SANTA CLARA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der KI-Boom zwingt Bitcoin-Miner dazu, ihre Infrastruktur neu auszurichten, und das trifft US-Pläne spürbar. Nach einem zuletzt sichtbaren Kursanstieg liegt die Marktbewertung von Bitcoin insgesamt rund 1 Billion US-Dollar unter dem Peak von Oktober 2025. Gleichzeitig zeigt Luxor anhand verfolgter Daten, dass sich die Mining-Ökonomie verschlechtert und immer weniger Rechenleistung aus den USA kommt. Der Fokus verschiebt sich damit erneut Richtung China und Russland – während Hersteller ihre ASIC-Strategien in Richtung KI-Workloads drehen.

Der Gedanke, Bitcoin-Mining dauerhaft „made in America“ zu verankern, wirkt in den aktuellen Zahlen wie ein Zeitungsartikel aus einer anderen Marktphase. Der Hintergrund ist weniger politischer Widerstand als vielmehr ein harter wirtschaftlicher Spagat: Bitcoin-Mining erzeugt nur dann attraktive Erträge, wenn Energie- und Hardwarekosten zur jeweiligen Netzwerk-Schwierigkeit passen. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Workloads so stark, dass sich viele Miner nicht mehr nur als Krypto-Unternehmen sehen, sondern als Betreiber von Rechenzentren mit KI-tauglicher Infrastruktur. Das verschiebt Prioritäten, Finanzierungslinien und letztlich auch die geografische Verteilung der betriebenen Rechenleistung.
Auch die Marktlage verschärft die Lage. Nach einem Rally genannten Zwischenanstieg liegt die gesamte Marktbewertung von Bitcoin noch immer etwa 1 Billion US-Dollar unter dem Peak von Oktober 2025. Damit bleibt Mining in vielen Fällen ein Geschäft, in dem die Kostenseite kurzfristig nach unten und die Ertragsseite nur verzögert mitzieht. Laut dem in der Meldung genannten Bild haben sich die Rahmenbedingungen für das eigentliche Mining – also das Überprüfen von Transaktionen, um Rewards zu verdienen – „kaum“ verbessert. Genau diese Kombination zieht Miner in Richtung Umbau: Statt reiner Mining-Kapazitäten entstehen KI-spezialisierte Rechenzentrumskapazitäten, die später als KI-Infra vermarktet werden können.
Dass dieser Umbau nicht nur ein Schlagwort ist, zeigt sich in den Kennzahlen zur Energieeffizienz: Laut Daten, die von der Seattle-basierten Luxor Technology getrackt werden, verbraucht Bitcoin heute rund 18% weniger Rechenleistung als noch im Oktober des Vorjahres. Das heißt nicht automatisch „weniger Mining“, aber es deutet darauf hin, dass sich die Effizienz der betriebenen Systeme verändert und in der Summe der Netzwerkbetrieb mit weniger Rechenarbeit auskommt. Gleichzeitig kippt der politische Kernpunkt: Es geht nicht nur darum, dass weniger „compute“ genutzt wird, sondern wo diese Rechenleistung herkommt. Laut Luxor Chief Operating Officer Ethan Vera verschiebt sich das Zentrum weg von den USA hin zu China und Russland – ein klarer Bruch mit einem zuvor mehrere Jahre anhaltenden Trend.
Für die US-öffentlich gehandelten Miner wirkt das besonders sichtbar, weil deren Geschäftsmodelle stark an Energieverträge, Infrastrukturplanung und die Wahl von Mining-Pools gekoppelt sind. Die Quelle beschreibt, dass die größten Rückgänge bei US-öffentlich gelisteten Unternehmen stattfinden, während sie ihre Energie in KI verlagern. Das lässt sich technisch so lesen: In vielen Rechenzentrumsarchitekturen entscheidet die Stromversorgung darüber, wie schnell man zusätzliche Kapazität anbinden kann. Wenn KI-Workloads Priorität erhalten, werden Flächen, Kühlressourcen und vor allem Stromkontingente umgeschichtet. Damit verlieren Krypto-reine Ausbaupläne oft gegen Projekte, die sich schneller in wiederkehrende Umsätze übersetzen lassen.
Auch die Marktstruktur der Mining-Pools trägt zur Dynamik bei. Mining-Pools aggregieren Rechenleistung, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, die Rewards zu erhalten. Für US-gelistete Akteure werden dabei eher US-konforme Pools wie Foundry USA genutzt, während AntPool und F2Pool stärker bei Minern außerhalb der USA beliebt sind. Laut der Meldung ist Foundrys Anteil an der gesamten Mining-Aktivität von mehr als einem Drittel auf 26% gefallen – anhand des Hashrate Index. Diese Art von „Proxy-Messung“ bildet nicht jede Einzelanlage exakt ab, aber sie macht die Richtung plausibel: Die Pool-Nutzung folgt dem geografischen und investiven Schwerpunkt.
Die Veränderung greift sogar in die Hardware-Ebene durch. Im März hat sich ein in Santa Clara ansässiges Mining-Hardware-Startup von Auradine zu Velaura AI umbenannt und wirbt seitdem mit einem neuen Silicon-Design sowie einem Intellectual-Property-Ansatz. In der Quelle wird außerdem genannt, dass das Unternehmen im August eine Series-A-Finanzierung über 110 Millionen US-Dollar abgeschlossen habe und damit auf eine Bewertung von mehr als 1 Milliarde US-Dollar kommt. Der strategische Kern: Die Erfahrungen aus Bitcoin-ASICs würden dabei helfen, Technologien in hohen Stückzahlen und in anspruchsvollen realen Einsätzen zu validieren. Gleichzeitig wird betont, dass Strom und Energieeffizienz zu den wichtigsten Einschränkungen in KI-Rechenzentren und in physischen KI-Anwendungen geworden seien – ein Direktbezug zur aktuellen Verschiebung in der Nachfrage.
Warum ist die US-Industrialisierung trotzdem so schwer? Die Meldung verweist auf die Digital Chamber als blockchain-lobbybezogene Organisation und nennt konkrete Bremsfaktoren: lange Genehmigungs- und Permitting-Zyklen, Zugang zu ausreichend Strom, Risiken in der Lieferkette und Tarife. Das erklärt auch, warum einige Onshoring-Ankündigungen zwar existieren, die Umsetzung aber zäh bleibt. Ein Beispiel ist Block: Das Unternehmen stellte vor einem Jahr einen eigenen Mining-„Proto Rig“ vor, hat aber seither weitgehend wenig darüber öffentlich gemacht. Bitdeer wiederum plant laut Quelle den Bau einer ersten US-Fertigungsstätte in Sparks, Nevada, mit einer Investition von 36 Millionen US-Dollar; von dort sollen monatlich 10.000 Einheiten eines Sealminer-Systems entstehen, das für kryptografisches Mining vorgesehen ist. Unterm Strich bleibt die Richtung jedoch zweigeteilt: Bitcoin-Mining soll vielerorts weiter „ein Pfeiler“ bleiben, aber die Investitionslogik orientiert sich zunehmend an KI-Workloads und deren Energie-Engineering.
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