LONDON (IT BOLTWISE) – Der neue VW ID. Polo bringt erstmals eine rein elektrische Variante in die Kleinwagenklasse. Im Test überzeugte vor allem das Verhältnis aus Reichweite, komfortabler Abstimmung und ausreichend großem Laderaum. Technisch nutzt die Version Style 155 kW (211 PS) Leistung und eine 52-kWh-Batterie; bis zu 452 km sind je nach Ausstattung WLTP-abhängig erreichbar. Gleichzeitig gibt es Schwächen bei Menüführung, Shortcuts und der Sprachsteuerung.

Volkswagen startet mit dem ID. Polo in eine neue Phase des Traditions-Kleinwagens: Erstmals kommt das Segment ohne Verbrennungsmotor aus. Im Test zeigte sich die Version Style mit 155 kW (211 PS) und einer 52-kWh-Batterie als klarer Versuch, den Alltagstauglichkeits-Test zu bestehen – vom täglichen Pendeln bis zur Wochenendfahrt. Je nach Ausstattung nennt Volkswagen eine Reichweite von bis zu 452 km nach WLTP, während der Listenpreis bei 36.995 Euro liegt und mit der derzeit geltenden ID.-Kaufprämie auf 33.995 Euro sinken soll.
Beim Design macht der neue ID. Polo einen Schritt Richtung vertraute Konturen statt maximaler Futuristik. Auffällig sind die durchgehenden Lichtleisten vorn und hinten, die den Wagen trotz kompakter Dimension optisch zusammenziehen. Auch innen wirkt das Bedienkonzept deutlich „entknotet“ gegenüber manchen Anlaufproblemen der ersten ID.-Generation: Statt wackeligen Touch-Tasten wie beim früheren ID.3 setzt der ID. Polo auf physische Tasten am Lenkrad. Dadurch lässt sich grundlegende Interaktion schneller im Blindflug auslösen – ein Detail, das gerade im Stadtverkehr einen echten Unterschied macht.
Technisch bleibt der ID. Polo seinem Frontantrieb-Ansatz treu. Der rund 1,6 Tonnen schwere Wagen beschleunigt laut Test in 7,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h, wobei die Kraft aus dem 155-kW-Paket kommt. Beim Fahrwerk zeigt sich eine bewusste Schwerpunktsetzung: eher komfortabel als straff, mit spürbarem Wanken. Das kann für viele Käufer der richtige Kompromiss sein, denn gerade bei Kopfsteinpflaster oder schlecht eingestellten Verbindungen zwischen Fahrbahnen zählt nicht jeder Millimeter Karosseriebewegung, sondern das Ruhegefühl im Alltag.
Für die Praxis entscheidend ist, wie gut die Energie beim Fahren und Rekuperieren genutzt wird. Auf der Teststrecke lag der Verbrauch je nach Strecke, Fahrer und Außentemperatur bei 14,6 bzw. 16,1 kWh/100 km. Bei der Rückgewinnung bietet der ID. Polo mehrere Möglichkeiten: Neben einer adaptiven Einstellung gibt es erstmals bei Volkswagen echtes One-Pedal-Driving bis zum Stillstand. Praktisch wäre zusätzlich eine Bedienung über Lenkradwippen, weil sie typischerweise schneller erreichbar sind als tiefe Menüs – im Test wurde genau das als Verbesserungspotenzial sichtbar.
Auch die Informations- und Ladefunktionen wirken im Alltag gut durchdacht. Das große 10,25-Zoll-Instrumentendisplay und der 12,9-Zoll-Touchscreen wurden im Test als stark hervorgehoben, besonders wegen der Karte mit Satellitenansicht. Die Ladeplanung arbeitet schnell und kann gewünschte oder zu meidende Ladeanbieter berücksichtigen. Zudem lässt sich die Batterie automatisch oder manuell vorkonditionieren, was sich vor allem dann auszahlt, wenn bei längeren Strecken die Ladefenster knapp werden. Reizvoll ist dabei, dass die Planung nicht nur „rechnet“, sondern die typischen Präferenzen der Nutzer – Anbieterwahl und Timing – einbezieht.
Wo der ID. Polo im Test spürbar schwächelt, ist die Bedienlogik über Menüs und Sprache. Das Aktivieren von Fahrmodi sowie Funktionen wie Auto Hold wirkt umständlich: Man muss tief in Menüs vordringen oder sich erklären lassen, wie Shortcuts funktionieren und angelegt werden. Auch die Sprachsteuerung erfüllte die Erwartungen im Test nicht zuverlässig. Während einfache Aufgaben wie das Einstellen der Sitzheizung klappten, scheiterte das System bei Fragen zur Bedienung oder bei allgemeinen Wissensfragen – ein Befund, der zeigt, dass die Interaktion zwar vorhanden ist, aber noch nicht die Alltagssicherheit erreicht, die man sich wünscht.
Unterm Strich liefert der VW ID. Polo im Test ein ausgewogenes Gesamtpaket aus Reichweite, Fahrkomfort, Platzangebot und Leistung. Das Platzangebot fällt für einen Kleinwagen ordentlich aus, dennoch bleiben die Grenzen der Fahrzeugklasse: Erwachsene sitzen im Fond zwar grundsätzlich möglich, aber insbesondere vor den Knien wird es beengt. Beim Kofferraum nennt Volkswagen 441 bis 1.240 Liter; das große Unterbodenfach ist dabei laut Angabe bereits eingerechnet. Ohne dieses Fach dürfte das Volumen in der Praxis jeweils um rund 100 Liter geringer ausfallen. Auch wenn das Design nicht jeden Geschmack trifft, bleibt der entscheidende Punkt: Der ID. Polo ist technisch und konzeptionell konkurrenzfähig – die Bedienung und Sprachsteuerung müssen aber nacharbeiten, damit der Wagen im Alltag so reibungslos funktioniert wie seine Leistungs- und Komfortwerte.
Der Blick auf einen möglichen direkten Vergleich ist damit fast zwingend. Als nächsten Rivalen soll der Hyundai Ioniq 3 getestet werden, was aus Markt- und Segmentlogik heraus nachvollziehbar ist: Beide zielen auf Käufer, die ein elektrisches Fahrzeug für den Alltag wollen, jedoch nicht in der Klasse der großen SUVs oder Mittelklasse landen möchten. Für Unternehmen und Flottenbetreiber ist vor allem die Frage relevant, wie schnell sich ein Fahrzeug im täglichen Betrieb „handhaben“ lässt – also nicht nur im Fahrgefühl, sondern bei der Energieplanung, beim Laden vor Ort und bei der Alltagsschnittstelle zwischen Fahrer und System. Genau hier wird sich zeigen, ob der ID. Polo nach dem ersten Test den Feinschliff bekommt, den moderne Assistenz- und Infotainmentsysteme heute brauchen.
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