LONDON (IT BOLTWISE) – Der Satellit LINK, der die Umlaufbahn von NASAs Swift-Observatorium stabilisieren sollte, konnte wegen eines Triebwerks- und Steuerungsproblems nicht wie geplant mit Swift zusammenarbeiten. Die Mission wurde nach dem Auftreten der Störung abgebrochen, während Swift durch erhöhte Sonnenaktivität schneller als erwartet an Höhe verliert. Zwar bleibt die Rettung des Observatoriums aus, doch LINK liefert weiterhin verwertbare Betriebsdaten. Das Team nutzt die verbleibende Zeit für Technologie-Demonstrationen, darunter erfolgreiches Zünden mehrerer elektrischer Triebwerke und das Ausfahren von Roboterarmen.

LINK-Satellit erreicht Swift nur knapp: NASA beendet Rendezvous wegen Triebwerksproblem
LINK-Satellit erreicht Swift nur knapp: NASA beendet Rendezvous wegen Triebwerksproblem (Foto: IT BOLTWISE)
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NASAs Neil Gehrels Swift Observatory verliert seit Monaten sichtbar an Bahnenergie, und damit wächst die Dringlichkeit für jede Form von Unterstützung. Ursprünglich zielte die Mission LINK darauf ab, genau in diesem Zeitfenster ein konkretes Rettungsszenario durchzuführen: Swift sollte per Rendezvous eingefangen, mechanisch am richtigen Punkt „gepackt“ und anschließend in eine stabilere Umlaufbahn gehoben werden. Dass es dazu nicht mehr kommt, liegt nicht an fehlender Planung, sondern an einem technischen Aussetzer: Nach dem Start und dem Erreichen des Orbit traf LINK auf eine Thruster-Control-Störung, weshalb NASA das Rendezvous mit Swift frühzeitig abbrach.

Katalyst Space hatte LINK dafür gebaut, eine sehr enge Choreografie zu ermöglichen. Der Satellit wurde am 3. Juli in den Weltraum gebracht, gestartet mit einer Northrop Grumman Pegasus XL, bei der die Rakete aus der Luft gestartet wird. Doch etwa drei Wochen nach dem Erreichen des Weltraums begann LINK unkontrolliert zu rotieren. Gleichzeitig verschlechterte sich das Zeitfenster für Swift: Die Umlaufbahn des Observatoriums zerfiel laut Quelle im letzten Jahr schneller als erwartet, weil die Sonnenaktivität zunahm und damit mehr Atmosphäre in höhere Lagen „hineinwirkte“ als zuvor angenommen. Vor diesem Hintergrund wurde LINKs Swift Boost Mission schon von Anfang an als „Hail Mary“-Versuch beschrieben, weil Katalyst in weniger als einem Jahr konstruieren, bauen und testen musste, bevor der Start überhaupt stattfinden konnte.

Mit dem Abbruch des geplanten Rendezvous ist das Hauptziel – Swift vor dem Wiedereintritt zu bewahren – praktisch vom Tisch. Die Quelle beschreibt, dass Swift dadurch sehr wahrscheinlich noch in diesem Jahr in der Erdatmosphäre verglühen wird. Für LINK gilt eine ähnliche Zeitleiste: Das eigene Schicksal liegt in den nächsten Wochen, nachdem die Rettungsmission scheitert und der Satellit seinen Auftrag nicht mehr erfüllen kann. Dennoch wäre es in der Raumfahrt ein Fehler, ein technisch gescheitertes Manöver nicht wenigstens als Datenquelle zu nutzen. Katalyst nutzt genau diesen Ansatz: Der Hersteller und Betreiber hat weiterhin „so viel Daten wie möglich“ aus LINK herausgeholt, obwohl der Weg zu einem näheren Rendezvous nicht mehr realistisch war.

Technisch bleibt die Nachricht deshalb zweigeteilt: Nicht genug, um Swift zu retten, aber genug, um mehrere Systemfunktionen unter realen Bedingungen zu beweisen. Obwohl LINK die geplante Annäherung nicht mehr auf das volle Rendezvous-Profil fahren konnte, gelang es dem Satelliten, alle drei elektrischen Triebwerke erfolgreich zu zünden und die Umlaufbahn so zu verändern, dass die Sonde innerhalb von 12 bis 15 Kilometern (7,5 bis 9 Meilen) an Swift vorbeifliegen konnte. Das ist nicht „Docking“, aber eine signifikante Bahnumformung in dem Moment, in dem die eigentliche Rettungslogik gestoppt wurde. Ergänzend konnten auch alle drei Roboterarme von LINK vollständig ausfahren, die ursprünglich dafür vorgesehen waren, Swift beim orbitalen Anheben zu „ergreifen“ und mechanisch zu führen.

Swift selbst ist seit mehr als 20 Jahren im Einsatz und beobachtet hochenergetische Phänomene wie Gamma-Ray-Bursts, Supernovas, Auswürfe von Schwarzen Löchern sowie Fast Radio Bursts. Dass das Observatorium dem Ende entgegenseht, bedeutet nicht, dass die letzten Betriebsmonate leer sind: Zwei der drei wissenschaftlichen Instrumente wurden laut Quelle Ende August wieder aktiviert. Das X-Ray Telescope (XRT) und das Ultraviolet/Optical Telescope (UVOT) waren im Februar heruntergefahren worden, um den Drag durch die Erdatmosphäre zu minimieren, während die Mission LINK zunächst als Chance auf eine Bahnkorrektur galt. Als klar wurde, dass die Option für das orbital unterstützende Manöver ausfällt, wurden die Instrumente erneut genutzt, vermutlich um die verbleibende Beobachtungszeit maximal auszuschöpfen.

Für die Branche ist die eigentliche Lehre deshalb weniger „Rettung gelungen“ oder „Rettung gescheitert“, sondern die Frage, was sich trotz eines Abbruchgrundes testen lässt. LINK zeigt in der Endphase, wie sich elektrische Antriebe und robotische Greif- bzw. Armfunktionen in einem engen Orbitumfeld bedienen lassen – und das unter den Bedingungen, die beim Betrieb eines schnell abklingenden Zielobjekts entstehen. Genau diese Technologie-Demonstrationen möchte Katalyst zusammen mit NASA nun so weit wie möglich auswerten, mit dem Ziel, sie später für andere Satelliten-Einsätze nutzbar zu machen. Das klingt nach einer „späten“ Mission, ist aber in der Praxis ein typischer Weg, verlorene Bahnfenster in messbare Lernkurven für zukünftige Servicing- und Deorbit-/Reboost-Ansätze zu verwandeln.


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