SIOUX FALLS, SOUTH DAKOTA / LONDON (IT BOLTWISE) – Block hat bei der US-Aufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) einen Antrag auf eine nationale Trust-Banklizenz eingereicht. Die geplante Bank Builders Bank & Trust soll Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte verwahren und zudem die Abwicklung von Stablecoins übernehmen. Das Modell kommt ohne Filialnetz aus und ist als nicht-depotführende sowie nicht-kreditvergebende Bank ausgelegt. Entscheidend dürfte sein, ob die OCC die Trust-Form auch für Unternehmen akzeptiert, die nicht im klassischen Sinne treuhänderische Fiduciary-Dienstleistungen erbringen.

Block, das Unternehmen hinter Square und Cash App, treibt seinen nächsten Schritt Richtung institutionelleren Digital-Asset-Diensten voran: Laut Antragsunterlagen hat Block bei der US-Aufsichtsbehörde Office of the Comptroller of the Currency (OCC) ein Gesuch für eine nationale Trust-Banklizenz eingereicht. Ziel ist eine neue Einheit namens Builders Bank & Trust, eine nicht versicherte nationale Trust-Bank ohne Einlagen- und Kreditgeschäft. Im Zentrum steht dabei die Verwahrung von Bitcoin sowie anderer digitaler Vermögenswerte, verbunden mit der Abwicklung von Stablecoins. Damit verschiebt sich Block von einem rein regulatorisch fragmentierten „Lizenzen je Bundesstaat“-Ansatz hin zu einer nationalen Bankstruktur, die die eigenen Services über ein einheitliches Regelwerk skalieren soll.
Technisch und prozessual wirkt das Konzept auf den ersten Blick klar abgegrenzt: Builders Bank & Trust soll keine Einlagen annehmen und auch keine Kredite vergeben. Stattdessen beschreibt Block das Geschäftsmodell als Custody-Funktion und als Ausführung von Kunden-Buy-and-Sell-Orders auf einer „riskless principal basis“ sowie als Stablecoin-Settlement. Für die Praxis heißt das, dass die Bank vor allem die Intermediations- und Abwicklungslogik für digitale Assets bündelt, statt klassische Bankprodukte wie Girokonten oder Kreditlinien anzubieten. Für Unternehmen und Entwickler ist diese Unterscheidung relevant, weil sich damit weniger der Blick auf Vertrieb und mehr der Blick auf Verwahrarchitektur, Abwicklungs-Schnittstellen und betriebliche Kontrollen richtet.
Die Skalierungsargumentation stützt Block auf bereits bestehende Reichweite im regulierten Betrieb: Das Unternehmen betreibt digitale Asset-Services seit etwa acht Jahren unter mehr als 50 Zuständigkeitslizenzen als Money Transmitter und Virtual Currency-Provider. In den Antragsangaben wird zudem ein Volumen von rund 10,7 Milliarden US-Dollar Bitcoin-Transaktionsvolumen für das Jahr 2025 genannt, außerdem rund zwei Millionen monatliche Crypto-Nutzer über Cash App bis zum zweiten Quartal. Die geplante Bundeslizenz, so das Argument, soll diese Aktivitäten „durch einen konsistenten nationalen Rahmen“ begleiten, sobald der Betrieb wächst. Für den Markt ist das deshalb so spannend, weil Custody und Stablecoin-Settlement in der Regel zu den Bausteinen gehören, bei denen Banken-ähnliche Strukturen den größten Hebel haben: Sie können die Komplexität der Abwicklung reduzieren und gleichzeitig einheitliche Kontrollen für Verwahrung und Settlement implementieren.
Der Antrag bleibt jedoch nicht nur ein Standort- oder Organisationsprojekt, sondern eine rechtlich und regulatorisch sensible Weichenstellung. Builders Bank wäre in Sioux Falls, South Dakota, ansässig und kommt ohne Filialen aus. Alle fünf vorgeschlagenen Direktoren leben laut Unterlagen außerhalb der Region; Block bittet deshalb die OCC, die Regel zu umgehen, nach der ein Vorstandsmitglied innerhalb von 100 Meilen wohnen muss. In der angestrebten Rollenbesetzung wird Lee Woolley als Chair und CEO genannt, ein Digital-Asset-Strategie-Lead bei Block und zuvor unter anderem bei Northern Trust und BNY Mellon tätig. Gleichzeitig stellt Block heraus, dass Jack Dorsey selbst nicht als Organ oder Führungskraft Teil des Personenkreises ist; Dorsey erscheint in der Einreichung lediglich als Mitgründer. Die Business-Plan- und Kapitalzahlen wurden zudem als vertrauliche Anlagen eingereicht, und die Bank darf erst nach Zustimmung durch die OCC öffnen.
Auch wenn Builders Bank operativ ohne Einlagen und ohne Kredite auskommt, ist der Stablecoin-Part politisch und strategisch umstritten. Im Hintergrund steht die persönliche Haltung Dorseys zu Stablecoins: Laut dem Text hat er erklärt, Stablecoins nicht besonders zu mögen und stattdessen eher auf Bitcoin setzen zu wollen. Genau diese Diskrepanz macht den Antrag für Beobachter so interessant: Block argumentiert mit der technischen und abwicklerischen Notwendigkeit, während die Debatte in der Öffentlichkeit weiterhin davon geprägt ist, ob Stablecoins langfristig eine gleichberechtigte Rolle gegenüber Bitcoin spielen können. Auf regulatorischer Ebene kommt hinzu, dass die OCC bereits im Dezember fünf Crypto-Trust-Charter „conditionally approved“ hat, darunter Circle, Ripple, BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos, und im Februar drei weitere. Außerdem gab es eine weitere vorläufige Genehmigung für Coinbase im April sowie offene Anträge, etwa von Morgan Stanley, Payoneer, Zerohash, Kraken’s Payward und World Liberty Financial, die mit Donald Trump in Verbindung gebracht wird. Parallel dazu zeigt ein Einzelfall auch das Risiko von „Approval is not automatic“: Im Juli wurde die Wise National Trust abgelehnt.
Besonders bemerkenswert ist schließlich der rechtliche Drehpunkt in der Wortwahl rund um Trust-Aktivitäten: Die OCC hat im April ihre Chartering-Regel angepasst, sodass sie nicht mehr ausschließlich „fiduciary activities“ adressiert, sondern auch „operations of a trust company and activities related thereto“. Block baut seinen Antrag offenbar auf genau dieser Formulierung auf. Die Behörde betont in den Unterlagen, dass die Änderung weder die eigene Zuständigkeit erweitere noch verkleinere. Diese Lesart wird allerdings nicht von allen Akteuren geteilt: Senatorin Elizabeth Warren argumentiert, die OCC verfüge nicht über die erforderliche Autorität, Trust-Charters an Firmen zu vergeben, die keine traditionellen Fiduciary-Work-Dienstleistungen erbringen. Für den Markt bedeutet das: Selbst wenn die OCC das Regelwerk operational für Crypto-Custody auslegt, bleibt die Frage bestehen, wie weit eine Trust-Bankfunktion auch ohne klassisches Treuhand-Portfolio reicht.
Für die Industrie dürfte der Antrag vor allem eine Hebelwirkung für Entwickler und Infrastrukturteams nach sich ziehen. Wenn eine nationale Banklizenz Custody-Prozesse, Order-Ausführung und Stablecoin-Settlement über ein einheitliches Rahmenwerk bündelt, können Partner künftig mit weniger regulatorischen Sonderwegen arbeiten und Schnittstellen standardisierter aufbauen. Gleichzeitig verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf das, was in jeder Banklizenz-Logik letztlich entscheidend ist: operative Kontrollen, Verwahrungssicherheit, Abwicklungszuverlässigkeit und die Fähigkeit, Risiken nicht nur technisch zu mitigieren, sondern auch regulatorisch nachweisbar zu steuern. Unterm Strich geht es bei Builders Bank & Trust nicht nur um die nächste Genehmigungsrunde, sondern um die Frage, ob die Bankarchitektur künftig stärker zum Integrationslayer für digitale Assets wird oder ob der regulatorische Rahmen weiterhin an der klassischen Definition von „Trust“ festhält.
Damit wird der Antrag zur OCC-Lizenz vor allem im Timing entscheidend: Block hat bereits einen großen laufenden Betrieb, der über viele Bundesstaaten lizenziert ist, und nutzt nun den Schritt zur nationalen Trust-Struktur als Skalierungspfad. Für Unternehmen, die Cash-App-nahe Use-Cases unterstützen oder in Custody- und Settlement-Ketten eingebunden sind, könnte das langfristig relevant werden, weil Bank-ähnliche Rahmenbedingungen die Erwartung an einheitliche Prozesse erhöhen. Ob die OCC den Charter-Ansatz für Builders Bank & Trust akzeptiert, bleibt offen; faktisch zeigt der bisherige Verlauf mit bedingten Genehmigungen, zusätzlichen Anträgen und der Ablehnung eines vergleichbaren Falls aber, dass die Behörde das Segment zwar ernst nimmt, die Kriterien jedoch strikt anlegt.
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