet wird, läuft die Rückabwicklung vorerst an: Die Gruppe erhielt 4.000 BTC aus dem Liquid-Kontext und schickte am Folgetag 3.400 BTC zurück. Insgesamt sollen damit noch rund 598,5 BTC als „Finder’s Fee“ am Angriffs- bzw. Rücksende-Adressat verbleiben. Für den Zeitpunkt der Meldung entspricht das bei rund 78.500 US-Dollar pro Bitcoin etwa 47 Millionen US-Dollar. Unklar bleibt, wie die Parteien ihre Forderungen nach dem Austausch der Informationen in der Blockchain konkret verhandelt haben.

Liquid-Hack beigelegt: Rückgabe von 3.400 BTC, Finder’s Fee bleibt strittig
Liquid-Hack beigelegt: Rückgabe von 3.400 BTC, Finder’s Fee bleibt strittig (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Liquid-Hack, bei dem rund 4.000 BTC aus dem Umfeld der Liquid-Federation abgezogen wurden, ist nach den vorliegenden Angaben zumindest teilweise „beigelegt“: Die Gruppe, die am Sonntag etwa 4.000 BTC aus der Federation-Wallet abgezogen hatte, überwies am Montag 3.400 BTC zurück. Ein Rest von 598,5 BTC blieb hingegen an der ursprünglichen Adresse erhalten. Der gemeldete finanzielle Effekt liegt bei rund 47 Millionen US-Dollar, also bei etwa 40 Millionen Euro, wenn man den in der Meldung genannten Bitcoin-Preis von etwa 78.500 US-Dollar zugrunde legt. Auffällig ist dabei vor allem der Prozentsatz: Exakt 15 Prozent der ursprünglich abgezogenen Menge sollen als Finder’s Fee einbehalten worden sein.

Schon der technische Ablauf zeigt, dass es sich nicht um einen klassischen „Krypto-Diebstahl“ über zentrale Börsenkonten handeln musste, sondern um einen Brückenmechanismus im Liquid-Ökosystem. Laut Darstellung wurden 4.000 L-BTC über den Peg-out-Pfad eines Dienstanbieters namens SideSwap eingelöst, anschließend zahlte die Liquid Federation fast 3.996 reale Bitcoin an eine Bitcoin-Adresse aus. Für die kurzfristige Entspannung ist entscheidend, dass auf Netzwerkebene die Peg-out-Autorisierungsschlüssel nicht als kompromittiert eingeordnet wurden; der Fokus richtete sich stattdessen auf einen Fehler in Elements, jener Software-Basis, aus der Liquid technisch aufgebaut ist. In der Folge wurde das Netzwerk angehalten und Börsen stoppten den L-BTC-Handel, indem Ein- und Auszahlungen vorerst ausgesetzt wurden.

Die bemerkenswerte Facette der Ereignisse liegt jedoch in der Kommunikation: Die beteiligten Seiten sollen nicht „außerhalb“ koordiniert haben, sondern über Nachrichten direkt in Bitcoin-Blöcken. Die Gruppe, die sich als white hats bezeichnet, startete demnach mit „contact us on chain“ im OP_RETURN-Feld einer Transaktion, die vom Adressinhaber der 4.000 BTC ausging. Eine mit Blockstream verknüpfte Adresse antwortete zunächst mit einem Kontaktpunkt und wechselte danach in verschlüsselte, PGP-signierte Nachrichten, deren Signaturen gegen einen von Blockstream publizierten Security-Schlüssel verifizierbar sein sollen. Damit wurde aus dem eskalierten Sicherheitsvorfall ein koordiniertes Austauschprotokoll, bei dem beide Seiten nachweisbar Identität und Integrität der Botschaften prüfen können.

In den protokollierten Texten stellten die Absender eine klare Bedingung: Zuerst sollte der Bug behoben und sichergestellt werden, dass „jeder Node“ gepatcht ist, bevor eine sichere Rücküberweisung erfolgt. Stunden später soll Blockstream diese Voraussetzung bestätigt haben, indem in klarer Nachricht die Aussage enthalten war, dass Bridge-Nodes gepatcht und die Rückgabe gefahrlos möglich sei. Erst danach landeten die 3.400 BTC zurück an der Peg-Adresse der Federation; der Rest wurde als „change“ offenbar wieder in Richtung der Absenderadresse umgeleitet. Was danach geschah, wird als Indiz für eine fortdauernde Meinungsverschiedenheit beschrieben: Es sollen weitere verschlüsselte Nachrichten gefolgt sein, bis die white hats schließlich ein „sad face“ als Emoji in die Blockchain geschrieben hätten. Die Inhalte der verschlüsselten Nachrichten sind dabei nicht öffentlich bekannt, und laut Meldung blieb Blockstream zu diesen Punkten bislang schweigsam, was die Interpretation offen lässt.

Auf der ökonomischen Ebene verdeutlicht der Einbehalt von 15 Prozent, wie viel informelle „Bounty“-Logik in der Branche inzwischen verankert ist. Nach größeren Schwachstellen haben sich oft informelle Rückkaufsmodelle etabliert, bei denen Protokolle oder Infrastrukturbetreiber einen Großteil ihrer Mittel zurückerhalten, während Finder eine prozentuale Vergütung erwarten. Die in der Meldung genannten typischen Bandbreiten liegen häufig im Bereich von einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentwerten, oft zusätzlich gedeckelt. Genau deshalb sticht die gemeldete Finder’s Fee von 15 Prozent heraus: Der absolute Betrag von etwa 47 Millionen US-Dollar wird als außergewöhnlich beschrieben, zumal es angeblich keine vorherige Vereinbarung gab und der Betrag damit offenbar einseitig gesetzt worden sein soll.

Rechtlich ist der Fall zudem noch nicht „abgeschlossen“, wie die Meldung betont: Wer ohne Zustimmung Gelder bewegt und einen Anteil einbehält, bewegt sich demnach in einem strafrechtlich relevanten Bereich, unabhängig davon, ob die handelnde Partei sich selbst als white hats beschreibt. Aus Sicht des Netzes wird die Gruppe außerdem in der Berichterstattung als Angreifer eingeordnet. Für Liquid bleibt neben dem unmittelbaren finanziellen Schaden auch ein reputationsbezogenes Risiko: Liquid positioniert sich als institutionelle Bitcoin-Infrastruktur, betrieben von einem Konsortium aus Börsen und Finanzdienstleistern. Genau dieses Vertrauen wird durch die technische Kette berührt: Ein Fehler in Elements habe dazu geführt, dass L-BTC ausgegeben werden konnten, ohne dass sie korrekt durch reale Bitcoin unterlegt waren, und die Federation habe diese Ausgabe anschließend über den Peg-out in echten Bitcoin gespiegelt. Ob und wann das Netzwerk vollständig wieder entsperrt wird, stand zum Zeitpunkt der Darstellung noch offen.

Für Unternehmen, die mit Liquid-Umgebungen arbeiten, liegt die zentrale Lehre weniger im einzelnen Peg-out-Schritt als in der Kombination aus technischer Robustheit und Kommunikationsfähigkeit. Der Vorfall zeigt, dass ein Sicherheitsereignis zwar durch Einfriermechanismen (Pause des Netzwerks, Stopp von Ein- und Auszahlungen) begrenzt werden kann, dass aber die Detailfragen der Ereigniskette – vom Fehler in der Basis-Software bis zur Ausgabe- und Auszahlungslogik – die eigentliche Angriffsfläche darstellen. Gleichzeitig macht die on-chain verifizierbare Kommunikation deutlich, dass gut signierte und validierbare Kontaktwege in der Praxis die Zeit bis zur Stabilisierung verkürzen können, auch wenn sie spätere Streitpunkte über Finder’s Fees nicht automatisch lösen. Genau solche Widersprüche dürften künftig stärker in der Frage münden, wie Betreiber mit klaren, vorab definierten Rückkaufs- und Vergütungsmechanismen umgehen, statt nur auf informelle Absprachen zu setzen.


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