LONDON (IT BOLTWISE) – Die OM System Pen bringt die „Computational Photography“-Modi in ein kompakteres Einsteigerpaket. Mit neuem Sucher, IBIS und einem High-Res-Shot mit 50 Megapixeln positioniert sich die Kamera deutlich anders als frühere Pen-Varianten ohne Sucher. Besonders interessant für Praxisbilder sind Live-Composite, Live-ND-ähnliche Effekte sowie Focus-Stacking für Makros. Gleichzeitig zeigt der Test bei Auflösung und Autofokus Grenzen gegenüber Top-Einsteigerkonkurrenz.

Die OM System Pen greift eine Entwicklung auf, die im Micro-Four-Thirds-Umfeld schon seit Jahren an Fahrt gewinnt: Statt sich allein auf reine Sensorphysik zu verlassen, nutzt die Kamera stark verdichtete Rechenverfahren, um typische fotografische „Workflows“ zu vereinfachen. OM System knüpft dabei nicht zufällig an die Pen-Tradition an, aber ordnet die neue Pen klar in die Gegenwart des spiegellosen Systems ein: Der Markenwechsel zu OM System markiert den Schritt vom klassischen Olympus-Pen-Erbe in die aktuelle Produktlinie, und das Design wirkt mit dem neuen Gehäuseansatz bewusst „Einsteiger-freundlich“.
Technisch auffällig ist die Positionierung über das Offensichtliche hinaus. Die Pen ist die erste Pen, deren Gehäuse nicht mehr mit dem Olympus-Schriftzug, sondern mit OM System versehen ist, und zugleich ist sie die zweite Pen innerhalb der Reihe mit eingebautem Sucher. Der OLED-Sucher liefert 2,36 Millionen Punkte bei 0,62-facher Vergrößerung und bleibt damit in der Einsteigerklasse plausibel. Für die Bedienung setzt OM System auf kompakte, aber direkte Bedienelemente: Ein Hebel auf der rechten Oberseite übernimmt nicht nur das Einschalten, sondern auch den Wechsel zwischen Foto, Video und S&Q. In der Praxis fällt dabei auf, dass das „zu schnelle“ Einschalten den Foto-Modus überspringen kann – ein kleines Detail, das bei hektischem Dreh am Gehäuse jedoch realen Einfluss auf die Bedienroutine hat.
Gerade die „Computational Photography“-Funktionen (CP) geben der Pen ihr Alleinstellungsgefühl im Segment. Die Kamera bündelt mehrere Modi, die mehrere Bilder miteinander verrechnen, darunter Live-Composite für kontrollierte Langzeitbelichtungen: Dabei wird das Grundprinzip über Bulb angestoßen, und es werden nur neu hinzukommende Lichtquellen addiert, um Überbelichtungen zu vermeiden – etwa bei Sternenspuren oder Lightpainting. Weitere CP-Mechaniken spiegeln Ideen wider, die man von den stärkeren OM-System-Modellen kennt: Bei Live-ND simuliert OM die Wirkung von Neutral-Dichte-Filtern über Mehrfachbelichtungen, wobei die Pen auf maximal 16 Stufen begrenzt ist. In der Praxis wirkt diese Zahl zwar „handlich“, kann aber knapp werden, wenn man stark abdunkeln möchte – nicht zuletzt, weil das Abblenden bei kleinen Pixeln schneller zu Unschärfe durch Beugung führt. Ein besonders praxisnaher Baustein ist außerdem der High-Res-Shot: Der Sensor wird zwischen den Aufnahmen minimal bewegt, das Ergebnis sind Bilder mit 50 Megapixeln. Für optimale Resultate empfiehlt sich ein Stativ und ein möglichst statisches Motiv; aus der Hand geht es zwar auch, aber die Effizienz sinkt sichtbar.
Beim Handwerk der Bildaufnahme bleibt die Pen nicht bei Rechenmodi stehen. Sie kombiniert einen Bildstabilisator (IBIS) mit einem Bildkonzept, das auf kompakte Objektive zielt. Anders als in der Mittel- und Oberklasse kann der Sync-IS mit Objektivstabilisator nicht genutzt werden; dafür erreicht die Pen laut CIPA im Testbetrieb 5,5 EV Stabilisierung in der Bildmitte und 4,5 am Rand. Im konkreten Handtest mit dem Kitobjektiv M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm III zeigen sich bei 14 mm (entspricht 28 mm im Kleinbild) brauchbare Schärfeergebnisse bereits ab 1/5 s aus der Hand, mit etwas Glück auch um eine halbe Sekunde. Auch beim Autofokus setzt OM auf Hybrid: Kontrast- und Phasendetektion arbeiten zusammen, und erkannt werden Menschen sowie Tiere einschließlich Augen. Für Konzertaufnahmen zeigte sich jedoch eine Grenze: Wenn das Objektiv im Weitwinkel die ganze Bühne erfasst, sind Gesichter teils zu klein, um zuverlässig erkannt zu werden. Das ist nicht nur ein „Theorieproblem“, sondern beeinflusst die Trefferquote in realen Situationen.
Bei der Verschluss- und Videofähigkeit bleibt die Pen im Einsteigerrahmen, ohne komplett hinterherzuhinken. Der mechanische Verschluss schafft als schnellste Zeit 1/4000 s, der stille elektronische Verschluss geht bis 1/32.000 s, wodurch bei schnellen Motiven allerdings Rolling-Shutter-Verzerrungen möglich sind. Im Serienbetrieb sind die Zahlen klar segmentiert: Mit elektronischem Verschluss sind bis zu 30 Bilder pro Sekunde möglich, allerdings ohne AF-Nachführung und im Test bei schneller SD-Karte nur für 22 JPEGs oder 19 Raws am Stück; mit AF-Nachführung sinkt die Rate auf gut 7 Bilder pro Sekunde, dafür bleiben sehr lange JPEG-Serien möglich. Die Pro-Capture-Funktion mit E-Verschluss (bis zu zwölf Bilder vor dem eigentlichen Auslösen) hilft in Actionmomenten, wenn man die Reaktionszeit beim Drücken nicht exakt trifft. Bei Video nimmt die Kamera Cinema-4K (17:9) mit 24p oder Ultra-HD-4K (16:9) mit 30p auf – das ist in der Einsteigerklasse inzwischen nicht mehr „Benchmark“, aber praxistauglich; auffällig ist, dass sehr lange Clips ohne Überhitzung möglich sind und 4K ohne Crop aufgenommen wird. Der Anschluss eines Mikrofons über die Miniklinkenbuchse ist ein spürbarer Fortschritt, ein Kopfhörerausgang fehlt jedoch weiterhin.
Im Kern entscheidet sich die Kaufüberlegung an Bildqualität und Messwerten. Im JPEG-Testlabor, gemessen mit Dead-Leaves-Chart, liegt die Auflösung bei maximal 58 Linienpaaren pro Millimeter – typisch für eine 20-MP-MFT-Kamera, aber unter dem, was viele Vollformatmodelle mit 24-MP-Sensoren erreichen. Das Problem zeigt sich nicht als „zu wenig Schärfe“, sondern als deutlich messbare Grenzen in der Auflösungskurve: Schärfzeichnungsartefakte fallen relativ hoch aus (13,8 %), und ab ISO 800 verschlechtern sich Auflösung und Texturschärfe zunehmend. Bei ISO 6400 ermittelte das Testlabor nur noch 29,2 lp/mm. Das Rauschen ist zwar in den unteren ISO-Stufen weniger kritisch (Signal-Rauschabstand sehr gut), visuell aber erst ab ISO 6400 störend. Ein High-Res-Shot verbessert Moiré und Rauschen und löst feine Details sauberer auf, ist jedoch nur bis ISO 3200 verfügbar. Das Fazit fällt deshalb zweigeteilt aus: Für eine Einsteigerkamera ist die Ausstattung ungewöhnlich stark – IBIS und High-Res-Shot gehören dort nicht zum Standard, und OM Systems zeigt bei CP-Modi einen Fokus, der im Segment selten ist. Gleichzeitig bleiben Sensor- und AF-Limits spürbar, besonders wenn man maximale Detailtreue und konsequent zuverlässige Motivverfolgung erwartet.
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