LONDON (IT BOLTWISE) – Der Fisch- und Meeresfrüchtekonsum in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen. Pro Kopf lag der Verbrauch bei 13,9 kg Fanggewicht, das sind 1,6 kg mehr als 2024. Insgesamt kauften Verbraucher fast 425.000 Tonnen und gaben dafür über 5,1 Mrd. Euro aus. In den Regalen dominierten Lachs sowie Konserven und Tiefkühlware, während Discounter den Großteil des Absatzes binden.

Deutschland hat beim Konsum von Fisch und Meeresfrüchten 2025 eine spürbare Trendwende nach einer Phase der Zurückhaltung erlebt. Laut Daten des Fisch-Informationszentrums (FIZ) stieg die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr nicht nur mengenmäßig, sondern auch im Umsatzvolumen. Für Unternehmen, die entlang der Lieferkette arbeiten – von Handelspartnern bis zu Logistik und Vermarktung – ist das vor allem deshalb relevant, weil sich ein verlässlicheres Einkaufsverhalten anbahnt: Verbraucher reagieren offenbar weniger stark auf Schwankungen als noch 2024, sondern greifen häufiger zu Fisch als Routine-Proteinquelle.
Die Kennzahlen zeigen das sehr konkret. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und Meeresfrüchten in Deutschland wuchs 2025 auf 13,9 kg Fanggewicht. Das entspricht einem Zuwachs um 1,6 kg gegenüber dem Jahr 2024, in dem der Wert bei 12,3 kg lag. In der Breite schlagen sich diese Veränderungen auch im Marktvolumen nieder: Die Verbraucher erwarben 2025 fast 425.000 t Fisch und gaben dafür mehr als 5,1 Mrd. Euro aus. 2024 lag die Kaufmenge bei rund 415.000 t und der Gesamtwert bei rund 5 Mrd. Euro – ein Unterschied, der deutlich macht, dass der Markt nicht nur wächst, sondern zugleich mehr Budget im Bereich Fisch bündelt.
Bei der Sorten- und Darreichungswahl bleibt Lachs der Platzhirsch. 2025 belegte Lachs mit einem Marktanteil von 22,6 % den ersten Rang bei den beliebtesten Fischarten. Danach folgten Alaska-Seelachs, Thunfisch, Hering und Garnelen. Auffällig ist zudem die Präferenz für praktische Produktformen: Bei der Wahl der Darreichungsform griffen die Verbraucher vorrangig zu Konserven und Tiefkühlware. Frischfisch sowie Krebs- und Weichtiere lagen in der Absatzstatistik dahinter. Dieser Mix ist wirtschaftlich erklärbar, denn er passt zu einem Konsumverhalten, das einerseits Convenience priorisiert und andererseits Preisrisiken reduziert, die bei einzelnen Frischeprodukten stärker durchschlagen können.
Auch die Frage, wo eingekauft wird, liefert Hinweise auf den Mechanismus hinter dem Wachstum. Nahezu die Hälfte des Absatzes – 49 % – wurde 2025 über Discounter realisiert. Super- und Verbrauchermärkte deckten 41 % des Bedarfs ab, während der Fachhandel mit 4 % im Massenmarkt eine untergeordnete Rolle spielte. Für Hersteller und Marken bedeutet das: Der größte Hebel liegt nicht ausschließlich bei Rezeptur- oder Verpackungsinnovation, sondern häufig bei der Passung von Sortiment, Preisarchitektur und Verfügbarkeit entlang der Discounter-Regalwelt. Wer in diesem Kanal bestehen will, muss zudem Lieferfähigkeit und Planbarkeit im Blick behalten, weil die Nachfrageerhöhung sonst nicht in echte Verkaufszahlen umschlägt.
Parallel dazu spielt die Preisentwicklung eine zentrale Rolle. In der Periode von 2021 bis 2025 stiegen die Fischpreise um 27,6 %. Damit verlief die Teuerung im Vergleich zu vielen anderen Grundnahrungsmitteln moderater: Fleisch verteuerte sich um 28,6 %, bei Molkereiprodukten und Eiern lag der Wert sogar bei 39,8 %. Auch Brot und Getreideprodukte legten um 35,2 % zu; insgesamt stiegen die Lebensmittelpreise im betrachteten Zeitraum um 31,8 %. Der Fischpreis wirkt damit wie ein stabilisierender Faktor: Wenn Verbraucher beim Wocheneinkauf stärker auf Budget achten, wird der relative Vorteil eines Produkts gegenüber anderen Protein-Alternativen häufig verstärkt – und genau dieses Muster deutet sich hier an.
Der Preis- und Nachfragezusammenhang wird zusätzlich über Indizes sichtbar. Für das Jahr 2025 lag der Fischpreisindex bei 130,2 Punkten (Basisjahr 2020 = 100), während der Index für Lebensmittel insgesamt bei 135,9 Punkten lag. Für das erste Halbjahr 2026 deuten aktuelle Daten auf eine Fortsetzung des Trends hin: Der Lebensmittelindex stieg auf 137,7 Punkte, der Index für Fisch auf 133,3 Punkte. Das spricht dafür, dass Fisch im Vergleich zum Gesamtmarkt preislich weiterhin nicht gleichzieht. Unterdessen zeigt sich auch ein regionales Nord-Süd-Gefälle beim Verzehr, ohne dass sich ein einzelner Ort als alleiniger Treiber herausstellt: Im bundesweiten Schnitt lag das Produktgewicht ohne Außer-Haus-Verzehr 2025 bei 5,1 kg. Spitzenwerte erzielten Bremen mit 6,2 kg und Hamburg mit 6,0 kg, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 5,8 kg. Am unteren Ende lagen Mecklenburg-Vorpommern mit 4,4 kg und das Saarland mit 4,0 kg pro Person.
Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland zwar im Mittelfeld, aber der Binnenanstieg ist dennoch strategisch bedeutsam. Island gilt weiterhin als globaler Spitzenreiter, dort wird ein Pro-Kopf-Verbrauch von fast 84 kg verzeichnet. Für die deutsche Industrie heißt das: Der Schritt von „Mittelwert“ hin zu höherer Marktdurchdringung ist möglich, erfordert jedoch eine klare Positionierung entlang der Vertriebskanäle. Wer in den kommenden Quartalen Produkte, Einkaufskampagnen und Absatzplanung auf Basis der genannten Muster – Lachs als Zugpferd, Convenience über Konserven und Tiefkühlware, Discounter als Hauptkanal sowie die relative Preisstabilität – ausrichtet, kann das Wachstum aus 2025 vermutlich besser verstetigen als reine Einzelsaisonalität. Gleichzeitig lohnt es sich, regional differenziert zu denken, weil Hamburg und Bremen bereits überdurchschnittliche Werte erreichen und dort Werbe- und Sortimentslogik anders funktionieren kann als im Saarland oder in Mecklenburg-Vorpommern.
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