LONDON (IT BOLTWISE) – Citi hebt die weltweite Wachstumsprognose für Rechenzentren bis 2031 deutlich an und aktualisiert dafür eine Favoritenliste. Laut Modell soll die IT-Last der Branche von 121 Gigawatt im Jahr 2026 auf 370 Gigawatt 2031 steigen. Als strukturellen Treiber nennt die Bank vor allem die wachsende Nutzung agentenbasierter KI-Anwendungen in Unternehmen. Kurzfristig bremst aus ihrer Sicht jedoch der Genehmigungs- und Energiezugang, unter anderem mit Genehmigungsstopps in Texas und New York.

Der Rechenzentrumsboom bekommt bis 2031 neue Leitplanken, weil Citi seine globale Wachstumsannahme nach oben zieht und daraus eine sektorübergreifende Aktienauswahl ableitet. Im Kern geht es nicht nur um mehr Strom für mehr Server, sondern um eine neue Größenordnung der IT-Last: Laut dem aktualisierten Modell soll die weltweite IT-Last der Rechenzentrumsbranche von 121 Gigawatt im Jahr 2026 auf 370 Gigawatt im Jahr 2031 klettern. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 25 Prozent und markiert auch deshalb eine Zäsur, weil die Annahme für die jeweils neu hinzukommende IT-Last von 35 Gigawatt (2026) auf 60 Gigawatt (2031) steigt. Damit wird der Engpass „Kapazität“ noch stärker zu einer Planungsvorgabe für Unternehmen, die KI-Workloads systematisch aufbauen.
Auch die Dynamik innerhalb des Prognosepfads ist dabei aussagekräftig: Citi rechnet für die Buchungen der Branche 2026 mit 35 Gigawatt und erwartet für 2027 einen Sprung auf 40 Gigawatt. Verantwortlich ist laut Bankenargumentation unter anderem eine stärkere Nachfrage nach Token-Verbrauch, schnellere Chipverkäufe sowie erstmalig berücksichtigte Beiträge aus China. Besonders relevant für Technologie- und IT-Leitungen ist der Treiber, den Citi neben dem klassischen Trainingsbedarf großer KI-Modelle hervorhebt: die zunehmende Nutzung agentenbasierter KI-Anwendungen in Unternehmen. Agentenbasierte Systeme erzeugen typischerweise nicht nur einmalige Inferenzläufe, sondern wiederholte Workflows mit Zwischenschritten, was die Auslastung über den Tag verteilt erhöht und Kapazitätsplanung anspruchsvoller macht.
Aus dieser Logik leitet Citi auch eine Favoritenliste ab, in der Betreiber klassischer Colocation- und Rechenzentrumsmodelle ebenso auftauchen wie Zulieferer, Energieversorger und Software-Ökosysteme. Im Rechenzentrumssegment werden neben Equinix und Digital Realty Trust auch die Vorzeichen der Nachfrage mit einem mehrjährigen Ausblick begründet. Auf der Energieebene nennt die Bank NextEra Energy und FirstEnergy als mögliche Gewinner, wenn der Strombedarf weiter anzieht. Der Blick auf den Halbleitersektor bleibt dabei positiv: Citi führt AMD und den Fertigungsdienstleister Celestica, und bei Internetkonzernen stehen Amazon, Alphabet und Meta im Fokus. Parallel dazu setzt die Bank im Softwarebereich auf Microsoft und Oracle sowie auf Neocloud-Anbieter, also spezialisierte Cloud-Betreiber, die Rechenkapazität gezielt für KI-Workloads bereitstellen.
Unter den genannten Namen sticht TeraWulf heraus, weil das Unternehmen historisch aus dem Bitcoin-Mining kam und die Infrastruktur schrittweise in Richtung KI-Rechenzentren umstellt. Citi ordnet TeraWulf dabei als potenziellen Engpass-Entlaster ein: Die bestehende Industriestandort-Logik und vorhandene Netzanschlüsse könnten helfen, Infrastruktur schneller in KI-taugliche Umgebungen zu überführen. Genau hier liegt die technische Brücke zwischen Mining und KI-Compute: Beide benötigen hohe Leistungen und robuste Strom- und Kühlkonzepte, nur dass KI-Workloads zusätzlich stark von der Verfügbarkeit passender Chip- und Interconnect-Ressourcen abhängen. Laut Angaben im Citi-Kontext strebt TeraWulf einen jährlichen Kapazitätsausbau von 250 bis 500 Megawatt an, wobei das für Anleger zugleich verdeutlicht, wie klein einzelne Betreiber relativ zur Gesamtmarktskala wirken.
Die kurzfristigen Risiken beschreibt Citi dagegen deutlich stärker über die Angebotsseite als über die Nachfrage. Die größte Unsicherheit liege bei der Verfügbarkeit von Energie in einzelnen Märkten sowie bei lokalen und bundesstaatlichen Auflagen, die Genehmigungsprozesse verlängern können. In Texas und New York wurden nach Citi-Angaben bereits vorübergehende Stopps für Genehmigungen neuer Rechenzentrumsprojekte verhängt. Für ein wachsendes Unternehmen wie TeraWulf kann das zum Nadelöhr werden, falls geplante Standorte davon betroffen sind oder die Netzanschluss-Zeitpläne nach hinten rutschen. Zwar verweist die Bank darauf, dass Betreiber und Kunden mit Maßnahmen wie Vorschlägen zur Stabilisierung der Energiekosten zeitnah reagieren könnten, dennoch bleibt Genehmigungsgeschwindigkeit ein Faktor, der operative Realisierungstermine direkt beeinflusst.
Ein weiterer Punkt, den Citi hervorhebt, betrifft die Kapitalmarkt- und Bewertungslogik: Vorvermietungen könnten sich seiner Einschätzung nach bis in die Jahre 2028 bis 2030 erstrecken, weil Hyperscaler, Neoscaler und Rechenzentrumsentwickler frühzeitig Kapazität sichern wollen. Gleichzeitig macht die Bank das unternehmensspezifische Risiko bei TeraWulf greifbar: Die Finanzierung laufe mit hoher Verschuldung, und es gebe keinen belegten operativen Gewinn. In solchen Konstellationen schlagen Verzögerungen beim Netzanschluss oder ein Rückgang der Investitionsbereitschaft im KI-Sektor überproportional durch, weil die Kostenbasis im Aufbauphase-Modus häufig weiterläuft, während Erlöse später sichtbar werden. Der nächste konkrete Beobachtungspunkt ist für Citi daher, ob Texas und New York ihre Genehmigungsstopps lockern, denn davon hängt ab, wie schnell Projekte tatsächlich ans Netz kommen.
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