MOUNTAIN VIEW, CALIFORNIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Fahrdienst-Wettbewerber inDrive baut seine Erlöse spürbar über die reine Personenbeförderung hinaus. Das Unternehmen erweitert sein Werbekonzept „Ride Media“, das Passagiere sowohl beim Warten als auch während der Fahrt adressieren soll. Gleichzeitig zieht inDrive mit neuen Führungskräften an: Werbung, Lieferung und Finanzdienstleistungen sollen schneller skalieren, während ein stärkerer Fokus auf vor allem Schwellenländer-Zielgruppen die Reichweite für Marken attraktiver machen soll. Erste Kennzahlen deuten bereits darauf hin, dass sich Nutzer über Mobility hinaus stärker auf Delivery und Kreditangebote verteilen.

inDrive, bekannt dafür, dass Fahrer und Fahrgäste die Konditionen im Grunde selbst aushandeln, testet seit rund einem Jahr einen deutlich breiteren Wachstumshebel als nur Matching von Passagieren und Fahrzeugen. Aus dem Mobility-Kern sind dabei nach und nach weitere Geschäftsfelder entstanden, etwa Werbung, Lieferdienste und Finanzservices. Laut Angaben des Unternehmens hat der Anbieter dabei auch sein Führungsteam in den neuen Sparten gezielt erweitert, um operativ schneller zu skalieren und nicht auf bloßes Cross-Selling zu vertrauen.
Technisch und produktseitig steht bei der aktuellen Ausbaustufe besonders das Werbeangebot „Ride Media“ im Mittelpunkt. Die Idee: inDrive will die Aufmerksamkeit von Nutzern nicht nur im Checkout oder in App-Feeds abgreifen, sondern genau in den Momenten, in denen Nutzer ohnehin warten und unterwegs sind. Aktuell kann das Unternehmen Nutzer anhand von besuchten Orten über einen definierten Zeitraum ansprechen; geplant ist eine Ergänzung um Echtzeit-Targeting. Damit nähert sich inDrive einem Ansatz an, den große Plattformen im digitalen Advertising schon länger nutzen, nur eben eingebettet in eine Mobility-User-Journey, die sich in vielen Schwellenländern anders monetarisieren lässt als auf stärker gesättigten Märkten.
Die operativen Zahlen, die inDrive dazu nennt, sind für die Einordnung zentral. Das Werbegeschäft startete demnach mit einem Pilotlauf im Juli 2025 und wurde anschließend in den Top-Märkten ausgerollt; inzwischen ist es in mehr Märkten verfügbar und erreicht laut Unternehmensangaben über 2 Milliarden Impressionen. Außerdem gewinnt die Plattform demnach messbar zahlende Werbekunden: Mehr als 2.000 Werbetreibende pro Monat sollen dabei aktiv sein, und rund zwei Drittel davon seien Wiederkehrer. Für Marken bedeutet das in der Praxis zweierlei: eine relativ planbare Frequenz über die Nutzerbasis und gleichzeitig Zugang zu Zielgruppen, die für viele klassische Kanäle in Schwellenländern oft schwerer zu adressieren sind.
Während inDrive „Ride Media“ wie eine Brücke vom Mobility-Setup zu Werbeumsätzen aufbaut, bleibt der zweite Skalierungshebel die Liefer- und Service-Ebene. Der Anbieter berichtet, dass sich bereits ein Teil der monatlich aktiven Transaktionsnutzer jenseits von Fahrten bewegt: 13% sollen in 2025 sowohl Mobility als auch mindestens einen Delivery-Service genutzt haben. Parallel dazu verweist inDrive auf einen weiteren Ausbau seiner Finanzangebote über inDrive.Money, bei dem Fahrer kurzfristigen Kredit erhalten können. In Lateinamerika soll die Zahl der von Fahrern über inDrive.Money aufgenommenen Kredite im ersten Halbjahr 2026 im Jahresvergleich um 118% gestiegen sein; verfügbar ist der Service in Ländern wie Mexiko, Kolumbien, Peru, Brasilien und Indonesien.
Dass inDrive in diesen Bereichen so konsequent neue Köpfe einzieht, ist dabei nicht nur Personalpolitik, sondern ein Signal für den gewünschten Marktausbau. Für „Food and Groceries“ hat das Unternehmen Raphael Zennou als Vice President verpflichtet; Zennou kommt aus dem Umfeld Quick-Commerce und verantwortete dort laut Unternehmensangaben den Betrieb für Millionen monatliche Kunden. Im Ads-Bereich führt künftig Max Silin, ein ehemaliger Google-Manager, der über mehr als ein Jahrzehnt in Rollen rund um digitale Medien, Monetarisierung und programmatic Advertising gearbeitet hat. Für Delivery wurde Valentin Laykov hochgezogen, und Alexander Kurchin bleibt für inDrive.Money zuständig. Solche Hintergründe sind besonders relevant, weil Werbung und Delivery in der Regel nicht nur Vertrieb, sondern eigene operative Schleifen benötigen: Kampagnen-Optimierung, Händler- bzw. Partnerbetrieb, Logistikparameter und letztlich auch die Messung von Incrementality.
Unklar bleibt allerdings, wie groß der finanzielle Beitrag der neuen Geschäftsfelder bereits ist. inDrive macht keine Angaben zu Erlösen aus Werbung und nennt auch keinen Anteil am Gesamtumsatz. Auch zum Zeitpunkt, bis Ads als „material contributor“ relevant sein soll, bleibt der Ausblick vorsichtig: Der Vorstandsvorsitzende des Wachstumsteams verweist stattdessen darauf, dass nicht nur mehr Werbeflächen und ein wachsender Werbekundenstamm zählen, sondern auch die Skalierung weiterer Kategorien wie Groceries und Food, weil diese mehr Werbemöglichkeiten erzeugen können. Das deutet auf einen geplanten Multiplikator hin: Je mehr Nutzer im Ökosystem zwischen Services wechseln, desto mehr relevante Werbe- und Cross-Sell-Situationen entstehen.
Damit steht inDrive in einem größeren Wettbewerb mit Plattformen, die ihre Mobilitätsnetze seit Jahren schrittweise zu Consumer-Plattformen weiterentwickeln. Uber hat in der Vergangenheit neben dem klassischen Ride-Geschäft ebenfalls Delivery, Werbung und weitere Services an das bestehende Netzwerk gekoppelt; inDrive verfolgt hier einen vergleichbaren Gedanken, setzt aber stärker auf die eigene Position in Schwellenländern und auf ein kostenbewussteres Nutzerprofil. Für Unternehmen und Produktteams ist das vor allem interessant, weil die Monetarisierung in solchen Märkten häufig weniger über klassische Marktstandards funktioniert, sondern über hybride In-App- und On-Demand-Ökosysteme. Wenn die frühen Nutzerdaten (Mobility plus Delivery) und die Wiederkehrquote bei Werbekunden stabil bleiben, könnte inDrive genau an der Schnittstelle zwischen Reichweite, Werbeinventar und Service-Vernetzung eine dauerhafte Wachstumsrichtung finden.
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