LONDON (IT BOLTWISE) – Eine große Analyse von Daten aus dem UK zeigt: Wer sehr heiße Getränke trinkt, hat im Schnitt ein deutlich höheres Risiko für Speiseröhrenkrebs. In der Auswertung lag das Risiko bei etwa 1,7-fach für „heiße“ Getränke und bei rund dem Dreifachen für „sehr heiße“ Varianten im Vergleich zu warmem Trinken. Besonders relevant ist der Zusammenhang für das Plattenepithelkarzinom (SCC). Als einfache Gegenmaßnahme wird empfohlen, Getränke vor dem ersten Schluck etwas abkühlen zu lassen.

Sehr heiße Getränke erhöhen Risiko für Speiseröhrenkrebs – große UK-Studie
Sehr heiße Getränke erhöhen Risiko für Speiseröhrenkrebs – große UK-Studie (Foto: IT BOLTWISE)
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Sehr heiße Kaffee- und Teetassen könnten einen kleinen, aber messbaren Einfluss auf die Entstehung von Speiseröhrenkrebs haben. Das legt eine Studie nahe, die als bisher umfangreichste Auswertung ihrer Art die Daten aus mehreren großen UK-Kohorten zusammengeführt hat. Laut den Ergebnissen bleibt das absolute Risiko zwar insgesamt niedrig, dennoch fanden die Forschenden „klare Evidenz“ für einen Zusammenhang zwischen Trinktemperatur und dem Krebsrisiko.

Im Zentrum der Analyse standen Angaben von rund 980.000 Erwachsenen aus zwei großen Datensätzen: UK Biobank und der Million Women Study. Die Temperatur der Getränke wurde dabei nicht direkt gemessen, sondern anhand der Selbstauskünfte und Einstufungen der Teilnehmenden auf ein Temperaturprofil übertragen. Der Effekt zeigt sich abgestuft: Wer angab, heiße Getränke zu mögen, hatte demnach etwa ein 1,7-fach höheres Risiko. Bei „sehr heißen“ Getränken lag das Risiko bei rund dem Dreifachen im Vergleich zu Personen, die ihre Getränke als warm einordneten.

Auch die Trinkhäufigkeit spielte in der Studie eine Rolle. Wer sechs oder mehr heiße Getränke pro Tag konsumierte, wies demnach ein erhöhtes Risiko auf, verglichen mit Personen, die weniger als sechs solcher Getränke pro Tag angaben. Besonders wichtig ist zudem die Differenzierung der Krebsarten: Bei den Ergebnissen wird ein Zusammenhang vor allem für das Plattenepithelkarzinom (SCC) sichtbar, das einen der beiden Haupttypen von Speiseröhrenkrebs darstellt. Für Adenokarzinome zeigte sich dagegen „kein offensichtlicher“ Einfluss der Trinktemperatur.

Als historische Einordnung verweist die Studie auf eine bereits ältere Klassifizierung der International Agency for Research on Cancer (IARC) aus dem Jahr 2016. Dort wurde „sehr heißes“ Trinken – definiert als Temperaturen über 65C – als „wahrscheinlich krebserregend“ eingeordnet. Neu an der aktuellen Arbeit ist, dass sie diese Frage gezielt auf die westlichen Konsumgewohnheiten von Kaffee und Tee zuschneidet: Für westliche Populationen wird die typische Trinktemperatur laut Studie auf ungefähr 60C geschätzt, also knapp unter der IARC-Schwelle, aber dennoch in einem Bereich, der offenbar für das SCC-Risiko relevant sein kann.

Die Forschenden aus Oxford Population Health am University of Oxford berichten zudem, dass der direkte Mechanismus biologisch plausibel ist: Sehr heiße Getränke könnten die Zellschichten auskleidender Strukturen in der Speiseröhre so stark reizen, dass sich dadurch langfristig die Wahrscheinlichkeit für Krebsentstehung erhöht. Genau diese Hypothese passt auch zur bisherigen internationalen Evidenz, etwa zu mate-getränkten Routinen in Südamerika, die bereits seit Längerem mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Speiseröhrenkrebsformen verbunden werden. Die aktuelle Studie verschiebt den Fokus damit von extrem heißem Trinken in einzelnen Regionen hin zur Frage, ob auch die Temperaturspannen in westlichen Haushalten einen Effekt haben.

Für den Alltag ergibt sich aus den Ergebnissen vor allem eine pragmatische Handlungsoption: Getränke abkühlen lassen, bevor man sie trinkt. In der Berichterstattung heißt es, dass das Abkühlen des Getränks vor dem Schluck oder das Hinzufügen von kalter Milch den beschriebenen Risikoeffekt „entkräften“ kann. Zusätzlich wird in diesem Kontext betont, dass die wirksamsten Maßnahmen zur Senkung des Risikos bei Speiseröhrenkrebs nicht in der Temperaturregel allein liegen: In den Angaben werden insbesondere das Nicht-Rauchen und die Reduktion von Alkohol als die wichtigsten Hebel genannt.

Ein weiterer Punkt für die Einordnung ist die Größenordnung der Erkrankung in Großbritannien. Die Studie ordnet das Thema in ein epidemiologisches Bild ein: Es gibt dort jährlich ungefähr 9.500 Fälle von Speiseröhrenkrebs. Gleichzeitig liegt das Lebenszeitrisiko in der Größenordnung von etwa 1% für die Diagnose eines SCC. Gerade weil das absolute Risiko nicht dramatisch erscheint, wirkt die Temperatur als „kleiner“ Faktor – aber bei sehr großen Bevölkerungsgruppen können schon kleine relative Änderungen in der Risikowahrscheinlichkeit gesellschaftlich spürbar werden, etwa durch zusätzliche Präventionskampagnen und Gesundheitsinformationen.


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