BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Im neuen Nutzfahrzeug-Report des TÜV-Verbands fallen 20,3 Prozent der geprüften Fahrzeuge bei der Hauptuntersuchung durch. Besonders häufig geht es dabei um Ölfeuchte und ÖLverlust, außerdem werden Mängel an der Beleuchtung – vor allem hinten – beanstandet. Im Durchschnitt werden die Nutzfahrzeuge zugleich älter: Das Mittelalter liegt inzwischen bei 8,9 Jahren. Die Daten basieren auf 2,37 Millionen Hauptuntersuchungen aus den Jahren 2024 und 2025.

Der aktuelle Nutzfahrzeug-Report des TÜV-Verbands liefert eine recht klare Momentaufnahme für Flottenbetreiber: Etwas mehr als jedes fünfte Fahrzeug schafft die Hauptuntersuchung nicht. Konkret liegt die Mängelquote bei 20,3 Prozent – „erheblich“ oder sogar „gefährlich“ lautet dann die Einstufung. Für Unternehmen ist das weniger eine Schlagzeile als eine harte Planungsgröße, weil ein Teil dieser Befunde typischerweise nicht nur die nächste HU-Taktung betrifft, sondern auch die täglichen Kosten für Standzeiten, Reparaturen und Ersatzfahrzeuge.
Technisch betrachtet entscheidet bei Nutzfahrzeugen oft eine Kombination aus Alterung und Belastungsprofil über den Prüfstatus: Dichtungen altern, Kraftstoff- und Ölwege werden porös, Vibrationen und Temperaturwechsel tun ihr Übriges. Genau diese Mechanik spiegelt sich in der Aussage von Joachim Bückler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. Er nennt als besonders häufige Schwachstellen „Ölfeuchte und Ölverlust“, die mit steigendem Alter zunehmen, weil austretendes Öl die Umwelt belastet und bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken kann. Damit wird deutlich, dass es sich nicht nur um kosmetische Mängel handelt, sondern um sicherheits- und umweltrelevante Defekte an Komponenten, die im Alltag oft lange unbemerkt bleiben.
Auch die Verteilung über Fahrzeugklassen ist für die Praxis wichtig, weil daraus sehr unterschiedliche Wartungsroutinen abgeleitet werden. Während bei Kleintransportern (bis 3,5 Tonnen) und schweren Lkw (ab 18 Tonnen) bei fast 22 Prozent der Hauptuntersuchungen erhebliche oder gefährliche Mängel festgestellt werden, liegt die Quote bei mittleren Lkw (7,5 bis 18 Tonnen) bei 16,3 Prozent. Bei leichten Lkw (3,5 bis 7,5 Tonnen) fällt sie mit 19,8 Prozent zwar ebenfalls hoch aus, bleibt aber unter dem Niveau der „Spitzenklasse“. Die Differenzen lassen sich als Hinweis lesen, dass Einsatzzweck, Fahrprofile und Wartungsbedingungen je Segment anders altern – und dass ein pauschales Wartungsprogramm selten die gesamte Flotte optimal abdeckt.
Dass sich die Mängelquote zuletzt „kaum verändert“ hat, bedeutet nicht automatisch Entwarnung. Denn parallel steigt das Durchschnittsalter der Fahrzeuge spürbar weiter an: Es liegt inzwischen bei 8,9 Jahren, also ein Jahr mehr als im TÜV-Report 2017. Dieser Punkt ist für die technische Asset-Strategie zentral. Wer Flottenfahrzeuge langfristig betreibt, verschiebt unvermeidbar den Schwerpunkt von frühzeitigen Kinderkrankheiten hin zu Verschleißbildern, bei denen selbst kleine Abweichungen – etwa bei Dichtflächen, Schlauchführungen oder Leckageindikatoren – mit der Zeit zu Prüfproblemen werden können. Dass der neue Report auf 2,37 Millionen Hauptuntersuchungen aus den Jahren 2024 und 2025 basiert, erhöht dabei die statistische Aussagekraft für die Standort- und Flottenplanung.
Bei der Frage, „was am häufigsten kaputt war“, verdichtet der Report die typischen Defektmuster: Ölfeuchte und ÖLverlust sowie Beleuchtungsprobleme. Im Bereich Beleuchtung nennt der TÜV-Report besonders häufig beanstandete Mängel an der hinteren Beleuchtung. Das ist technisch plausibel, weil Heckleuchten in vielen Einsätzen stärker durch Spritzwasser, Schmutz und mechanische Belastung betroffen sind und die Sichtbarkeit im Straßenverkehr sicherheitsrelevant bleibt. Für Betriebe ergibt sich daraus ein konkreter Hebel: Wer Beleuchtungs- und Dichtheitsprüfungen in der eigenen Werkstatt oder über Vor-Ort-Kontrollen konsequent und früh automatisiert bzw. standardisiert, kann die Zahl der HU-Überraschungen reduzieren – selbst wenn die Gesamtquote im Markt sich kurzfristig nur wenig bewegt.
Der Report ordnet die Befunde außerdem in eine größere Marktentwicklung ein: Mehr als 3,8 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland gemeldet. Zum Beginn des laufenden Jahres waren demnach knapp 3,9 Millionen Fahrzeuge erfasst, das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent seit 2017. Kleintransporter bis 3,5 Tonnen machen dabei 3,38 Millionen aus, während der Bestand bei Lastwagen zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen im Zeitraum 2017 bis 2026 um 13 Prozent sinkt. Gleichzeitig steigt der Bestand bei Lastern über 7,5 Tonnen um sechs Prozent. Diese Strukturverschiebung ist für die Nachfrage nach Werkstattkapazitäten, Ersatzteilen und Inspektionsservices relevant: Wenn der Nutzfahrzeugpark insgesamt wächst und das Durchschnittsalter zunimmt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Instandhaltungs- und Prüflasten dauerhaft hoch bleiben.
Für Entscheider in Logistik, Bau- und Kommunalfahrzeugflotten folgt daraus eine Kombination aus operativem Risiko-Management und technischer Modernisierung. Ein Ansatz ist, HU-nahe Schwachstellen systematisch in die Wartungsplanung zu integrieren: Leckageindikatoren lassen sich etwa über regelmäßige Sicht- und Dichtheitschecks, standardisierte Schmier- und Dichtungsinspektionen sowie nachvollziehbare Prüfprotokolle adressieren. Beleuchtung kann durch definierte Funktionschecks und eine konsequente Ersatzteilstrategie gegen alterungsbedingte Ausfälle abgesichert werden. Daneben rückt mittelfristig auch die datengetriebene Instandhaltung in den Fokus: Telemetriedaten oder Werkstatt-Logs können helfen, Trends bei Auffälligkeiten früh zu erkennen und Wartung nicht nur nach Kalender, sondern nach tatsächlichem Anlagenzustand zu planen. So wird aus einem Report über Durchfallquoten ein Werkzeug für Flottensteuerung – besonders in einem Markt, in dem der Fahrzeugbestand wächst, die Fahrzeuge aber zugleich älter werden.
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