LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Air Force will Transportflugzeuge als Startplattformen für KI-gesteuerte Drohnenschwärme nutzen. Die Schwärme sollen an Luftwaffenstandorten autonom einen festgelegten Perimeter beobachten und verteidigen. Ein SBIR-Vorhaben zielt darauf, Phase I zu überspringen und direkt in Phase II zu gehen, wobei Firmen bis zum 21. Oktober liefern sollen. Zusätzlich verlangt die Ausschreibung verschlüsselte, manipulationssichere militärische Funkkommunikation, um die Kette aus Start, Steuerung und Einsatz gegen Angriffe abzusichern.

Die US Air Force dreht die Perspektive auf Basissicherheit spürbar: Statt Drohnen nur als Sensoren oder als einzelne Systeme zu betrachten, sollen ganze Schwärme aus unbemannten Flugzeugen als „force-multiplier“ wirken. Im Kern geht es darum, Transportflugzeuge in kurzer Zeit zu einsatzfähigen Startplattformen umzufunktionieren. Genau dafür adressiert die Behörde ein Vorhaben im Rahmen des Small Business Innovation Research (SBIR), dessen Deadline auf den 21. Oktober fällt. Die gewählte Richtung ist dabei nicht nur militärisch motiviert, sondern auch technisch anspruchsvoll, weil die eingesetzten Systeme in der Lage sein müssen, vom Start in einen koordinierten Flugmodus zu wechseln und dann eine Perimeter-Überwachung eigenständig fortzuführen.
Technisch betrachtet wird im SBIR gleich an mehreren Stellen die „Kette“ zwischen Plattform, Schwarmsoftware und Funkabsicherung beschrieben. Ein Teilauftrag lautet, Transportflugzeuge mit bordeigenen Intelligence-, Surveillance- und Reconnaissance-Fähigkeiten aufzurüsten, damit sie als „high-altitude drone motherships“ dienen können. Als Referenz nennt die Ausschreibung ein demonstriertes Prinzip aus dem Umfeld der Luft- und Drohnentechnologie: Ein C-130 konnte 2021 einen Gremlin in der Luft zurückholen, was das Grundmuster für eine mobile Start- und Rückführ-Logik liefert. Dazu kommt ein zweiter Auftrag, der auf die Selbstschutz-Fähigkeit für Mobility Air Forces in umkämpftem Luftraum abzielt. Die Idee: Die Schwärme sollen Vorwärtsbasen schützen, von denen aus Transporter und weitere Flugzeuge operieren, während gleichzeitig die eigenen Luftbewegungen durch einen erweiterten Schutzschirm abgesichert werden.
Gerade der Basisschutz ist als autonome Perimeter-Defense-Netzwerk gedacht. Die Air Force formuliert das Ziel so, dass sowohl „Transport planes“ als auch „forward operating bases“ ihre Fähigkeiten verbessern sollen: Transporter sollen durch integrierte Self-Protection und Aufklärungsfunktionen ihre operative Überlegenheit erhalten, während Standorte ihre Security-Posture durch „rapidly deployable, autonomous perimeter defense networks“ erhöhen sollen. In der Sprache der Ausschreibung klingt das nach einem koordinationsgetriebenen Softwaresystem: Die gleiche KI-Software soll beide Missionen abdecken und beim Übergang vom Flugzeug-Deployment in ein abgestimmtes Schwarmflugmuster nahtlos umschalten. Dazu gehört, dass die Software eine überwachte Route für die Perimeter-Überwachung autonom ausführt – also nicht nur Navigationsdaten verwaltet, sondern auch Ereignisse im Sicht- und Wärmespektrum auswertet und daraus Abwehrhandlungen ableitet.
Der Zeitplan unterscheidet sich zudem von der üblichen SBIR-Logik. Statt zunächst die „customary Phase I“ zu durchlaufen, springt das Programm laut Air Force direkt in Phase II. Begründet wird das mit dem bereits vorhandenen wissenschaftlich-technischen Fundament: Die Koordination mehrerer unbemannter Luftfahrzeuge über KI gelte im privaten Sektor als nachgewiesen. Phase II verlangt von Auftragnehmern, wie cargo planes Drohnenschwärme „at operational altitudes“ aussetzen, um Szenarien für Mobility Air Forces zu simulieren. Für die Drohnen selbst wird konkret gefordert, dass sie die Fähigkeit des Schwarms demonstrieren, einen definierten Perimeter autonom zu überwachen und zu verteidigen – und zwar mit an Bord verfügbaren visuellen und thermischen Sensoren. Dass hier die Sensorik eng an die Verteidigungsfunktion gekoppelt wird, deutet auf ein geschlossenes Wahrnehmungs-zu-Handlungs-Konzept hin, nicht auf eine reine Datenrückmeldung an eine Leitstelle.
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft Cybersicherheit. Die Ausschreibung verlangt „secure, encrypted military communications“ und will damit „readily available data links“ ersetzen, um eine sichere Command-and-Control-Kette zu gewährleisten, die zu den Standards des Department of the Air Force passt. Für Unternehmen und Forschungsteams ist das mehr als ein Zusatzkriterium: Der Schwarm kann nur dann im Feld zuverlässig wirken, wenn die Funkverbindungen gegen Abhören, Manipulation und gegebenenfalls Desynchronisierung geschützt sind. Praktisch heißt das, dass nicht nur Verschlüsselung als „Feature“ zählt, sondern die End-to-End-Integration von Authentisierung, Schlüsselmanagement und robusten Betriebsmodi in den KI-gestützten Einsatz hineinreichen muss. Damit rückt auch die Schnittstelle zwischen Flugregelung, Sensorfusion und Kommunikationsprotokollen in den Fokus, denn genau dort entstehen in der Praxis häufig die größten Latenz- und Ausfallschleifen.
Markt- und Industrieauswirkung hat das Vorhaben gleich in mehreren Richtungen. Erstens erhöht der Ansatz „3-for-1 deal“-ähnliche Paketlogik den Druck, dass ein Konsortium mehrere Fähigkeiten zusammenbringt: Plattform-Deployment, autonome Schwarmkoordination und sichere Funkkommunikation. Zweitens eröffnet die geplante Phase III Dual-Use-Szenarien, die ausdrücklich genannt werden: unter anderem Einsätze durch die National Guard im Inland. Die Air Force skizziert dafür den Nutzen als „instant, wide-area sensor net“ nach dem schnellen Aussetzen eines hochfliegenden Drohnenschwarms von Mobility-Launch-Plattformen, um Überlebende in Naturkatastrophen schneller zu lokalisieren. Daneben wird eine anhaltende, autonome Grenzüberwachung ebenso als Möglichkeit genannt wie weitere zivile Szenarien, etwa Drohnenschwärme, die in Hurrikans fliegen sollen. Für die KI-Entwicklung bedeutet das: Wer nur den Basisschutz optimiert, kann Chancen in der späteren Wiederverwendung der Navigations- und Sensorpipeline verlieren, während modulare Architekturen – etwa für Sensorfusion und Verhaltensplanung – die Wiederverwertung erleichtern.
Aus Sicht der Technologie-Teams ist außerdem wichtig, wie eng die Software an den Einsatzablauf gekoppelt sein soll. Die Forderung, dass „the artificial intelligence software“ den Übergang vom Deployment in den koordinierten Flug und danach in die Perimeter-Überwachungsroute eigenständig ausführt, klingt nach einer integrierten Autonomie-Policy statt nach einer klassischen Supervisor-Logik. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von reiner Bildklassifikation hin zu missionsbezogener Entscheidungsfindung unter realen Bedingungen: wechselnde Sichtverhältnisse, Wärmeunterschiede, Interferenzen und die Frage, wie der Schwarm mit teilweisen Ausfällen umgeht, ohne die Aufgabe insgesamt zu verwerfen. Insgesamt macht das Programm klar, dass die nächste Welle von Drohnenschwärmen nicht nur „mehr“ Fluggeräte meint, sondern ein Betriebssystem für koordinierte Autonomie – und genau dieses Paket soll sich in Phase II unter realistischen Flughöhen- und Einsatzszenarien bewähren.
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