LONDON (IT BOLTWISE) – Der neue OM System PEN setzt die PEN-Formensprache fort und kombiniert sie mit In-Body-Bildstabilisierung, elektronischem Sucher und einem schlichten, gut bedienbaren Bedienkonzept. In der Praxis zielt die Ausstattung auf Fotografie ab: Pro Capture erreicht 30 fps, und die Rechenfotografie umfasst unter anderem Live ND sowie High Res Shot mit 80 MP. Beim Video bleibt die Kamera auf 8-Bit-Basis, und die Fokusnachführung per Motiv-Erkennung funktioniert laut Test nur für Fotos. Für 999 US-Dollar bzw. 849 Euro positioniert sich der PEN damit als preisnaher Alltagskörper für Puristen, die Bildqualität ohne „Video-first“-Kompromisse wollen.

Der neue OM System PEN wirkt auf den ersten Blick wie eine konsequente Fortsetzung der PEN-Idee: kompakt, retro angehaucht und mit Bedienelementen, die sich wie „sofort einsetzbar“ anfühlen. Genau diese Mischung macht die Kamera für einen bestimmten Fototyp interessant: Menschen, die unterwegs nicht jedes Mal ihr Setup ausbalancieren wollen, sondern schnell von der Straße zur Aufnahme wechseln. Technisch beginnt das Fundament bei einem 20,4-MP-Four-Thirds-Sensor im Live-MOS-Design. Dazu kommt eine Micro-Four-Thirds-Bajonettlösung, die das System für zahlreiche existierende Objektive im MFT-Umfeld öffnet, ohne dass man zwingend auf ein neues Linsenuniversum wechseln muss.
Im Detail fällt vor allem die Kombination aus elektronischem Sucher und Stabilisierung ins Gewicht. Die Kamera liefert einen EVF mit 2,36 Millionen Bildpunkten und koppelt ihn mit In-Body-Image-Stabilization (IBIS), wobei der Test konkrete Werte nennt: 5,5 Stufen in der Bildmitte und 4,5 Stufen in den Ecken. Ergänzt wird das durch ein Wetterschutz-Konzept nach IPX1, also Spritzwasser-/Tropfschutz für den Alltag. Dazu passt die konstruktive Orientierung: OM System setzt die Bildkomposition bewusst über die linke Schulter-Position des EVF und über einen „Profile Control“-Schalter vorne um. Im Vergleich zum PEN-F-Anklang aus der Formensprache ist das ein praktischer Hebel, weil man Picture Profiles nicht erst in tiefen Menüs suchen muss.
Beim Autofokus und bei der Geschwindigkeit wird die PEN-Linie dann besonders konkret. Der Test nennt einen Hybrid-AF aus Phasendetektion und Kontrastverfahren mit 121 Messfeldern (alle „cross-type“), der bis zu -3,5 EV fokussieren soll. Für zusätzliche Trefferquote sorgt eine Motiv-Erkennung für Menschen sowie Tiere (Hund und Katze), allerdings ausdrücklich für Fotos. Genau hier lohnt der Blick auf die „KI-Logik“ im Kamerabetrieb: Die Kamera nutzt algorithmische Erkennung und rechenbasierte Bildmodi, aber sie ersetzt damit nicht automatisch eine Video-orientierte Motivverfolgung. In der Praxis bestätigt sich das auch über die Serienbilder: Elektronisch sind laut Daten 30 fps möglich, und als Besonderheit nennt der Test Pro Capture, das 12 Frames vor dem vollständigen Auslösen mit aufnimmt, sodass flüchtige Momente nicht durchs „Zu spät gedrückt“ verloren gehen.
Der größere Reiz für viele Käufer liegt jedoch in der Rechenfotografie, nicht in der reinen Sensorkennzahl. OM System packt film-inspirierte Picture Profiles und Art-Filter in die Kamera, die laut Test „straight out of camera“ starke JPEGs ermöglichen. Dazu kommen kreative Werkzeuge, die physische Filter über Software nachbauen: Live ND simuliert Neutraldichtefilter, damit längere Bewegungen fotografisch möglich werden, ohne dass man ND-Filter vor das Objektiv schrauben muss. Noch offensiver wird es mit High Res Shot, das RAW-Bilder mit bis zu 80 MP erzeugen soll. Für Anwenderinnen und Anwender bedeutet das: Wer sonst auf teurere Mittelformat-Workflows ausweicht, kann in vielen Situationen in der Kamera eine deutlich detailorientiertere Struktur herausarbeiten, ohne das gesamte System zu vergrößern.
Ganz bewusst wird der PEN aber als „stills-first“ beschrieben. Beim Video nennt der Test zwar 4K mit 30p und FullHD mit 60p, aber alle genannten Modi bleiben 8-bit. Für Zeitlupe gibt es S&Q FullHD 120p, ebenfalls 8-bit, was in der Praxis zwar für Social-Clip-Use-Cases reicht, für anspruchsvolle Gradierungen aber schnell zu Limitierungen führt. Genau dort setzt die Positionierung an: Der PEN ist kein Vlogging-Körper, sondern eher eine Kamera für Street-, Urlaubs- und Alltagsfotografie, bei der bewegte Motive als Bonus vorkommen. Selbst das Handling unterstützt diesen Fokus: Der Test hebt die Bedienung mit einer Hand hervor, unter anderem durch die Platzierung des Netzschalters auf der rechten Seite der Top-Platte sowie eine separate Speicherkartenklappe seitlich am Gehäuse.
Auch die Markteinordnung macht deutlich, warum diese Kamera trotz ihres Retro-Looks so ernsthaft diskutiert wird. Der Test stellt Preisanker her: Der Body soll 999 US-Dollar bzw. 849 Euro kosten. Zum Vergleich werden u. a. die Fujifilm X-T5 (mit 1.999 US-Dollar bzw. 1.699 Euro) und die Canon EOS R7 (1.649 US-Dollar bzw. 1.449 Euro) als „günstigere Einstiegsklasse mit Wetterschutz/EVF/IBIS“ gegenübergestellt. Gleichzeitig wird Panasonic mit dem Lumix L10 als direkter Gegenpart für unterschiedliche Prioritäten genannt: Der PEN ist kleiner, leichter, wetterschutzfähig und besitzt IBIS und EVF, während der L10 im Test stärker bei Video punkten soll. Was daraus als Entscheidungslogik folgt, ist recht klar: Wer hauptsächlich fotografiert und dabei kreative Rechenmodi sowie schnelle Serienfunktionen nutzen möchte, bekommt beim PEN laut Test spürbar mehr „Fotografiemacht pro Euro“, während man für Video-Features eher in andere Produktlinien schauen muss.
Zum Schluss bleibt die Kernbotschaft des Tests: Der OM System PEN ist für jemanden, der den PEN-F-Stil mochte, eine substanzielle Alternative mit moderneren Stärken. Die Aufnahmeseite profitiert von den Kombinationen aus Motiv-AF, Pro Capture und kreativen Softwaremodi; die Einschränkung liegt bei der Video-Teilmenge. Interessant ist zudem, dass die Laboranalyse im Text zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgewertet wird, weil das neue RAW-Format „noch nicht ausreichend dekodiert“ werden konnte. Für Technik-Fans heißt das: Die Reise geht weiter, sobald stabile Messreihen zur Bildqualität vorliegen. Bis dahin ist der PEN vor allem eine sehr stimmige Antwort auf die Frage, wie sich eine hochwertige, wetterfeste und schnell bedienbare Systemkamera als echtes Alltagsgerät anfühlen kann.
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